Grenzüberschreitendes

Dänischer IT-Riese macht Schleswig-Holsteins Kommunen digital fit

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Netcompanys Hauptquartier im Zentrum von Kopenhagen

Dänemarks größtes IT-Unternehmen, Netcompany, hat den Auftrag bekommen, die Steuererhebung in den Kommunen in Schleswig-Holstein zu digitalisieren. Der Digitalisierungsminister des Landes, Dirk Schrödter, ist überzeugt, dass die Bürgerinnen und Bürger sowie die Unternehmen davon profitieren werden.

Schnellere Bescheide an die Menschen; weniger langweilige Routine für die Mitarbeitenden in den Kommunen. Das ist das Ziel für das größte dänische IT-Unternehmen Netcompany bei der Digitalisierung der Kommunen in Schleswig-Holstein. 

Es hat mit der Landesregierung vereinbart, dass es mit einem Pilotprojekt im Amt Föhr-Amrum beginnt. Bislang wird die Tourismusabgabe dort per Hand errechnet und erhoben. 

„Zukünftig können die Unternehmen ihre Daten in ein digitales Formular eingeben, und in den meisten Fällen geschieht die Berechnung dann automatisch. Nur bei komplexen Fällen müssen die Mitarbeitenden Hand anlegen“, sagt Jess Møller Knudsen, der Verantwortliche bei Netcompany für die Zusammenarbeit mit Schleswig-Holstein. Das Interview mit ihm führt „Der Nordschleswiger“ auf Deutsch. 

Erprobte Technologie

Für die Digitalisierung in Schleswig-Holstein setzt Netcompany eine bereits erprobte Lösung ein. Die Plattform „Amplio“ benutzt der dänische Staat unter anderem bereits für sein Lohn- und Rentensystem, die Studienanleihen und das Wohngeld. 

„Generell gilt, dass es nicht immer sinnvoll ist, neue Lösungen zu entwickeln, sondern auf bewährte und erprobte Lösungen zurückzugreifen“, schreibt Schleswig-Holsteins Digitalisierungsminister Dirk Schrödter (CDU) in einer Stellungnahme an den „Nordschleswiger“.

Erweiterungen auf Grundlage desselben Kerns

Die Digitalisierung der Tourismusabgabe auf den nordfriesischen Inseln ist für Netcompany nur der erste Schritt – Zweitwohnungssteuer, Kurabgabe und Hundesteuer sollen folgen. Im kommenden Jahr plant das Unternehmen dann, die komplexeren Lösungen wie Grundsteuer und Gewerbesteuer anzugehen. 

„Wir bauen alles auf einem gemeinsamen Kern auf und können dann weitere Applikationen hinzufügen. Dadurch können wir die Entwicklung mit einer hohen Geschwindigkeit durchführen“, erklärt Møller Knudsen. 

Interessantere Aufgabe für die Angestellten

Netcompany bietet eine sogenannte Ende-zu-Ende-Lösung an. Das bedeutet, dass die Nutzerinnen und Nutzer die Daten online in das System eingeben, und dieses berechnet dann die Steuer. Die Mitarbeitenden werden jedoch den Prozess kontrollieren.

„Kommunen wird mithilfe von Netcompanys Ende-zu-Ende-Lösung ein effizientes Werkzeug für die Verwaltungsdigitalisierung geboten“, so Minister Schrödter.

Møller Knudsen sieht in dem neuen System auch die Möglichkeit einer größeren Arbeitsfreude für die Angestellten in den Kommunen. Sie bekamen zukünftig weniger Routineaufgaben. Sie werden die komplexen Fragestellungen lösen, die das digitale System nicht automatisch bearbeiten kann. 

Jess Møller Knudsen setzt auf schnellere Bescheide durch die Digitalisierung.

„Damit bekämen sie interessantere Aufgaben, und das sehe ich als einen der größten Vorteile für die Verwaltung.“

Schnellere Antworten 

Für die Bürgerinnen und Bürger sieht er vor allem den Vorteil, dass sie deutlich schneller eine Antwort bekommen. Dies wird besonders interessant, wenn auch die Berechnung von Sozialleistungen wie Wohngeld, Familiengeld oder Kindergeld digitalisiert wird. 

Einen Bescheid über Wohngeld bekommen Menschen in Dänemark innerhalb von ungefähr zwei Wochen. In Deutschland kann es schon mal ein halbes Jahr dauern. „Es bedeutet für diese Familien sehr viel, wenn sie zukünftig deutlich schneller eine Antwort erhalten“, so Møller Knudsen.

„Die digitalen Verwaltungsprozesse werden außerdem eine neue Qualität vorweisen, da sie medienbruchfrei (Digitale Übermittlung von Daten ohne Medienwechsel, Anm. d. Red.) und automatisiert erfolgen“, ergänzt Schrödter.

Netcompany hat gespürt, dass insbesondere Norddeutschland zunehmend nach Dänemark blickt, um Digitalisierungslösungen zu finden. Møller Knudsen sieht daher großes Potenzial darin, auf demselben Kern aufbauend, laufend neue Bereiche anzugehen.

Digitalisierungsminister Dirk Schrödter sieht Vorteile sowohl für die Verwaltung als auch für die Bürgerinnen und Bürger.

„Wir untersuchen in unserem Pilotprojekt, ob eine dänische Plattform in Norddeutschland angewendet werden kann, und bislang läuft es ausgesprochen gut. Jetzt erreichen wir die nächste Stufe der Zusammenarbeit und testen komplexere Lösungen.“

Lösungen, die das IT-Unternehmen auch für die Nachbarbundesländer wie Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern kostengünstig anpassen kann.