Bildung

EPX-Reform: Auch in Apenrade mehr Leistungsdruck befürchtet

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Auch die Zukunft am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig ist ungewiss: Für einige Schülerinnen und Schüler könnte die Zugangsberechtigung eine Hürde darstellen (Symbolfoto).

Ab 2030 soll sich die gymnasiale Landschaft in Dänemark grundlegend verändern. Mit der neuen Schulform EPX will die Regierung Theorie und Praxis enger verbinden und mehr Jugendliche in eine qualifizierende Ausbildung führen. In Apenrade beobachten Schulen, Lehrkräfte und Eltern die Reformpläne mit Interesse – und mit wachsender Aufmerksamkeit.

„Im Grundsatz halte ich die Reform für eine gute Idee“, sagt Mette Andersen, Rektorin des International Business College (IBC) in Apenrade. Die Vereinfachung der Bildungswege und die Idee, dass alle Jugendlichen zunächst „durch dieselbe Tür“ gehen, treffe den Bedarf vieler junger Menschen. „Viele sind mit 15 oder 16 noch nicht bereit, eine endgültige Entscheidung über ihren Bildungsweg zu treffen.“

Tatsächlich wechseln heute viele Schülerinnen und Schüler zunächst in die 10. Klasse oder in eine zweijährige HF, bevor sie sich für ein dreijähriges Gymnasium entscheiden. Diese Orientierungsphase soll mit der Reform teilweise entfallen. Die neue EPX-Ausbildung ersetzt unter anderem HF und Teile der 10. Klasse.

Zugang zum Gymnasium wird enger

Kritisch blickt Mette Andersen vor allem auf die geplanten höheren Zugangsvoraussetzungen für die klassischen Gymnasien STX, HHX und HTX. Künftig soll ein Notendurchschnitt von 6,0 Voraussetzung sein.

„Das wird zwangsläufig dazu führen, dass weniger Jugendliche aufgenommen werden“, sagt die Rektorin. Wie groß der Effekt sein wird, lasse sich noch nicht abschätzen. „Noten sind relativ. Manche erreichen die 6, wenn es darauf ankommt – andere nicht. Und für sie müssen wir gute Alternativen haben.“

Genau hier setzt die EPX an. Sie soll Jugendlichen mit unterschiedlichen Voraussetzungen einen gymnasialen Weg eröffnen, der stärker praxisorientiert ist und enger mit Betrieben zusammenarbeitet.

EPX als Ergänzung – nicht als Ersatz

Am IBC sieht Andersen die neue Schulform nicht als Konkurrenz zu bestehenden Angeboten. „Ab 2030 wird es ein zweijähriges und ein dreijähriges gymnasiales Angebot geben – mit unterschiedlichen Profilen. Das erweitert die Wahlmöglichkeiten.“

Entscheidend sei, dass Jugendliche künftig bewusster wählen könnten. „Nicht schneller – sondern passender.“

Noch offen bleibt für sie die Rolle der bisherigen 10. Klasse. „Sie hat heute eine wichtige Funktion. Viele nutzen sie, um reifer zu werden und Orientierung zu finden. Ob EPX diese Rolle vollständig übernehmen kann, wissen wir noch nicht.“

Lehrer sorgen sich um Stellen und Strukturen

Nicht nur pädagogische Fragen beschäftigen die Schulen. Unter Lehrkräften wächst die Unsicherheit, wie sich die Reform auf Arbeitsplätze und Schulstandorte auswirkt. Gerade in kleineren Kommunen wie Apenrade spielt auch die demografische Entwicklung eine Rolle.

Nach Zahlen der Region gehen die Jahrgänge bis 2035 um 8 bis 10 Prozent zurück. Weniger Schülerinnen und Schüler bedeuten langfristig auch weniger Klassen und – möglicherweise – weniger Stellen.

„Zusammenlegungen oder Kooperationen müssen nicht automatisch schlecht sein“, sagt Mette Andersen. „Sie können neue Chancen eröffnen.“ Entscheidend sei, dass Lösungen den Jugendlichen dienten – und den Schulen Planungssicherheit gäben.

In der Lehrergewerkschaft wird zudem diskutiert, wie der Unterricht in der EPX aussehen soll. Die neue Schulform bringt Jugendliche mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen zusammen. „Das stellt hohe Anforderungen an Didaktik und Personal“, warnt der stellvertretende Vorsitzende der dänischen Lehrergewerkschaft, Niels Jørgen Jensen. Ohne zusätzliche Ressourcen drohten Qualitätsverluste. Auch stelle sich die Frage, welche Lehrerinnen und Lehrer den Unterricht in den EPX-Klassen übernehmen werden – jene vom Gymnasium oder jene von der Volksschule.

Da etablierte Strukturen wie HF oder EUX teilweise neu gedacht oder integriert werden, fühlen manche Gymnasiallehrkräfte ihre Stellen und Rollen weniger gesichert, was innerhalb der Lehrergemeinschaft zu Besorgnis über die berufliche Zukunft führt. 

Eltern begrüßen Chancen – fürchten aber Leistungsdruck

Auch unter Eltern herrscht ein gemischtes Bild. Viele begrüßen, dass EPX Theorie und Praxis stärker verbindet und neue Wege eröffnet. Elternverbände wie „Skole og Forældre“ sehen darin die Chance, mehr Jugendlichen einen erfolgreichen Abschluss zu ermöglichen.

Gleichzeitig wächst die Sorge vor steigendem Leistungsdruck. Höhere Zugangsvoraussetzungen für die klassischen Gymnasien könnten den Wettbewerb bereits in der Volksschule verschärfen. Kritisch sehen viele Eltern auch den Wegfall der 10. Klasse. „Dieses zusätzliche Jahr hat vielen geholfen, sich zu orientieren“, heißt es aus Elternkreisen.

Die Befürchtung: Es könnte eine Zweiteilung entstehen – mit einem klassischen Gymnasium als erstem Weg und EPX als zweiter Option.

Vorbereitung beginnt jetzt

Am IBC richtet sich der Blick bereits auf die kommenden Jahre. Im Januar nimmt die Schulleitung an einem Seminar zu Veränderungsprozessen teil. „Wir wollen vorbereitet sein, wenn die Reform konkret wird“, sagt Andersen. Gleichzeitig konzentriert sich die Schule weiter auf den laufenden Betrieb. „Unsere Aufgabe bleibt, die jetzigen Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu begleiten.“

Von Kommune und Politik wünscht sie sich vor allem Verlässlichkeit. „Die Bildungsinstitutionen in Apenrade arbeiten eng zusammen. Das ist eine große Stärke für die kommende Umbruchphase.“

Offene Fragen auch am DGN

Auch das Deutsche Gymnasium für Nordschleswig (DGN) in Apenrade beobachtet die Reform mit Interesse. Obwohl das DGN eine starke Position hat – zuletzt belegte es in nationalen Vergleichen Top‑Plätze bei der Förderung seiner Schülerinnen und Schüler ‒, fragen Lehrkräfte und Schulleitungen, wie sich EPX auf die bestehenden Gymnasialangebote und Sprachenvielfalt im Bildungsalltag auswirken wird. Die Debatte um vier mögliche EPX‑Fachrichtungen an Gymnasien des Landes, die auch das DGN betrifft, zeigt: Viele Rahmenbedingungen sind noch offen, was weiteren Austausch zwischen Schulen, Kommunen und der Bildungsverwaltung erfordert, sagt Schulleiter Jens Mittag.

Reform mit offenem Ausgang

Ihr Fazit fällt differenziert aus: „Die Richtung stimmt. Aber wir dürfen die Jugendlichen nicht aus dem Blick verlieren, die weder in ein zwei- noch in ein dreijähriges Gymnasium passen. Für sie brauchen wir tragfähige Lösungen.“

Bis 2030 bleibt Zeit, offene Fragen zu klären – über Unterricht, Personal, Gebäude und Bildungswege. In Apenrade verfolgt man die Reform aufmerksam. Denn sie entscheidet mit darüber, wie junge Menschen künftig ihren Weg in Ausbildung und Studium finden.