Vertrauensgesellschaft

Der Kampf gegen die Korruption begann mit einer Kriegsniederlage

Gert Tinggaard Svendsen im Gespräch mit SP-Parteisekretärin Ruth Candussi während der BDN-Neujahrstagung in Sankelmark

Nachdem Schweden 1658 Dänemark besiegt hatte, wollte Frederik III. aufrüsten. Doch die Staatskasse war leer, weil der Beamtenstand aus korrupten Adeligen bestand. Der König leitete den Einsatz gegen die Korruption ein, und dieser wirkt bis heute nach. Dänemark hat weltweit die geringste Korruption.

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Zusammenfassung

  • Dänemark gilt laut Transparency International erneut als das am wenigsten korrupte Land der Welt.
  • Die historischen Wurzeln liegen in den Reformen Frederik III. nach der Niederlage von 1658 und der Entmachtung des korrupten Adels.
  • Ein loyaler, gut ausgebildeter Beamtenstand und eine strikte Antikorruptionskultur prägen bis heute das hohe Vertrauen und den Wohlstand Skandinaviens.

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Zum achten Mal in Folge ist Dänemark das am wenigsten korrupte Land der Welt. Das zeigt ein Bericht der Organisation Transparency International.

Um die Wurzeln dieser Spitzenreiterrolle zu finden, muss der Blick zurück zu einem der schmerzlichsten Zeitpunkte der dänischen Geschichte schweifen, und zwar zum Eiswinter des Jahres 1658. Der Kleine und der Große Belt waren zugefroren. 

Das nutzten schwedische Truppen, die von Polen kommend durch das südliche Jütland gezogen waren und über das Eis zunächst Fünen und dann Seeland erreichen konnten. Kurze Zeit später standen sie vor den Toren Kopenhagens.

Der Verlust von Schonen, Halland und Blekinge

König Frederik III., der im Jahr zuvor Schweden den Krieg erklärt hatte, war gezwungen, den Friedensvertrag von Roskilde zu unterzeichnen. Dänemark musste die schwedischen Regionen Schonen, Halland und Blekinge sowie Bornholm abtreten. 

„Dänemark hatte richtiggehend Prügel bekommen“, sagt der Politologe Gert Tinggaard Svendsen, der in diesem Moment der Niederlage den Anfang des Kampfes gegen die Korruption sieht.

Geld fehlte aufgrund von Korruption

Der König wollte nämlich das Heer neu aufbauen, damit er Dänemark-Norwegen verteidigen und möglichst auch das südliche Schweden zurückerobern konnte. Doch die Kasse war leer. 

Die Adeligen besetzten die öffentlichen Stellen. Viele von ihnen waren korrupt, bedienten sich aus der Staatskasse und schacherten sich gegenseitig die Posten zu. Es regierten Vetternwirtschaft und Untauglichkeit. Frederik III. beschloss, damit aufzuräumen. 

So hat sich ein Beamtenstand entwickelt, in dem die ungeschriebene Regel ist, dass Korruption nicht geduldet wird.

Gert Tinggaard Svendsen

„Er entmachtete den Adel und begann, Männer bürgerlicher Herkunft anzustellen. Kompetenz und allmählich auch Ausbildung wurden ausschlaggebend“, so Tinggaard Svendsen, der sich an der Universität Aarhus mit den Grundlagen der dänischen Vertrauensgesellschaft befasst.

Ein loyaler Beamtenstand

Somit hat der König mit dem Absolutismus auch den Einsatz gegen die Korruption eingeleitet. Das sieht auch die Historikerin Mette Frisk Jensen von der Aarhuser Universität so.

„Die absolutistischen Könige forderten von ihren Beamten unbedingte Loyalität. Die Loyalität war ein effektives Mittel, um die Korruption in der Verwaltung über die Jahrhunderte zu mindern“, sagt sie laut „Videnskab.dk“. 

Wettrüsten gegen Korruption

Frederik III. führte harte Strafen gegen Korruption ein. Wer sich aus der Staatskasse bediente, wurde zu lebenslanger Haft und harter Strafarbeit verurteilt. Bei Bestechung drohte die Todesstrafe. 

Die Maßnahmen zeigten Wirkung: Die Staatskasse füllte sich, und Dänemark-Norwegen konnte ein schlagkräftiges Heer aufbauen. Das zwang wiederum die andere Seite dazu zu reagieren. Auch Schweden-Finnland brauchte Geld und damit eine kompetente Verwaltung.

„Es begann ein regelrechtes Wettrüsten im Kampf gegen die Korruption“, erläutert Professor Tinggaard Svendsen. 

Korruption wird nicht geduldet

Hierin sieht er die Erklärung dafür, dass nicht nur in Dänemark, sondern in ganz Skandinavien die Korruption gering und das Vertrauen hoch ist. Zum Vergleich wurden im Deutschen Reich die öffentlichen Ämter laut „Videnskab.dk“ per Auktion vergeben. 

„So hat sich in Dänemark ein Beamtenstand entwickelt, in dem die ungeschriebene Regel ist, dass Korruption nicht geduldet wird“, so der Professor. 

Antikorruption als Erbe

1736 begann die Universität Kopenhagen, Juristen auszubilden. Allmählich hatten die meisten königlich ernannten Beamten einen Jura-Abschluss. Sie kannten das Gesetz. Genauso wichtig ist jedoch die Verwaltungskultur, die sich entwickelt hat.

„Neu Angestellten wird beigebracht, dass Missbrauch des Postens zur eigenen Bereicherung nicht angeht. Wird so etwas entdeckt, wird es größtenteils gemeldet“, sagt Tinggaard Svendsen.

Mit anderen Worten: Die ungeschriebenen Gesetze besagen, dass öffentlich Bedienstete die geschriebenen einhalten müssen. 

Wie bereits zuvor im „Nordschleswiger“ beschrieben, sind die geringe Korruption und das hohe Vertrauen die Grundlage für den hohen Wohlstand in den skandinavischen Ländern. 

Was ist Korruption?

„Korruption ist der Missbrauch anvertrauter Macht zum privaten Nutzen oder Vorteil.“ – So definiert es Transparency International. Der Schlüsselbegriff der Korruptionsbekämpfung ist Transparenz.

  • Bestechung oder Bestechlichkeit im internationalen Geschäftsverkehr oder im eigenen Land.
  • Käuflichkeit in der Politik oder der Versuch, durch Schmiergelder Vorteile zu erlangen.
  • Korruption verursacht nicht nur materielle Schäden, sondern untergräbt auch das Fundament einer Gesellschaft.
  • Dort, wo der Rechtsstaat geschwächt, die Freiheit der Medien und der Zivilgesellschaft beschnitten werden, breitet sich Korruption rasch aus, weil es keine Kontrollinstanzen mehr gibt.
  • Korruption ist ein oft unsichtbares Phänomen, da es nur zwei Täter gibt – Bestechende und Bestochene. Beide wollen ihr Tun verschleiern und haben kein Interesse an Aufklärung. Es muss daher Öffentlichkeit und Überprüfbarkeit hergestellt werden, wo gegebene Strukturen korruptives Verhalten erleichtern.
  • Quelle: Transparency International