Natur und Umwelt

Neue Verbündete fürs Wattenmeer: Nationalpark setzt auf Wirtschaftspartnerschaften

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Hier wird fleißig eine neue Seegraswiese angepflanzt. An solchen Pflanzaktionen können Mitarbeitende der Partnerschaftsunternehmen gerne teilnehmen.

Seegras verschwindet, Lebensräume geraten unter Druck. Der Nationalpark Wattenmeer geht neue Wege und bindet Unternehmen stärker in den Naturschutz ein. Mit gezielten Partnerschaften sollen mehr Projekte möglich werden – auch im Wattenmeer vor der Küste der Kommune Tondern.

Der Nationalpark Wattenmeer ist eines der wertvollsten Naturgebiete Europas – und zugleich ein sensibles Ökosystem, das stetiger Pflege bedarf. Nun geht die Nationalparkverwaltung neue Wege: Mit sogenannten Wirtschaftspartnerschaften sollen Unternehmen künftig dabei helfen, konkrete Naturprojekte umzusetzen.

Das Konzept ist neu. Unternehmen können gezielt Projekte im Nationalpark unterstützen, etwa die Wiederansiedlung von Seegras, den Schutz bedrohter Vogelarten oder die Schaffung neuer Lebensräume für Fische und Amphibien. Die Unterstützung fließt in das sogenannte ESG-Engagement der Firmen ein, zugleich können Mitarbeitende selbst aktiv mithelfen.

Mehr Projekte für ein sensibles Naturerbe

ESG oder Greenwashing

ESG steht für Environment (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung). Der Begriff wird genutzt, um zu beschreiben, wie Unternehmen Verantwortung für Umwelt, Gesellschaft und eine ordentliche Unternehmensführung übernehmen.

Gedacht ist ESG als Werkzeug, um Nachhaltigkeit konkret und nachvollziehbar zu machen. In der Praxis hängt die Glaubwürdigkeit jedoch davon ab, ob hinter den Erklärungen auch tatsächliche Maßnahmen stehen.

Dass ESG mehr ist als ein grünes Etikett, sondern vor Ort sichtbar – etwa in Form konkreter Naturprojekte und langfristiger Verantwortung.

Von Greenwashing spricht man dagegen, wenn Nachhaltigkeit nur behauptet wird, ohne dass Projekte messbare Wirkung entfalten oder kritisch überprüft werden können.

„Wir freuen uns sehr über die große Resonanz auf unser neues Partnerkonzept“, sagt Peter Saabye Simonsen, Nationalparkchef des Nationalparks Wattenmeer. Die ersten Partnerschaften zeigen aus seiner Sicht, dass sich Naturschutz, lokale Verantwortung und unternehmerisches Engagement verbinden lassen.

Gerade für das Wattenmeer sei das wichtig. Das Gebiet gilt als „Dänemarks wichtigster Beitrag zur Weltnatur“ und steht als UNESCO-Weltnaturerbe unter besonderem Schutz. Dennoch sind viele Lebensräume unter Druck – nicht zuletzt die Seegraswiesen.

Seegras als Schlüssel zur Artenvielfalt

Seegras spielt eine zentrale Rolle für das marine Ökosystem. Es dient als Kinderstube für Fische, als Nahrungsquelle für Vögel und stabilisiert den Meeresboden. In großen Teilen des Wattenmeeres ist es jedoch nahezu verschwunden.

„Eine Voraussetzung für die Wiederansiedlung von Seegras ist, zu verstehen, warum es überhaupt verschwunden ist“, erklärt Xenia Salomonsen, Meeresbiologin und Naturkonsulentin im Nationalpark Wattenmeer. Seit Jahren werden Daten gesammelt – auch in Zusammenarbeit mit Forschenden aus den Niederlanden. Die neuen Partnerschaften sollen helfen, diese Arbeit auszuweiten und praktische Auspflanzungen zu ermöglichen.

Bedeutung für Nordschleswig

Damit der inzwischen bedrohte Schmetterling mit dem doch sehr langen Namen Lungenenzian-Ameisenbläuling (dän. Ensianblåfugl), auch Kleiner Moorbläuling genannt, wieder bessere Lebensbedingungen vorfindet, muss die Heide (wie hier auf Röm/Rømø) von unerwünschtem Gehölz befreit werden. Auch daran könnten sich Mitarbeitende der Partnerunternehmen beteiligen.

Auch wenn die ersten beteiligten Unternehmen ihren Sitz in Esbjerg haben, liegt der eigentliche Schauplatz der Projekte im gesamten Wattenmeer – und damit auch vor der Küste der Kommune Tondern. Für viele Menschen in Nordschleswig ist das Wattenmeer Teil der eigenen Identität: als Naturraum, als Arbeitsplatz, als Erholungsgebiet.

Mehr finanzielle Mittel und zusätzliche helfende Hände könnten langfristig dazu beitragen, die Naturqualität zu sichern – mit Auswirkungen auf Artenvielfalt, Küstenschutz und nachhaltigen Tourismus.

Mitmachen statt nur schützen

Ein zentraler Gedanke des neuen Konzepts ist die aktive Beteiligung. Mitarbeitende der Partnerunternehmen können sich an Pflanzaktionen, Monitoring oder praktischen Naturschutzmaßnahmen beteiligen. „Das gibt uns die Möglichkeit, Wissen zu teilen – auch mit Menschen, die das marine Leben im Wattenmeer bisher kaum kannten“, sagt Meeresbiologin Salomonsen.

Die Vision der Nationalparkverwaltung ist es, das Wattenmeer stärker als gemeinsame Verantwortung zu begreifen – getragen von Staat, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und nun auch der Wirtschaft. Der Nationalpark Wattenmeer hofft, dass weitere Unternehmen dem Beispiel von Hytor und Semco Maritime aus Esbjerg folgen, die die ersten beiden Wirtschaftspartnerschaften eingegangen sind.