Musik

Zwischen Hotels und Hadersleben: Wie Rikke Thomsen ihren „Zeitgeist“ findet

Rikke Thomsen mit Lederjacke blickt nachdenklich in einem Innenraum zur Seite.
Rikke Thomsen reflektiert mit ihrer Single „Zeitgeist“ über Zeit, Familie und veränderte Beziehungen.

Sängerin Rikke Thomsen kommt aus Blans, ist in Nordschleswig tief verwurzelt und nennt ihr neues Album „Zeitgeist“. Auf nordschleswigsch und mit deutschem Klang erzählt sie von Familienbeziehungen, neuer Liebe und dem Weg zurück nach Hadersleben – und davon, wie sich das Leben zwischen Tour und Heimat anfühlt.

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Zusammenfassung

  • Rikke Thomsen veröffentlicht mit „Zeitgeist“ ein neues Album, in dem sie über veränderte Familienbeziehungen und den Umgang mit Zeit reflektiert.
  • Sie nutzt Musik als Ventil für große Lebensfragen, singt bewusst im Sønderjysk-Dialekt mit deutschem Klang und versteht dies als Kern ihrer künstlerischen Identität.
  • Nach Jahren auf Tour und in verschiedenen Städten ist sie der Liebe wegen nach Hadersleben zurückgekehrt, wo sich Nordschleswig für sie erneut wie Zuhause anfühlt.

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Ist es die Zeit, die Menschen voneinander trennt – oder verändern sich Beziehungen einfach so? Was ist „Zeitgeist“, und wie kommt es, dass jeder Mensch 24 Stunden zur Verfügung, aber doch manchmal „keine Zeit“ hat? Sängerin Rikke Thomsen treiben diese Fragen um. Als Künstlerin hat sie daraus Lieder kreiert – und ein neues Album mit gleichnamiger Single „Zeitgeist“ herausgegeben.

Die Single ist ein Lied über Thomsens Geschwister. Darüber, wie sich Beziehungen über 20 Jahre seit der Kindheit verändert haben. „War es die Zeit, die uns einander weggenommen hat, oder ist es einfach so gekommen?“, fragt die Sängerin im Interview mit dem „Nordschleswiger“.

Musik ist für die in Blans aufgewachsene Sängerin und Liedermacherin ein Ventil. Gedanken, Beobachtungen, Gefühle, die großen Fragen des Lebens und die kleinen Augenblicke des Alltags, alles fließt in Texte und Noten und strömt über die Seiten ihrer Gitarre und aus ihrem Mund als Lieder heraus.

So auch die Frage nach dem Zeitgeist. „Ich erlebe, dass wir alle die Zeit als Maßstab einsetzen und sie als Entschuldigung benutzen – aber diese Ausreden geben uns eigentlich nichts“, sagt sie.

Rikke Thomsen spielt mit Band Gitarre auf einer Open-Air-Bühne beim Tønder Festival.
Sängerin Rikke Thomsen steht hier auf dem Foto 2025 mit Gitarre auf der Open-Air-Bühne des Tønder Festivals.

Der Begriff reize sie, weil „viele Menschen Zeit als Entschuldigung benutzen, wenn sie sagen, sie hätten keine Zeit oder etwas liege nicht in der Zeit“.

Im Dänischen werde das deutsche Wort „Zeitgeist“ vermehrt verwendet, „und für mich klingt es stark und positiv, es bringt es besser auf den Punkt als das dänische Wort ,tidsånd‘.“

Ich werde nie damit aufhören, auf Sønderjysk zu singen.

Rikke Thomsen

Hat sie auf die zentrale Frage in ihrem Lied – ob die Zeit sie und ihre Geschwister voneinander entfernt hat oder ob es einfach so gekommen ist – eine Antwort gefunden? Nur teilweise, sagt sie. „Das ist eine große Frage, eine offene Frage, für die ich andere Menschen brauche, damit sie sie mit mir beantworten.“ Für sie bleibt es ein geteiltes Nachdenken, in dem sich viele andere Menschen wiedererkennen können.

Der Dialekt trägt ihren Erfolg 

Rikke Thomsen gelang 2019 mit ihrer ersten größeren Veröffentlichung „Omve'n Hjemve“, mit sechs Songs auf Sønderjysk, der Durchbruch als Sängerin.

Dass sie im Dialekt singt, ist und bleibt Teil ihres künstlerischen Ausdrucks und ihrer Identität, sagt sie.

„Es ist spannend, wie stark die deutsche Sprache darin mitschwingt. Es bleibt für mich spannend zu hören, wie gut es ,schmeckt‘, jedes Mal, wenn ein deutsches Element im Sønderjysk auftaucht.“

Rikke Thomsen spielte im Sommer 2025 veim Nordals Festival in Norburg.

Sie wird nicht aufhören, auf Dialekt zu singen, auch wenn sie dadurch den Kreis der Zuhörerinnen und Zuhörer einschränkt. „Ich würde es umgekehrt betrachten und sagen, dass ich erfolgreich bin, weil ich so singe, wie ich singe. Diese Sprache kommt aus meinem innersten Inneren heraus, und diesen Kern kann und will ich nicht verleugnen. „Ich werde nie damit aufhören, auf Sønderjysk zu singen“, betont sie. Auch wenn sie sich vorstellen kann, zusätzlich etwas anderes auszuprobieren.

Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, eines Tages wieder nach Nordschleswig zu ziehen.

Rikke Thomsen

Auf Tour erlebt Rikke Thomsen ganz unterschiedliche Formen von Unterwegssein. Wenn sie mit eigener Musik und ihrer Band unterwegs ist, fährt sie oft am selben Tag wieder nach Hause, nur bei weiten Strecken übernachtet sie im Hotel. In anderen Projekten, etwa der aktuellen Tournee mit Niels Hausgaard, verbringt sie deutlich mehr Zeit am Stück auf der Reise; in den vergangenen zwei Wochen war sie fast ununterbrochen unterwegs und weit weg von zu Hause. „Dann wohnen wir einige Tage lang im Hotel und fahren von dort aus zu den Auftritten“, erzählt sie.

Ein neues Zuhause in Hadersleben

Rikke Thomsen wohnt inzwischen in Hadersleben (Haderslev) und zwar der Liebe wegen. Ihre Partnerin lebt dort – und somit ist die 35-Jährige zurück in Nordschleswig, von wo aus sie mit 16 Jahren von Blans aus nach Nordjütland zog.

Für sie ist und bleibt Nordschleswig ihr Zuhause, auch wenn sie in den vergangenen Jahren hauptsächlich in Nordjütland, Aarhus, Vendyssel oder auch ein Jahr in Kopenhagen gelebt hat.

„Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, eines Tages wieder nach Nordschleswig zu ziehen. Es hat sich für mich immer richtig angefühlt, eines Tages nach Südjütland zurückzukehren“, sagt sie. „Hadersleben fühlt sich für mich jetzt richtig an, und ich freue mich, wieder in Südjütland zu leben.“

Das neue Album „Zeitgeist“ mit zehn Liedern erscheint am 24. April. Die Single ist bereits herausgegeben und kann hier gehört werden.