Umwelt und Natur

Ende der Muschelfischerei: Betroffene Fischer fordern schnellere Kompensation

Fischereischiff auf ruhiger See vor einer entfernten Küstenlinie
Die „Sif“ beim Muschelfischen auf der Flensburger Förde.

Die letzten Muschelfischer haben eine freiwillige Ausstiegsregelung erarbeitet und fordern Fischereiminister Jacob Jensen zum Handeln auf. Welche Maßnahmen sie fordern und was die Pläne der Wittrup-Brüder sind, die bis dato in der Flensburger Förde nach Muscheln fischen.

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Zusammenfassung

  • Betroffene Muschelfischer in der Flensburger Förde fordern eine schnelle Kompensationsordnung für den Ausstieg aus der grundberührenden Fischerei.
  • Sie haben ein eigenes Modell für eine freiwillige Stilllegung mit Entschädigung pro verbleibendem Jahr der achtjährigen Übergangsphase vorgelegt.
  • Gleichzeitig planen die Wittrup-Brüder den Umbau ihrer Flotte und einer alten Fabrik für Projekte zur marinen Renaturierung wie biogene Riffe und Seegraszucht.

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Drinnen im Rittersaal des Sonderburger Schlosses beschlossen Politikerinnen und Politiker sowie Fachleute aus Umweltverbänden und der Landwirtschaft am Montag eine engere deutsch-dänische Zusammenarbeit zur Rettung der Flensburger Förde. Draußen pflügte zeitgleich das Muschelfangschiff „Sif“ durch die stürmischen Wellen, um Muscheln vom Fördeboden zu kratzen. Ein paradoxes Bild. 

Die Fischerei mit Schleppnetzen sorgt für anhaltende Kritik von Umweltschützenden sowie der Bevölkerung, da die Praxis für massive ökologische Schäden in der Förde sorgt.

Während sich Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) am Rande des Treffens klar gegen die grundberührende Fischerei in der Förde aussprach, hielt sich Jeppe Bruus (Soz.), Minister des grünen Dreiparteienabkommens, zu dem Thema bedeckter. Bei der neuen Kooperation soll es vor allem um die Verringerung der Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft gehen. 

Sein Kollege, Fischereiminister Jacob Jensen (Venstre), hatte im Juli 2025 in einer Absprache das Ende der Muschelfischerei in Aussicht gestellt – mit einer achtjährigen Übergangsphase. Bis heute ist jedoch noch keine Regelung getroffen worden, wie Fischerinnen und Fischer kompensiert werden können, wenn sie ihr Geschäft aufgeben. 

Die freiwillige Stilllegungsregelung funktioniert so, dass ein Fischer, der sich entscheidet, seine Lizenz vor Ablauf der acht Jahre abzugeben, eine Entschädigung für jedes verbleibende Jahr erhält.

Rasmus Wittrup

Das langsame Handeln kritisieren die Muschelfischenden im Beltmeer und am Isefjord und haben sich mit einem eindringlichen Appell an den Fischereiminister gewendet. Das berichtet „Sønderborg Nyt“

Fischer haben Ausstiegsregelung erarbeitet

Weil die Politik den letzten Muschelfischern zu langsam agiert, haben sie nun selbst eine Regelung für einen Ausstieg aus dem Gewerbe erarbeitet, die sofort umgesetzt werden könnte. Rasmus Wittrup sagte dem „Nordschleswiger“ auf Nachfrage: „Die freiwillige Stilllegungsregelung funktioniert so, dass ein Fischer, der sich entscheidet, seine Lizenz vor Ablauf der acht Jahre abzugeben, eine Entschädigung für jedes verbleibende Jahr erhält. Das heißt, wenn man jetzt aufhört, erhält man eine Entschädigung für alle acht Jahre, während man nur eine Entschädigung für sechs Jahre erhält, wenn man in zwei Jahren aufhört.“

Die „Sif“ Anfang Januar beim Muschelfischen auf der Flensburger Förde vor Stranderott (Stranderød).

Verbot der Muschelfischerei kommt voraussichtlich 2026

Die Regierung hatte am 2. Juli 2025 mit fünf weiteren Parteien vereinbart, Grundschleppnetze im Beltmeer zu verbieten. Fischereiminister Jakob Jensen (Venstre) rechnete im Oktober damit, dass ein Verbot für die Flensburger Förde 2026 umgesetzt werden kann. So bedarf es unter anderem auch eines Einvernehmens über die Regeln mit den deutschen Behörden. Die Absprache ist kein Verbot, weshalb mit gültigen Lizenzen weiter gefischt werden darf. 

Muschelfangverbot soll 2026 kommen

Diesem Vorschlag der Wittrup-Brüder hätten alle anderen verbleibenden Fischer zugestimmt. Zusätzlich soll ein selbstständiger Fonds zur marinen Renaturierung aufgebaut werden. 13 Millionen Kronen aus der Fischereiabsprache vom Juli 2025 könnten genutzt werden, um beispielsweise mit dem Aufbau biogener Riffe oder dem Auslegen von Muscheln zu beginnen. 

Die Kosten für die Ausstiegsregelung für die gesamte Muschelfischerei in Dänemark beziffert Rasmus Wittrup auf rund 64 Millionen Kronen.  

Wir sind dabei, die Möglichkeit zu untersuchen, die alte Fabrik in Horsens zu einem Seegraspflanzen-Zentrum umzubauen, wo Seegras zur Auspflanzung gezüchtet werden kann.

Rasmus Wittrup

Schon Mitte Januar hatte Rasmus Wittrup nach einem Treffen mit dem Ministerium kritisiert, dass erst mit einem Verbot der Muschelfischerei, das wohl frühestens Ende 2026 kommt, und der Verschrottung der Boote eine Kompensation fließt. „Alle Fischer müssen leider aufs Wasser, auch wenn es politisch das Schlechteste ist. Das Geld ist bereitgestellt und alle Fischer wollen aufhören.“

Rasmus und Stig Wittrup

Um die Kompensation zu erhalten, müssen die Schiffe allerdings 90 Seetage nachweisen. Rasmus Wittrup, Eigner der „Sif“, kritisierte das und die anschließend erforderliche Verschrottung als sinnlos. 

Hintergrund: Genehmigung der „Sif“ zum Muschelfischen

Die „Sif“ hat nach Angaben der Fischereibehörde eine gültige Genehmigung bis zum 28. Februar 2026. Diese wurde nach der Insolvenz der Wittrup Holding im November aber nicht von der Insolvenz betroffenen „Thyra“, die bis dato in Nordschleswigs Förden auf Muschelfang ging, auf die „Sif“ übertragen, teilt die Behörde mit. Vielmehr sei eine Genehmigung auf der Grundlage des bestehenden Schiffszulassungsanteils (fartøjstilladelsesandel, FTA) erteilt worden.

„Es ist anzumerken, dass es Überschneidungen im Kreis der Eigentümer der beiden Unternehmen gibt, was jedoch keinen Einfluss auf die Möglichkeit der Erteilung einer Genehmigung hat“, heißt es dazu in einer Antwort des Ministeriums für Nahrungsmittel, Landwirtschaft und Fischerei auf eine Anfrage der Folketingsabgeordneten Karina Lorentzen Denhardt (SF)

Die verbliebenen Fischer fordern nun schnelles Handeln des Ministers ohne weitere Verzögerungen. 

Aus Muschel- soll Seegras-Fabrik werden

Die Wittrup-Brüder arbeiten bereits an ihren Plänen, künftig Muscheln zu züchten und dafür staatliche Fördermittel in Anspruch zu nehmen. Dazu wurde nach der Insolvenz ihrer Holding im November 2025 eine neue Firma Wittrup P/R gegründet, um künftig Kommunen mit ihrem maritimen Wissen zu helfen – etwa bei der Errichtung biogener Riffe, die unter anderem von Miesmuscheln gebildet werden. Diese können die Biodiversität verbessern und die Wasserqualität erhöhen. Erste Gehversuche gibt es im Vejle Fjord, aber auch in Nordschleswig könnten sie sich biogene Muschelzucht vorstellen.

Seegras bietet Lebewesen Unterschlupf, entfernt Nährsalze und Kohlendioxid.

„Wir sind dabei, die Möglichkeit zu untersuchen, die alte Fabrik in Horsens zu einem Seegraspflanzen-Zentrum umzubauen, wo Seegras zur Auspflanzung gezüchtet werden kann“, sagt Rasmus Wittrup.  

Drei Schiffe zurückgekauft

Zuletzt war die „Thyra“ Ende September in der Flensburger Förde auf Muschelfang. Das Schiff gehört nun wieder den Wittrup-Brüdern (Archivbild).

Dazu hat der Unternehmer die Muschelfangschiffe „Thyra“, „Ronja“ und „Ydun“ aus der Konkursmasse der Wittrup Holding zurückgekauft. „Der Plan ist weiterhin, sie ganz aus der Fischerei herauszunehmen und umzubauen, damit wir sie für die Wiederherstellung der Natur nutzen können“, so der Unternehmer.