Natur und Umwelt

Drei Otter im eiskalten Nass: Seltene Wintergäste an der Wiedauschleuse bei Hoyer gesichtet

Mehrere Fischotter schwimmen in einem winterlichen Fluss mit Eis am Ufer.
Höchstwahrscheinlich tummeln sich wie auf diesem Bild ein Muttertier und ihre zwei fast ausgewachsenen Jungen in der Wiedaumündung. Das Foto wurde bei Schneegestöber aufgenommen und ist der Grund für die leichte Unschärfe.

Eis auf der Wiedau, Stille über dem Watt – und plötzlich Bewegung im Schilf: Gleich drei Fischotter zeigten sich an der Hoyerschleuse. Der frostige Winter schafft Momente, die Naturbeobachtende sonst kaum erleben – und erzählt zugleich eine Geschichte vom Comeback eines fast verschwundenen Tieres.

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Zusammenfassung

  • Strenger Frost hat die Marschengewässer bei Hoyer weitgehend zufrieren lassen.
  • An der weitgehend eisfreien Wiedaumündung wurdenam helllichten Tag drei Fischotter sowie verschiedene Wasservögel beobachtet.
  • Die Sichtungen zeigen das erfolgreiche Comeback der einst fast ausgerotteten Fischotter, die heute von Schutzmaßnahmen auf beiden Seiten der Grenze profitieren.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Die seit Wochen anhaltenden winterlichen Temperaturen haben die Wiedau und zahlreiche Gewässer in den Marschen bei Hoyer zufrieren lassen. Selbst im Wattenmeer hat sich Eis gebildet. Viele Zugvögel, die bis in den Dezember noch Nahrung auf Wattflächen und auf den Marschwiesen gefunden hatten, sind in wärmere Gefilde entschwunden.

Für Naturbeobachtende bietet sich die Gelegenheit im Bereich der Wiedaumündung, wo Strömung und Gezeitenwechsel für eisfreie Flächen sorgen, normalerweise sehr scheue Tiere zu sehen. Direkt an der Hoyerschleuse tummelten sich kürzlich mehrere Fischotter. Drei Exemplare schwammen in der Strömung oder kletterten aufs Eis. Vermutlich handelte es sich um ein Muttertier mit zwei fast ausgewachsenen Jungen.

Der sehr dichte Pelz ermöglicht den Fischottern den Aufenthalt auch im eisigen Wiedauwasser.

Zeitweise gesellten sich Pfeifenten, Sing- und Höckerschwäne sowie Gänsesäger dazu. Letztere – Entenvögel mit charakteristisch „gesägtem“ Schnabelrand – sind geschickte Fischjäger. Während sie im Sommer vor allem an der Ostküste Nordschleswigs anzutreffen sind, jagen sie nun an der Westküste tauchend Fische.

Vom Verschwinden und Zurückkehren

Fischotter sind dämmerungs- und nachtaktiv. Umso bemerkenswerter ist eine Sichtung am Tage. In den 1980er-Jahren galten sie im Bereich der Wiedau – wie in ganz Nordschleswig – als ausgestorben. In Dänemark gab es nur noch ein Restvorkommen in Nordjütland.

Faktenbox: Der Fischotter

· Länge (Kopf-Rumpf): 100–130 cm

· Schwanzlänge: bis 40 cm

· Gewicht: 7–12 kg

· Systematik: Ordnung der Raubtiere, Familie der Marder

· Anpassung: Dichter, wasserabweisender Pelz und Schwimmhäute zwischen den Zehen

· Tauchfähigkeit: bis zu 10 Minuten; Nasen- und Ohrenöffnungen werden verschlossen

· Fortpflanzung: ganzjährig möglich; meist 2–3 Junge

· Aufzucht: ausschließlich durch das Weibchen; etwa 12–14 Monate bei der Mutter

· Lebensweise: Einzelgänger mit Revieren von bis zu 40 km Länge

· Nahrung: vor allem Fische (bis ca. 15 cm), außerdem Krebse, Amphibien, Vögel und Kleinsäuger

Quellen: Naturstyrelsen; Dansk Pattedyratlas; Die Säugetiere Schleswig-Holsteins

Der Gänsesäger ernährt sich hauptsächlich von Fisch.

Die Tiere waren bis in die 1960er-Jahre auch an der Wiedau, wo sie jahrtausendelang heimisch waren, intensiv als Fischräuber gejagt worden. Viele Fischotter ertranken zudem in Reusen oder kamen an Straßenbrücken ums Leben. Ihnen wurde die Angewohnheit zum Verhängnis, an Brücken bei ihren Uferwanderungen die Straßen zu kreuzen, weil sie Durchlässe ohne „Trittsteine“ meiden.

Mit der Unterschutzstellung im Jahr 1967 begann in Dänemark eine langsame Wende. Das damalige Amt Nordschleswig ließ an Brücken für Otter und andere Tiere Faunapassagen anlegen. Parallel verbesserten sich Wasserqualität und Gewässerstruktur durch Renaturierungsmaßnahmen. In den 1990er-Jahren kehrten die Otter an die Wiedau und ihre Nebenläufe zurück.

Die Singschwäne sind durch ihre trötenden Laute und gelben Schnäbel von den schweigsamen Höckerschwänen zu unterscheiden. Sie kommen als Wintergäste aus dem hohen Norden.

Inzwischen profitieren die Tiere beiderseits der Grenze von Schutzprogrammen. Auch in Schleswig-Holstein breitete sich der Bestand – ausgehend von Restvorkommen im Raum Lauenburg – wieder bis an die dänische Grenze aus. Die Populationen gelten heute als miteinander verbunden. Für die dänische Naturbehörde Naturstyrelsen ist dies ein sichtbarer Erfolg langfristiger Naturschutzarbeit.

Die Fischotter besuchen auch die Wattenmeerküste, ihre Fußspuren sind auch bei kleinen Bächen wie dem Aalbek (Ålbæk) zu sehen, der zwischen Emmerleff (Emmerlev) und Jerpstedt (Hjerpsted) ins Wattenmeer mündet.

Die Sumpfohreule fällt durch ihren eleganten Flug an Deichen und Ufern auf. Die Flügelschläge wirken mitunter wie Bewegungen in Zeitlupe. Auch hier ließen die Witterungsbedingungen kein schärferes Foto zu.

Wintergäste aus dem Norden

Neben den Ottern nutzen auch andere Tierarten die offenen Wasserstellen. Seeadler, Kornweihen und Bussarde kreisen über der Wiedaumündung. Eisvögel jagen entlang der eisfreien Bereiche. Mitunter streifen sogar Sumpfohreulen tagsüber über die Marsch, wo sie vor allem Wühlmäuse erbeuten. Einst brüteten sie in der Tonderner Marsch – sogar am Bahndamm bei der Hoyerschleuse. Heute stammen die lautlosen Jäger aus nördlicheren Regionen und verbringen den Winter an der Küste.