Grenzüberschreitend

SPD: Dänemark und Grönland haben Europa wachgerüttelt

Veröffentlicht Geändert
Adis Ahmetović sichert Dänemark und Grönland dauerhafte Unterstützung zu.

Der nordschleswigsche Abgeordnete Benny Engelbrecht (Soz.) hat mit der SPD-Fraktion in Berlin über Grönland gesprochen. Der außenpolitische Sprecher der Fraktion, Adis Ahmetović, betont, dass Deutschland voll und ganz hinter dem Königreich Dänemark steht: Es kann keine territorialen Eingeständnisse geben.

Die Begegnung kam in kürzester Zeit zustande: Vor zwei Wochen fragte die SPD-Fraktion im Bundestag, ob jemand aus der sozialdemokratischen Fraktionsleitung im Folketing über Grönland sprechen könne. 

Benny Engelbrecht aus Lysabild auf Südalsen (Sydals) beherrscht als Grenzlandbewohner Deutsch, und so flog er am Dienstag nach Berlin. Nachdem er gesprochen hatte, gaben die deutschen Genossen ihm stehenden Applaus.

„Das war sehr berührend“, so der Nordschleswiger.

„Benny Engelbrechts Besuch war für uns ein Zeichen der Freundschaft und Solidarität mit dem Königreich Dänemark“, sagt der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Adis Ahmetović, im Interview mit dem „Nordschleswiger“.

Dankbarkeit gegenüber Dänemark und Grönland

Parallel zu Engelbrechts Besuch bei der SPD-Fraktion bedankten sich der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen und Staatsministerin Mette Frederiksen (Soz.) bei Bundeskanzler Friedrich Merz und anschließend bei Präsident Emmanuel Macron für die Unterstützung.

Das entschiedene und dennoch sachliche Auftreten der beiden Regierungschefs aus der Reichsgemeinschaft in den vergangenen Wochen hat beim SPD-Sprecher tiefen Eindruck hinterlassen.

Erst recht werden wir nicht schweigen, wenn die USA drohen, einen EU- und Nato-Partner zu annektieren und somit in Grönland das Völkerrecht zu brechen

Adis Ahmetović

„Dänemark und Grönland haben mit ihrer Stärke gegenüber den Annexionsplänen von US-Präsident Donald Trump Europa wachgerüttelt. Das führte zu einer neuen Geschlossenheit der EU. Dafür sind wir ihnen sehr dankbar“, so Ahmetović.

Frage des Völkerrechts

Denn, darin sind sich der dänische und der deutsche Sozialdemokrat einig, bei dem Konflikt geht es um deutlich mehr als um Grönland. Es geht um ganz grundsätzliche Fragen des Völkerrechts.

„Es ist Deutschlands ureigenstes Interesse, Grönland in der Frage der territorialen Integrität zu unterstützen“, betont Ahmetović. Deutschland habe nach dem Angriff auf die Ukraine Wladimir Putins Völkerrechtsbrüche angeprangert.

„Erst recht werden wir nicht schweigen, wenn die USA drohen, einen EU- und Nato-Partner zu annektieren und somit in Grönland das Völkerrecht zu brechen. Das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit.“

„Sollte Grönland einen anderen Status als den bisherigen (als autonomer Teil des Königreichs Dänemark, Red.) wünschen, dann kann dieser Beschluss weder in Washington noch in Kopenhagen gefällt werden, sondern ausschließlich von den Grönländerinnen und Grönländern selbst“, sagt Engelbrecht. 

„Wir halten entschieden daran fest, dass es bei der territorialen Frage keine Kompromissbereitschaft gibt. Die Menschen in Grönland und Dänemark lassen sich nicht erpressen – und wir in Deutschland stehen fest hinter ihnen“, so Ahmetović. 

Stärkeres sicherheitspolitisches Engagement in der Arktis

In seiner Rede in Davos hat Trump davon Abstand genommen, sich Grönland mit Gewalt anzueignen. Am Mittwoch fand die erste Sitzung in der Arbeitsgruppe mit den USA, Dänemark und Grönland statt, die die Parteien am 14. Januar bei einem Treffen in Washington ausgehandelt haben.

Engelbrecht sieht die jüngste Entwicklung jedoch eher als eine Atempause. Die grönländische Folketingsabgeordnete Aaja Chemnitz sagte am 16. Januar dem „Nordschleswiger“, sie wünsche sich eine anhaltende internationale Unterstützung: „Das ist kein Sprint, das ist ein Marathon.“

Ahmetović teilt diese Einschätzung und versichert, Deutschland werde diese Ausdauer zeigen: „Wir sind bereit, in sicherheitspolitischen Fragen in der Arktis-Region gemeinsam mit Dänemark, Grönland und weiteren europäischen Partnern sowie den USA im Rahmen der Nato nachzuschärfen.“

Dabei gehe es um Handelswege, Rohstoffe und darum, den Einfluss der Großmächte zu reduzieren: „Ich möchte ein weiteres Mal betonen, dass es keine territorialen Konzessionen geben kann und wird.“