Streitkräfte

Wehrdienstreform: Kickstart auf dem Kasernenhof in Hadersleben

Soldat in Tarnuniform und junge Frau in Zivil an einer Wand mit Papieren in einem Kasernengang.
Ein Soldat registriert eine Freiwillige im Kasernengang in Hadersleben, wo Dänemark den ersten Jahrgang der auf elf Monate verlängerten Wehrpflicht begrüßt.

8.45 Uhr, ein kalter Februarmorgen auf dem Kasernenhof in Hadersleben. 120 junge Menschen treten freiwillig zum Wehrdienst an. Unter ihnen sind 14 Frauen. Sie starten als Erste in die verlängerte Wehrpflicht: elf Monate statt vier.

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Zusammenfassung

  • Dänemark startet in Hadersleben die verlängerte Wehrpflicht mit voller Gleichstellung von Männern und Frauen.
  • Rund 120 Freiwillige leisten nun elf Monate Dienst, mit fünf Monaten Grundausbildung und anschließenden operativen Aufgaben.
  • Die Reform soll die Streitkräfte stärken und bietet vielfältige Spezialisierungen sowie ein mögliches Sprungbrett für eine Laufbahn bei der Polizei.

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Ein eisiger Wind fegt über den Kasernenhof; die Stiefel sind noch ungenutzt – die jungen Leute in Zivil. In Hadersleben beginnt an diesem Morgen etwas Neues: Dänemark setzt nach Russlands Überfall auf die Ukraine als erstes Land die verlängerte Wehrpflicht mit voller Gleichstellung von Männern und Frauen um. Noch vor dem offiziellen Start im Sommer legen hier rund 120 Freiwillige los.

 Unter ihnen ist Leora Olsson, 19 Jahre alt, aus Seeland. Sie gehört zum ersten Jahrgang, der elf Monate Dienst leistet. „Ich bin hier, um mich herauszufordern und viel zu lernen“, sagt sie. Über geopolitische Bedrohungen macht sie sich bislang kaum Gedanken. „Offen gesagt, habe ich darüber nicht viel nachgedacht.“

Erst antreten, dann ankommen

Leora Olsson ist 19 Jahre jung und kommt aus Seeland. Sie leistet den Wehrdienst in Hadersleben und hofft auf eine Karriere bei der Militärpolizei.

Nach dem ersten Drill – noch in Zivil – lösen sich die Reihen auf. Abmarsch in die Kleiderkammer! Dort tastet ein Kleiderscanner die Körper der jungen Menschen ab. Er soll sicherstellen, dass die Uniform sitzt. „Und es passt fast immer“, sagt Presseoffizier Claus Jørgensen. Von 35 Uniformteilen habe er nur eines umtauschen müssen. Brotpakete säumen den Weg zu den Kleiderkammern. Hungern muss hier niemand.

Etwa 35 Teile gehören zur Ausstattung. In der Kleiderkammer der Kaserne ging es zum Wochenstart hoch her.

Sprungbrett zur Polizei

 In der Sporthalle der Kaserne wartet Frida Voigt auf die nächste Station ihres neuen Alltags. Im Hintergrund sind Gewichte gestapelt. Die 22-Jährige aus Fredericia hat sich freiwillig gemeldet. Eine Freundin habe sie neugierig gemacht, erzählt die Elitesportlerin von Team Danmark. „Sie hat von der Kameradschaft geschwärmt. Darauf freue ich mich am meisten.“ Frida träumt davon, später zur Polizei zu gehen. Die Wehrpflicht sieht sie als Vorbereitung. „Es gibt zwar keine Extrapunkte dafür, aber für mich ist es gut, die Armee ausprobiert zu haben.“

Frida Voigt, 22, ist eine von 14 Frauen, die an diesem Montagmorgen ihren Wehrdienst antreten.

Elf Monate – neue Möglichkeiten

Mit der Wehrdienstreform will Dänemark seine Streitkräfte stärken. Oberst Kenneth Strøm, Chef des Wehrpflichtprogramms, bringt es auf den Punkt: „Mit elf Monaten können die Wehrpflichtigen sich wesentlich stärker spezialisieren als bisher.“

Nach dem Strammstehen auf dem Kasernenhof geht es in die Kleiderkammer. 35 Uniformteile gilt es zu verteilen und anzupassen.

Nach fünf Monaten Grundausbildung folgen sechs Monate mit operativen Aufgaben – Seite an Seite mit Berufssoldaten. Das Spektrum ist breit: Mehr als 40 Ausbildungsrichtungen gibt es, von Infanterie über Drohneneinheiten und Luftverteidigung bis zu maritimen Aufgaben.

Gleiche Pflichten, gleiche Chancen

Neu ist nicht nur die Dauer, sondern auch die Gleichstellung. Männer und Frauen haben dieselben Rechte und Pflichten. Sollte es künftig zu Einsätzen außerhalb des Königreichs kommen, etwa im Rahmen der Nato, gilt indes weiterhin das Prinzip der Freiwilligkeit.

Montagmorgen auf dem Kasernenhof: Der erste Drill erfolgt in Zivil.

Dass der Kickstart in Hadersleben erfolgt, ist kein Zufall: Das Schleswigsche Infanterieregiment hat sich seit seiner Reaktivierung 2019 als Ausbildungsstandort einen Namen gemacht und bildet auch Personal für das neue Drohnenzentrum der Streitkräfte aus.

Strammstehen in Zivil

Auf dem Kasernenhof ist von großer Politik an diesem Morgen wenig zu spüren. Hier heißt es erst einmal: strammstehen, Namen lernen, Abläufe verstehen. Ankommen in einer neuen Wirklichkeit für die nächsten elf Monate.

 „Ich bin gespannt“, sagt Frida. „Echt sehr gespannt.“