Anklage

Kurt-Beier-Führung der Ausbeutung angeklagt

Kurt-Beier-Führung der Ausbeutung angeklagt

Kurt-Beier-Führung der Ausbeutung angeklagt

Pattburg/Padborg
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Das Firmenlogo des Unternehmens „Kurt Beier Transport" Foto: Archiv: DN/Scanpix

Den Leiharbeitern aus Sri Lanka und von den Philippinen wurden für unmenschliche Unterkünfte horrende Mieten abverlangt. Allerdings ist der Vorwurf des Menschenhandels vom Tisch.

Es waren langwierige und schwierige Ermittlungen. Nun aber hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die Leitung des Transport-Unternehmens Kurt Beier Transport A/S wegen schwerer Ausbeutung erhoben.

Eine Anzeige des Centers gegen Menschenhandel (Center Mod Menneskehandel, kurz: CMM), einer Abteilung der dänischen Sozialbehörde, am 16. Oktober 2018 brachte den Stein ins Rollen.

Unter kümmerlichen Verhältnissen mussten Lkw-Fahrer in Pattburg hausen. Foto: Ritzau/privat

Menschenunwürdige Verhältnisse

Bei einer Kontrolle der Firmenadresse am Lejrvej in Pattburg stellte die Polizei fest, dass dort insgesamt 30 ausländische Fahrer unter menschenunwürdigen Verhältnissen in Baracken oder Lkw untergebracht waren.

Die Männer aus Sri Lanka und von den Philippinen hatten nur beschränkt Zugang zu Toiletten und Kochmöglichkeiten. Laut CMM waren die Männer Angestellte eines polnischen Unternehmens mit dem Namen „HBT Internationale Transporte“. Sie hatten keine Krankenversicherung. Eine medizinische Betreuung war ebenfalls nicht gewährleistet, lauteten die weiteren Vorwürfe des CMM.

Verstöße gegen Bau- und Brandschutzbestimmungen

Außer dem Center gegen Menschenhandel hat auch die Kommune Apenrade einige Anzeigen gegen das Transportunternehmen vorgebracht. So waren verschiedene Brandschutz- und Baubestimmungen nicht eingehalten.

Allein um die Besitz- und Finanzverhältnisse, Anstellungsverträge, Lohntransaktion und die Aktivitäten des Konzerns in Polen klarlegen zu können, waren sorgfältige Ermittlungen erforderlich. So wurden allein 25 der 30 Fahrer verhört, bevor sie wieder in ihre Heimatländer reisen konnten.

Umfangreiche Ermittlungen

Im Zuge der Ermittlungen hat die Polizei für Südjütland und Nordschleswig mit den polnischen Behörden, der dänischen Arbeitsaufsicht, der dänischen Steuerbehörde, der Kommune Apenrade, dem Center gegen Menschenhandel und den zuständigen Brandbehörden zusammengearbeitet, um die Verhältnisse aufdecken zu können.

Aufgrund der Komplexität hat die Anklagevertretung der Polizei den Fall der Staatsanwaltschaft Viborg zur Stellungnahme übergeben. Der Staatsanwalt hat nach Prüfung der Beweise am 1. Juli beschlossen, keine Anklage wegen Menschenhandels zu erheben.

Ausbeutung aus Habgier

Allerdings haben sich die Leitung des Transportunternehmens und führende Mitarbeiter der schweren Ausbeutung aus Habgier nach Paragraf 286 des dänischen Strafgesetzbuches schuldig gemacht.

Darüber hinaus umfasst die Anklageschrift einige weitere Punkte. So wird die Kurt-Beier-Führung wegen Verstößen gegen verschiedene Bau- und Brandschutzbestimmungen und des Ausländergesetzes angeklagt.

Allein der Paragraf 286 ermöglicht Freiheitsstrafen bis zu sechs Jahren.

Ein Gerichtstermin ist noch nicht anberaumt.

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