Leitartikel

„Zweisprachige Ortsschilder: Sichtbarkeit braucht klare Politik“

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Trotz des positiven Signals aus dem Kulturministerium, künftig mehr Punkte der Europäischen Sprachencharta umsetzen zu wollen, bleiben Fragezeichen – so auch bei den zweisprachigen Ortsschildern. Warum diese vor allem eine Frage der Sichtbarkeit sind – und weshalb die Politik jetzt Klartext reden muss, erläutert Anna-Lena Holm in ihrem Leitartikel.

Die Überraschung in der deutschen Minderheit war groß, als das Kulturministerium kürzlich ankündigte, künftig mehr Punkte der Europäischen Sprachencharta umsetzen zu wollen – darunter auch zweisprachige Ortsschilder in Nordschleswig. Umso größer ist nun die Verwunderung: In der offiziellen Erklärung ist plötzlich nur noch von Ortsnamen die Rede, nicht mehr von Ortsschildern wie in der inoffiziellen Fassung.

Das mag nach einer Kleinigkeit klingen. Doch in der Politik sind genaue Worte wichtig. Gerade bei Minderheitenrechten entscheidet Sprache darüber, ob Ankündigungen auch zu konkreten Schritten führen. Unklare Begriffe lassen Spielraum – und dieser Spielraum bedeutet oft Stillstand.

Die Kommunen haben selbst in der Hand, inwieweit sie sich um eine Umsetzung bemühen. Also: alles beim Alten. Minderheitenrechte sollten nicht vom guten Willen einzelner Gemeinden abhängen. Die Europäische Sprachencharta richtet sich an den Staat – und damit an die Regierung.

Dass nun die nordschleswigschen Bürgermeister beim Kulturminister um Klarheit bitten, zeigt, wie nötig eindeutige Aussagen wären.

Die Frage der zweisprachigen Ortsschilder ist in erster Linie eine Frage der Sichtbarkeit. Sie wären ein starkes Zeichen dafür, dass die deutsche Sprache Teil Nordschleswigs ist – und das seit Jahrhunderten.

Gegenargumente überzeugen wenig. Zweisprachige Schilder kosten kaum Geld, sie verwirren niemanden und nehmen niemandem etwas weg. Ein Austausch könnte Schritt für Schritt stattfinden – dann, wenn eine Erneuerung ohnehin fällig würde. Wenn der deutsche Name in kleinerer Schrift unter dem dänischen steht, ist das kein Problem, sondern Ausdruck von Rücksicht und Toleranz.

Ein Blick in andere Grenzregionen Europas zeigt, dass zweisprachige Ortsschilder vielerorts selbstverständlich sind – selbst dort, wo die Geschichte deutlich konfliktreicher war. Sie gelten als Zeichen von Respekt und Verbundenheit, nicht als Provokation.

Nordschleswig gilt als Vorzeigeexempel für Minderheitenschutz. Gerade deshalb sollte die Politik hier klar und verlässlich handeln – ja, Haltung zeigen. Wer Fortschritte ankündigt, sollte sie auch deutlich benennen.