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„Nur kurz Geld abheben“ – warum Jugendliche in Tondern in ernste Schwierigkeiten geraten sind

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Kriminelle ködern nicht selten Jugendliche, um illegales Geld zu „waschen“.

Schnelles Taschengeld? In Tondern sind Jugendliche in jüngster Zeit gezielt von Menschen angesprochen worden, um ihre Konten und MobilePay-Zugänge für einen scheinbar harmlosen Gefallen zu nutzen – und geraten damit schneller in Konflikt mit dem Gesetz, als viele ahnen. Auch Schülerinnen und Schüler der Ludwig-Andresen-Schule sind betroffen.

In der Kommune Tondern haben sich Fälle, in denen Jugendliche von unbekannten Personen dazu verleitet werden, Geld über ihr eigenes Bankkonto oder MobilePay weiterzuleiten, in den jüngsten Wochen gehäuft. Die Masche wirkt harmlos – doch wer sich darauf einlässt, kann sich wegen Geldwäsche oder Hehlerei strafbar machen. Deshalb wendet sich die Kommune Tondern mit einer Warnung an die Öffentlichkeit.

Laut Pressemitteilung sind fünf bis sechs Fälle bekannt. Betroffen sind Jugendliche aus drei Tonderner Schulen. Nach Informationen des „Nordschleswigers“ haben auch Schülerinnen und Schüler der Ludwig-Andresen-Schule in Tondern solche Ansprachen erhalten. Ob jemand von ihnen das Angebot angenommen hat, ist allerdings nicht bekannt. Einige Jugendliche haben im Zusammenhang mit den Vorfällen jedoch das Gespräch mit Mitarbeitenden des SSP-Teams (Skole, Socialforvaltning og Politi) gesucht.

Die Warnung der Kommune Tondern wurde von der Ludwig-Andresen-Schule unter anderem über das schuleigene Intranet an Eltern von Schülerinnen und Schülern der Klassen 7, 8 und 9 weitergeleitet, damit das Thema auch zu Hause besprochen werden kann.

Jugendliche als „Geld(transport)esel“ missbraucht

Über das Intranet der LAS wurden die Eltern der Schülerinnen und Schüler der Klassen 7, 8 und 9 schon am Dienstagnachmittag informiert.

Der Kriminalpräventive Rat spricht in diesem Zusammenhang von sogenannten „Geldeseln“ oder „Geldtransporteseln“ (dän. Muldyr, engl. Money Mules) – Geldkurierinnen und -kurieren, die unwissentlich oder leichtfertig dabei helfen, kriminell erlangtes Geld zu verschleiern. Kriminelle sind darauf angewiesen, illegale Einnahmen über viele Konten weiterzuleiten oder bar abzuheben, um die Geldspur zu verwischen. Oft werden dafür junge Menschen angesprochen, die gerade erst ein eigenes Konto oder MobilePay nutzen.

Die Kontaktaufnahme erfolgt auf unterschiedliche Weise: über soziale Medien, über Bekannte, die um einen „Gefallen“ bitten, oder durch fremde Personen, die Jugendliche direkt auf der Straße ansprechen. Häufig wird ein kleines Entgelt in Aussicht gestellt – etwa 100 Kronen für eine Abhebung.

Auch ohne Vorsatz strafbar

Was viele Jugendliche nicht wissen: Schon das Zur-Verfügung-Stellen des eigenen Kontos oder das Abheben von Geld für andere kann strafbar sein. Nach dänischem Recht drohen bei Hehlerei (§ 290) sowie bei Geldwäsche (§ 290 a) Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu eineinhalb Jahren. In besonders schweren Fällen kann die Strafe sogar bis zu acht Jahre betragen. Hinzu kommt das Risiko eines Eintrags ins Strafregister – mit möglichen Folgen für Ausbildung, Beruf und Reisen.

Der Kriminalpräventive Rat warnt ausdrücklich davor, Angebote für „leicht verdientes Geld“ anzunehmen. Wer als „Geldesel“ agiert, beteiligt sich an schwerer Wirtschaftskriminalität – auch dann, wenn die Konsequenzen im Moment der Tat nicht absehbar erscheinen.

Eltern sollen das Gespräch suchen

Die Kommune Tondern ruft Eltern dazu auf, mit ihren Kindern über die Risiken zu sprechen und klare Regeln zu vereinbaren. Dazu gehört, niemals Bankkonto, MobilePay, MitID oder Zahlungskarten an andere weiterzugeben – und kein Geld für Dritte abzuheben, auch dann nicht, wenn es ungefragt überwiesen wurde.

Jugendliche, die sich unter Druck gesetzt oder bedroht fühlen, sollten Hilfe suchen – bei Eltern, anderen Vertrauenspersonen oder direkt bei SSP oder der Polizei. Prävention, so betonen Fachleute, beginnt mit Aufklärung und offenen Gesprächen.

Das rät der Kriminalpräventive Rat

Achtung bei diesen Situationen:

Wichtig zu wissen:

Im Zweifel gilt: Nein sagen – und Hilfe holen.