Jugend

Zwischen Handy, Leistung und Weltkrisen – Wie Neyla die Welt erlebt

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Neyla im Flur der Deutschen Schule Tingleff: Sie besucht dort die 8. Klasse.

Krieg ist plötzlich nicht mehr weit weg, das Handy allgegenwärtig, die Zukunft offen. Neyla Krümmel berichtet, wie sie mit Sorgen umgeht, was ihr wichtig ist – und was sie sich von Erwachsenen wünscht.

Neyla steht früh auf. Um 5.30 Uhr klingelt der Wecker, eine Stunde später fährt sie mit dem Bus von Krusau (Kruså) aus zur Deutschen Schule Tingleff (DST), wo sie die 8. Klasse besucht. „Dann verbringe ich die erste Zeit des Tages in der Schule“, berichtet sie von ihrem Alltag. Nachmittags lernt sie, spielt Fußball, liest viel und trifft Freunde. Abends isst die Familie gemeinsam, danach liest sie in ihrem Zimmer. Um neun geht sie schlafen.

Ein ganz normaler Alltag

Ein Alltag, der ruhig wirkt – und doch prägen ihn hohe Ansprüche. „Ich stresse mich selbst ein bisschen. Ich habe sehr hohe Erwartungen an mich selbst“, sagt Neyla von sich. „Meine Eltern sagen mir eigentlich nie, dass ich besser sein muss.“ Trotzdem setzt sie sich selbst unter Druck. „Ich habe manchmal Angst, dass ich nicht gut genug bin.“

Leistung spielt für sie eine große Rolle, auch im Sport. „Ich spiele sehr gern Fußball. Und um etwas fit zu bleiben, mache ich zu Hause Krafttraining.“ Fünf bis sechs Stunden Training pro Woche kommen so im Schnitt zusammen, neben Schule, Freundinnen und Freunden – und dem Nebenjob als Zeitungsbotin, bei dem sie sich etwas zum Taschengeld hinzuverdient.

Zu viele soziale Medien – ein kritischer Blick

Die Zeit mit Freundinnen und Freunden ist ihr besonders wichtig. Die persönlichen Treffen findet sie am besten. Allerdings habe sie beobachtet, dass sich viele junge Menschen in ihrem Alter lieber mit dem Smartphone beschäftigen. Das findet sie schade.

TikTok, Instagram, Dauer-Scrollen – all das meidet Neyla. Sie selbst nutzt die sozialen Medien bewusst wenig. „Ich habe kein TikTok und kein Instagram, eigentlich nur Snapchat.“ Kontakt über das Handy sieht sie kritisch: „Das ist einfach zu unpersönlich. Du siehst die wirklichen Emotionen nicht“, findet sie. 

Das ist einfach zu unpersönlich. Du siehst die wirklichen Emotionen nicht.

DST-Schülerin Neyla Krümmel zu den sozialen Medien

Was ihr fehlt: mehr echte Begegnungen. Ihr Wunsch deshalb: „Wir könnten uns alle treffen – aber stattdessen ist halt jeder nur vorm Handy.“ Ihr ist klar: Freundschaft braucht Nähe. „Ich finde es schöner, wenn man sich sieht, dann weiß man, wie es der anderen Person wirklich geht.“ Sie glaubt, dass viele Jugendliche wüssten, dass ihnen der Medienkonsum nicht guttut. „Der Kick, den man durch die Endorphine bekommt, macht es schwer, sich davon zu lösen“, vermutet sie. 

Krieg ist plötzlich nicht mehr weit weg

Was in der Welt passiert, erfährt die 14-Jährige vor allem in der Schule und in der Familie. „In Gesellschaftskunde reden wir außerdem sehr viel über die Welt.“ Krieg ist dabei – mit Blick auf die Ukraine – ein unausweichliches Thema. Er hat ihre Gefühle verändert. „Für mich war das immer so: Krieg gibt es, aber nicht hier. Der ist weit weg.“ So denke sie meistens, doch es gibt auch Momente, wo sie befürchtet, dass auch sie davon betroffen sein könnte. „Auf einmal kommt es so mir vor, dass vielleicht doch was passieren könnte.“

Angst spürt sie – aber sie hält Abstand und möchte sich nicht von diesen Gedanken lähmen lassen. „Ich habe schon Angst, dass was passieren könnte, aber da ist immer noch dieses Gefühl: Die Chance ist nicht so groß.“ So beruhigt sie sich.

Klimawandel: Sorge – und der Wunsch nach mehr Einsatz

Beim Thema Klima wird Neyla deutlich. „Ich finde, dass wir auf jeden Fall mehr tun könnten, um das Klima zu schützen.“ Sie sieht die Verantwortung vor allem bei der Politik und der Gesellschaft. Übergeordnet müsse mehr getan werden, findet sie – auch wenn sie weiß, dass jeder ein Stück beitragen kann. 

Selbst fährt sie deshalb lieber Bus als Auto, hebt Müll auf. 

Werte: Sicherheit und Familie ganz oben

Wenn die Schülerin Werte sortiert, sagt sie: „Ich würde Sicherheit und Familie ganz oben auf eine Ebene setzen.“ Besonders wichtig sei ihr außerdem Gerechtigkeit. „Ich finde es unfair, dass der Status von verschiedenen Menschen mehr Wert hat als der von anderen – aufgrund von Hautfarbe oder Herkunft.“ Das findet sie ungerecht. Da müsse ein Umdenken stattfinden, so ihre Meinung.

Mut zur eigenen Meinung

Neyla im Klassenraum: Ihre schulische Leistung ist der jungen Frau wichtig. Besonders stolz ist sie auf das jüngste Zeugnis.

Sie sagt und vertritt ihre Meinung. Dazu gehöre etwas Mut, dass wisse sie. Aber: „Jeder sollte seine Meinung sagen können.“ Viele trauten sich das nicht. „Die haben Angst, nicht gemocht zu werden und dass kritisch auf sie geblickt wird.“ 

„Meine Eltern hören mir zu, und wir sprechen über alles, was mich beschäftigt. Auch im Freundeskreis halte sie es so. Doch das sei leider nicht bei allen so. „Sollte es aber sein“, findet sie und fordert ihre Altersgenossinnen und -genossen dazu auf, mehr Mut zu haben, ihre Meinung zu sagen. Sie würde sich wünschen, dass auch junge Menschen gehört werden und nicht als zu jung und unerfahren abgetan werden. 

Blick nach vorn: Militär, Disziplin, Gemeinschaft

Für die Zukunft hat Neyla klare Pläne. „Ich gehe nach der Schule aufs DGN (Deutsches Gymnasium für Nordschleswig, d.Red.) und danach wollte ich gern zum Militär.“ Was sie daran reizt: „Gefühl von Gemeinschaft, Disziplin und zu wissen: Ich kann das schaffen.“

Was sie sich für ihr Leben wünscht, fasst sie schlicht zusammen: „Einfach, dass ich glücklich bin, sorglos leben kann, vielleicht eine Familie.“

Und ihr Wunsch für die Welt? „Gleichberechtigung und Frieden“, so ihr Antwort nach einigem Nachdenken. 

Eine Generation zwischen Sorge und Zuversicht

Neyla wirkt weder resigniert noch naiv. Sie kennt die Probleme ihrer Zeit – Krieg, Klima, soziale Medien. Sie lässt sich davon aber nicht bestimmen. „Ich wünsche mir trotzdem, dass diese Sachen nicht passieren, aber sie bestimmen mein Leben nicht komplett.“