Vor 100 und vor 50 Jahren

Chronik: Politik, Pastoren und die Bubiköpfe der „neuen Frauen“

Leerer, reich verzierter Plenarsaal mit halbrunden Sitzreihen und Rednerpult
Innenansicht des Folketings, der Plenarsaal

Die Schlagzeilen in diesem Februar unterscheiden sich deutlich von denen vor 100 und vor 50 Jahren. Jürgen Ostwald hat im Archiv alte Zeitungen durchforstet und nimmt die Leserinnen und Leser mit auf eine Reise in die Vergangenheit.

Veröffentlicht

Zusammenfassung

  • Die Chronik beleuchtet, wie sich politische, kulturelle und gesellschaftliche Themen in Nordschleswig und Europa im Februar 1926 und 1976 von der Gegenwart unterscheiden.
  • Im Mittelpunkt stehen Berichte über Minderheitenpolitik, kulturelle Debatten wie die Auseinandersetzung um den Bubikopf sowie Einblicke in das Alltagsleben zwischen Goethe-Verehrung und Kabarettkultur.
  • Zugleich werden Erinnerungsorte wie die Schlösser in Tondern, Pillnitz und Schackenborg als Spiegel historischer Verantwortung und wechselnder Deutungen dargestellt.

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4. Februar 1926

Goethe

Die Kopenhagener Goethe-Gesellschaft hielt am 1. Februar im Hörsaal der Universität ihre diesjährige Hauptversammlung ab. Die Beteiligung war sehr groß. Der Obmann, Carl Behrends, gedachte zu Beginn der Verhandlungen der im Vorjahr verstorbenen beiden Goetheforscher Raphael Meyer und Prof. Dr. Sarauw und besprach die wichtigsten Goethepublikationen in Dänemark, wobei er hervorhob, dass die gesamte dänische Presse das Erscheinen der drei ersten Bände der neuen großen Übersetzung von Goethes Werken totgeschwiegen habe. Den Festvortrag über „Goethe und Dänemark“ hielt der deutsche Lektor an der Universität, Louis Bobé. Daran schloss sich eine Rezitation Goethescher Gedichte in dänischer Sprache durch die Königliche Schauspielerin Clara Behrends an.

 Die Kopenhagener Goethe-Gesellschaft, die es heute nicht mehr gibt, war damals eine Institution in Kopenhagen. Im Jahr zuvor hatte sie eine große Veranstaltung mit Sophus Michaelis organisiert, der aus seiner neuen Übersetzung des „Faust“ las, eine Lesung, die von Louis Bobé eingeführt wurde. Bobé, der dänische Reichsarchivar, hielt, wie oben vermeldet, seinen Vortrag „Goethe und Dänemark“. Er trat damit, was Bobé bewusst war, in die Fußstapfen von Georg Brandes. 

Brandes hatte 1881 seinen Vortrag „Goethe und Dänemark“ als Aufsatz im zweiten „Goethe-Jahrbuch“ in Weimar veröffentlicht und 1894 in seine deutsche Essay-Sammlung „Menschen und Werke“ als ersten Beitrag aufgenommen. Auch Louis Bobé veröffentlichte im Goethe-Jahrbuch. Sein Vortrag erschien jedoch 1926 im Kopenhagener „Gads Danske Magasin“ (S. 288-230). Bobé stammte aus einer deutsch-französisch-dänischen Familie und hat die deutsche St. Petri-Schule besucht.

  

4. Februar 1926

Unterredung eines Dänen mit Volkstingsabg. Pastor D. Schmidt

Wir geben hier den größeren Beitrag zum Interview des Folketingmitglieds Johannes Schmidt-Wodder wegen seiner Bedeutung ausnahmsweise wörtlich und ungekürzt wieder. Der Beitrag war offenbar aus Kopenhagen zugesandt worden, was der eingestreute Kommentar der Redaktion nahelegt.

Der Mitarbeiter von „Politiken“ R. V. Jörgensen hat Abg. P. Schmidt in Tondern besucht und gibt in der Unterhaltungsbeilage des genannten Blattes ein Gespräch mit diesem wieder. Er lässt einige allgemeine Bemerkungen vorangehen, die des Interesses nicht entbehren. Es wäre albern, so beginnt er, wollte man behaupten, dass nun alle Nordschleswiger sich durch die Abtretung aus einem Jammertal in ein Paradies versetzt fühlten (sehr richtig! Red.), und der, der auch nur einige Tage dort unten reiste, erhalte einen lebendigen Eindruck davon, dass man weit davon entfernt sei, davon begeistert zu sein über die Vorteile der dänischen Verwaltung. Sachen, die früher im Handumdrehen auf einem preußischen Büro entschieden werden konnten, wanderten jetzt den mühseligen, monatelangen Gang durch die königl. Ministerien Büros. Die Dänen seien unzufrieden mit dieser Veränderung und die Deutschen posaunten in ihrer Presse diese putzigen Verhältnisse (Pudsigheder) laut aus, was man ja ihnen auch nicht verdenken könne; sie hätten mit ihren Klagen natürlich besonders südlich der Grenze Glück – nicht gerade zur Ehre ihres neuen Vaterlandes.

Nach einigen weiteren Ausführungen über die hiesigen Verhältnisse berichtet der Verfasser dann von dem Besuch bei Pastor Schmidt, von dem er sehr freundlich empfangen sei. Dieser erzählte ihm zunächst von seinem Studium, von den Gründen, die ihn zur Aufgabe seines Amtes veranlasst hätten, und dann entspann sich ein Gespräch über die nationalpolitischen Verhältnisse in Nordschleswig, das von Jörgensen wörtlich wie folgt wiedergegeben wird:

Wie sehen Sie nun das Verhältnis zwischen dänisch und deutsch an?

Wie ich es immer getan und gehalten habe als Vorsitzender des Friedensvereins. Ich meine, die Dänen müssen dänisch, die Deutschen deutsch sein können und zwar in Frieden ohne Proselytenmacherei. Sie sollen ihre eigene Sprache und Kultur pflegen können, ohne die anderen herabzusetzen; ich bin daher ein Gegner aller Assimilationsbestrebungen.

Hegen Sie irgendwelchen Unwillen gegen die dänische Verwaltung?

Ja, besonders auf dem Gebiet der Schule. Da haben wir Deutsche nicht die Freiheit, die angestrebt werden muss. Es kann nichts nützen, dass Sie sagen, dass sie größer ist als die der Dänen südlich der Grenze. Für diese Freiheit habe ich stets gekämpft. Und wenn ich das tat zugunsten der Dänen, als Nordschleswig unter preußischer Verwaltung war, muss man verstehen, wenn ich das jetzt mit noch größerer Kraft und mit noch größerer innerlicher Wärme tue, wo die Forderung den kostbarsten Interessen meiner eigenen Landsleute gilt. Die Schulfrage hängt im übrigen auf das engste zusammen mit der Grenzfrage. Ohne eine gemeinsame und verständnisvolle Lösung beider Fragen wird hier keine Ruhe.

Finden Sie irgendwelches Verständnis gegenüber Ihrer Forderung in der Schulsache?

O ja, mir scheint, wir sind auf dem Wege, Gehör zu finden. Frau Nina Bangs Schulentwurf kommt unseren Wünschen entgegen, indem er den Privatschulen besondere Schulkommissionen gibt, in denen die Eltern die Mehrzahl bilden. Das ist ein Schritt nach der richtigen Richtung hin.

Wie fühlen Sie sich im dänischen Reichstage? Falle ich mit einem schnellen Sprung ein.

Wie ein alleinstehender Mann. Man kommt mir von allen Seiten freundlich entgegen, aber ich schließe mich keinem Kreis oder Klicke, wie das z. B. H. P. Hanssen und Nis Nissen in den deutschen Parlamenten tun können. National gesehen sind die Dänen ja ein einzig dastehendes zusammengefügtes Volk. Selbst die Sozialdemokraten stimmen ja ohne mit der Wimper zu zucken für die 200.000 Kronen zur Stütze des Dänentums in Südschleswig. Ich sage dazu nur: Möchte das bei uns ebenso sein!

Wird Ihre Presse nicht vom Süden her unterstützt?

Ein tiefer Seufzer und ein bestimmtes Nein! Ist die Antwort.

Was meinen Sie von dem angestrebten unbedingten Schiedsgerichtsvertrag zwischen Dänemark und Deutschland?

Einem Achselzucken folgen die Worte, die langsam und wohlüberlegt herauskommen: Was ich über die Verträge meine, die mehr oder weniger gutwillig einem militärisch und wirtschaftlich entwaffneten Deutschland aufgezwungen werden? Ein Schiedsgerichtsvertrag kann wohl nicht geradezu einer friedlichen Ordnung schaden. An einen neuen Krieg zwischen Dänemark und Deutschland glaube ich nicht, und ich würde einen solchen für irrsinnig ansehen. Aber – wir nordischen Völker sollten weder den Weg des Krieges noch den der Verträge gehen, sondern den des Friedens und der Verständigung.

Als ich Abschied nehme von P. Schmidt, sehe ich mich in dem kleinen Studierzimmer um. Im Hintergrunde hängt eine große Karte von Deutschland mit dicken schwarzen Rändern.

Der Trauerrand sind die verlorenen Gebiete …

An dieser Stelle bricht das Interview in der Zeitung ab. Die Unterredung war natürlich besonders von den aktuellen Problemen geprägt. Und zu denen gehörte seit Längerem die Schulfrage. Die damalige Kulturministerin Nina Bang gehörte nicht zu Schmidt-Wodders Freunden. Sie war Sozialdemokratin und stramme Marxistin. 1918 hatte sie ein Buch geschrieben: „Karl Marx. Hans Liv og Virke“. In ihrer Schulpolitik arbeitete sie mit deutschen Beamten in Berlin zusammen, die für die südschleswigschen dänischen Schulen die gesetzlichen Grundlagen schufen.

   

Donnerstag, 4. Februar 1926

Kirchliches aus Sonderburg

Heute Abend um 8 Uhr wird Bischof Ammundsen aus Hadersleben im Gemeindehaus der deutschen Gemeinde eine Bibelstunde in deutscher Sprache halten.

Seit 1920 hatte Carl Marius Jörgensen das Amt des Pastors der deutschen Stadtgemeinde in Sonderburg inne. Er war dort bereits Kompastor seit dem Frühjahr 1912. Das Amt für die deutsche Gemeinde vertrat er bis in sein Todesjahr 1955. Er war also 43 Jahre in Sonderburg tätig! Er gehört zu den wenigen Pastoren der deutschen Minderheit, die von der Kanzel den Hirtenbrief der dänischen Bischöfe gegen die Judenverfolgung verlasen. Jörgensen stand der Theologie Ammundsens schon länger nahe, und diese Nähe vermittelte er auch seinem Sohn Friedrich Jörgensen (1935-2018), der seinerseits Theologe wurde und lange Jahre Professor für Dogmatik an der Kopenhagener Universität war. Auch er verdankt Ammundsen viel. Jörgensens Arbeiten erschienen vielfach auch auf Deutsch.

  

Dienstag, 16. Februar 1926

Zusammenbruch zweier Berliner Kabaretts

Der Kabarettdirektor Paul Schneider-Dunker, der den „Roland von Berlin“ und die „Rakete“ leitete, ist in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Auch die Kabarettdirektion der „Fledermaus“ ist finanziell zusammengebrochen.

Paul Schneider-Dunker (1878-1956) war seinerzeit eine Art Kabarett-Impresario in Berlin, er war Chansonnier und Conferencier seiner Häuser, hauptsächlich aber umtriebiger Organisator. Er erfand die gehobene musikalische Unterhaltung des Überbrettl mit seinen gelegentlichen politischen Anspielungen in seinen Gesangsnummern. Er war der Entdecker von Walter Kollo und Claire Waldoff („Wer schmeißt denn da mit Lehm“) sowie Ursula Herking, die noch in Werner Finks „Katakombe“ auftrat, die 1935 verboten wurde. Nach dem Krieg arbeitete sie etwa im Düsseldorfer Kom(m)ödchen. (Das aktuelle Programm der Düsseldorfer Bühne heißt „Don´t look back“. Das können wir für unsere Seite aber schlechterdings nicht zur Richtschnur wählen.) Heute gibt es diese Art des Kabarett-Restaurants nicht mehr, es ist abgelöst worden durch die populäre Dinner-Show.

Illustratives Plakat für das Weinrestaurant Fledermaus mit elegantem Paar am gedeckten Tisch
Die „Fledermaus“ war vor wie nach dem Ersten Weltkrieg ein bekanntes Etablissement in Berlin. Es ist im Rahmen der Kleinkunst nicht zu verwechseln mit der weit berühmteren „Fledermaus“ in Wien.

 

Dienstag, 16. Februar 1926

 Die Tragödie einer Fürstin

In der Nähe eines Badehauses in Moskau wurde im Schnee die 24jährige Fürstin Obolenski tot aufgefunden. Wie die Ermittlungen ergaben, ist die Fürstin von einem Hausknecht ermordet worden. Ihr Schicksal ist die Tragödie so vieler Mitglieder des russischen Adels, der durch den Bolschewismus ins tiefste Elend gestürzt worden ist. Die Fürstin wurde 1917 als Fünfzehnjährige von ihrer Erzieherin, die über die Grenze flüchtete, allein in Moskau gelassen. Sie war völlig mittellos und ist im Kampfe um die nackte Existenz ständig gesunken. Der Mörder, der etwa 54 Jahre alt ist, wurde festgenommen. Er leugnet aber jede Schuld und gibt an, dass der Tod der Fürstin durch übermäßigen Alkoholgenuss erfolgt sei. Er habe die Leiche in den Schnee gelegt.

 

Donnerstag, 25. Februar 1926

Langzopf gegen Bubikopf

Was uns schon lange gefehlt hat. Jena hat´s. Den „Bubikopf-Verein“. Jetzt hat aber die Reaktion eingesetzt. Am Mittwoch wurde in einer Zeitungsanzeige, die sich an die deutschen Frauen und Mädchen richtet, zur Gründung eines „Langzopf-Vereins“ aufgefordert. Man liest da: „Lasst euch keinen Bubikopf schneiden, bleibt beim deutschen Langzopf! Mutter Germania mit „Bubikopf“ wäre lächerlich, keine Lorelei am Rhein ohne die edle Frauenhaartracht! Der Dame mit dem längsten Zopf die höchsten Würden! Nieder mit dem sogenannten Bubikopf!“ – Dieser Aufruf scheint auf günstigen Boden gefallen zu sein, denn sogar zahlreiche „Bubiköpfe“ sollen erklärt haben, zur alten deutschen Haartracht zurückkehren zu wollen.

Man liest das heute wie eine Satire. Das war es aber in keinem Falle! In Schweden gab es damals eine heftige Debatte über die Weigerung von Pastoren, Mädchen mit Bubikopf konfirmieren zu wollen. Tatsächlich ist das Tragen des Bubikopfes ein Bekenntnis zur „Neuen Frau“, wie sie sich in der Zeit der Weimarer Republik etablierte. Die Emanzipation der Frau war damals primär ein Großstadtereignis. 

In Nordschleswig lagen die Dinge anders. Unsere Gegend war in diesen Jahren landwirtschaftlich geprägt, das hatte auch Einfluss auf die Sozialisation und das kulturelle Leben. Auf den Festen der deutschen Jugendbünde wurde damals auch getanzt. Jedoch nur Volkstänze, Reigen usw. Moderne Tänze wie Charleston, Foxtrott oder gar Tango waren verpönt, stellenweise verboten. Das war eine politische Aussage, ein Bekenntnis. Jeder Leser und jede Leserin kann in den Fotos der Familienalben nachsuchen, einen Bubikopf werden sie nicht finden, zumindest keinen in Nordschleswig getragenen. 

Die damalige Diskussion über die Haartracht schlug in Deutschland hohe Wellen. In einem Aufsatz der vielgelesenen „Deutschen Rundschau“ (die Zeitschrift kannte man auch in Nordschleswig) über die Haartracht im Allgemeinen heißt es im März 1926: „Das lange Haar gehört weder bei Frau noch Mann zur Ordnung der Natur. Der ewige Wechsel, das ist die große Ordnung der Kultur. Und ebenso scheint es zur Ordnung der Kultur zu gehören, dass jeder Wechsel erbittert bekämpft werden muss.“

 

 

 

Mittwoch 4. Februar 1976

Tonderns altes Schloss schält sich wieder heraus

Trotz finanzieller Schwierigkeiten hat das Museum [in Tondern] im vergangenen Jahr eine große Aktivität entfaltet. (…) Man hat zunächst das „Pforthaus“ zu seiner ursprünglichen Gestalt von 1741 zurückgeführt. Der alte charakteristische Grundriss ist zu erkennen mit dem schrägen Abschluss. Die alten Kasematten von ca. 1530, an die sich noch – mit einer Mauer verbunden – der sogenannte Gefangenenturm angeschlossen hat. 1741 bekam das zunächst einstöckige Torhaus, das mit einem flachen Dach und mit Zinnen und Schießscharten abschloss, noch ein Stockwerk und ein schräges Dach aufgesetzt.

Heute steht vom einstigen Bau nur noch (in Teilen) das Torhaus, das jeder kennt, der das Museum besucht. Als der Architekt Laurids de Thurah das Schloss für seine Stichpublikation „De Danske Vitruvius“ besuchte, schrieb er 1749: „Das Schlossgebäude ist zu unsern Zeiten nicht eben von großem Ansehen; es enthält verschiedene gewölbte Zimmer, unter welchen der sogenannte Amtssaal der merkwürdigste ist, in Erwegung der verschiedenen Portraits, die daselbst von denen an dem Orte gewesenen Befehlshabern befindlich sind. Diese Gemälde sind aber anjetzo Alters halben mehrentheils alle so verdorben und zernichtet, dass sie kaum kennbar sind.“ Im Jahr darauf begann man mit dem Abriss des Schlosses, das im Kupferstich in Thurahs Folioband (vgl. Abb.) uns überliefert bleibt.

 

Eine Vorstellung vom Grundriss des Schlosses gewinnt man durch die Bepflanzung auf den ergrabenen Befunden der vergangenen Jahrzehnte.

 

Mittwoch, 25. Februar 1976

Der Zustand von Schloss Pillnitz bereitet den Dresdner Denkmalpflegern Sorgen. Einem Bericht der Dresdner Zeitung „Union“ zufolge sind zwar seit Jahren Restaurierungsarbeiten im Gange, aber noch umfangreiche Arbeiten sind notwendig, um alle Schäden zu beseitigen. Vor allem die Schäden an den Dächern wirkten sich „besonders gravierend auf die Bausubstanz aus“.

Wenn schon oben vom Schloss in Tondern und unten vom Schloss Schackenborg bei Mögeltondern die Rede ist, so passt hierhin das DDR-Schloss. Die Familie Schack hat wenig zum Erhalt ihres Schlosses in Nordschleswig beigetragen. Das blieb so bis zur Übernahme durch das dänische Königshaus 1978. Man fiel aus allen Wolken über den Zustand. Als in Tondern im Dezember 1750 der Abriss des Schlosses in vollem Gange war, wurde in Dresden am 23. Dezember der spätere Thronfolger Friedrich August geboren, der, als er regierender Fürst wurde, Pillnitz zu seiner Sommerresidenz erkor. Auf der großen Anlage des Schlosses von Pillnitz wurde seit 1968 und in den Jahren darauf kräftig restauriert, besonders wurden im Schloss die Bemalungen an den Wänden freigelegt und wiederhergestellt. Vor wie nach der Wende wurde an der großen Anlage und dem Park weitergearbeitet. Heute beherbergt das Schloss das Schlossmuseum im Neuen Palais und das Kunstgewerbemuseum Sachsens. Letzteres ist allerdings wegen baulicher Mängel geschlossen.

  

Sonnabend, 28. Februar 1976 

Hans Schack – vor 300 Jahren gestorben

Zu den bedeutendsten Gestalten, die in der Geschichte des Nordens im 17. Jahrhundert eine Rolle spielten, gehört der Feldherr Hans Schack, dessen Geschlecht noch heute in dem von einem schönen Park umgebenen weißen Schloss in Mögeltondern residiert. Seine große Stunde kam, als Kopenhagen von den Schweden angegriffen wurde. Er übernahm die Verteidigung der Stadt und war überall zugegen.

Er war ein treuer Anhänger des Königs Friedrich III., der gerade den Absolutismus in Dänemark eingeführt hatte. 1661 wurde ihm der Herrensitz in Mögeltondern übertragen und 1664 kaufte er dazu das Gut Gramm. Als er im Frühjahr 1676 starb, wurde ihm ein königliches Begräbnis zuteil.

Der hier gekürzte zweispaltige Gedenkartikel stammt von Harboe Kardel (1893-1982), dem damals dienstältesten Journalisten der Zeitung. In den Jahren der Weimarer Republik konnte er als Redakteur seine völkisch-nationalistischen Anschauungen in Nordschleswig verbreiten, die er dann später in Apenrade (während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland) verschärfte und in den Jahren der deutschen Besetzung Dänemarks offensiv präsentierte. Bis zu seinem Tod schriftstellerisch tätig, war er zu einer verantwortlichen Selbstprüfung trotz schreibseliger Einlassungen unfähig geblieben. 

Kardel schrieb in seiner Spätzeit oft über runde Geburtstage von historischen Größen der Welt oder über erinnerungswürdige Personen aus Nordschleswig, wobei er es gelegentlich wie in seinen Erinnerungen nicht so genau nahm. Im Artikel über Hans Schack vermisst man daher auch zwei wesentliche Dinge: dass Schack der Erbauer des genannten Schlosses, der Schackenborg, war, sodass Kardel den Bau auch nicht würdigte, und dass nach seinem Tod in der Kopenhagener Trinitatis-Kirche für ihn ein bemerkenswertes Epitaph errichtet worden war, geschaffen von der Bildhauerfamilie Quellinus. Leider ist es beim Brand von Kopenhagen im Jahre 1728 teilweise zerstört worden. Das Werk gehört zu den ersten Groß-Epitaphien des Thomas Quellinus, von denen eine Reihe in Dänemark, den Herzogtümern und Lübeck erhalten sind.

 

Das Grabmonument Hans von Schacks in der Kopenhagener Trinitatis-Kirche ist heute nur noch in Rudimenten vorhanden. 1687 führte es Artus Quellinus zehn Jahre nach Schacks Tod in Antwerpen in Marmor nach einer Zeichnung des Architekten Hans von Steenwinkel (der Architekt Tycho Brahes) aus. (Die Entwurfszeichnung hat sich erhalten.) 1689 wurde es in Kopenhagen aufgerichtet. Über die Umstände der Planung und Ausführung sind wir einigermaßen gut unterrichtet. Der Stadtbrand Kopenhagens 1728 zerstörte jedoch das Werk. Auch bei der Bombardierung der Stadt 1807 wurde die Kirche in Mitleidenschaft gezogen.