Infrastruktur

Strom für Dänemark und Deutschland: Die Energieinsel Bornholm kommt

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Südöstlich von Bornholm sollen Offshore-Windparks Strom für Deutschland und Dänemark produzieren (Symbolbild).

Grünes Großprojekt: Wie sichern Dänemark und Deutschland gemeinsam eine unabhängige Energieversorgung? Das Projekt vor Bornholm stand lange auf der Kippe und ist nun beschlossen. Offshore-Windparks sollen Strom für rund drei Millionen Haushalte liefern.

Haushalte auf Seeland und in Ostdeutschland sollen künftig mit Strom aus der Ostsee versorgt werden. Möglich macht das die geplante Energieinsel Bornholm, auf die sich Dänemark und Deutschland jetzt nach jahrelangen Verhandlungen in Hamburg geeinigt haben. 

Konkret haben sich Klimaminister Lars Aagaard (Moderate) und Deutschlands Energieministerin Katherina Reiche (CDU) über Kostenverteilung, Stromabnahme und die weitere Zusammenarbeit verständigt und nun ihre Vereinbarung am Rande des Nordsee-Gipfels in Hamburg öffentlich gemacht. 

Die wichtigsten Informationen zum Projekt im Überblick: 

Was ist geplant?

Südlich von Bornholm sollen große Offshore-Windparks entstehen. Die Anlagen sollen laut Klimaministerium rund 3 Gigawatt Windenergie liefern können – also genügend, um rund 3 Millionen Haushalte mit Strom zu versorgen.

Der Strom wird auf der Insel gesammelt, in einer Anlage umgewandelt und anschließend per Seekabel nach Seeland und nach Deutschland geleitet. Laut Angaben eines Beitrags der „WirtschaftsWoche“ vom Juli sind rund zwei Drittel der Leistung für Mecklenburg-Vorpommern eingeplant, der Rest für Dänemark.

Wer steckt dahinter?

Es handelt sich um ein gemeinsames Projekt der dänischen und der deutschen Regierung. Beteiligt sind unter anderem die Netzbetreiber Energinet (Dänemark) und 50Hertz (Deutschland). 

Warum ist das Projekt wichtig?

Die Energieinsel soll nicht nur große Mengen grünen Strom liefern, sondern auch die Abhängigkeit von fossilen Energien verringern. Die „WirtschaftsWoche“ hebt hervor, dass zusätzliche Stromverbindungen das Netz stabiler und weniger anfällig machen sollen. In deutschen Medien gilt das Projekt als grüne Alternative zu Nord Stream. Gemeint ist damit nicht ein Ersatz für die Gaspipeline, sondern ein energiepolitischer Kurswechsel hin zu erneuerbarem Strom aus eigener Produktion.

Warum war Deutschland so wichtig für das Projekt?

Deutschland war für das Projekt entscheidend, weil es zeitweise auf der Kippe stand. Ohne einen großen Abnehmer aus Deutschland hätte sich die Energieinsel kaum gerechnet. „Politiken“ berichtet etwa von Unsicherheit bei der Finanzierung, Haftung und Stromabnahme. Erst ein klares politisches Signal aus Berlin brachte dem Projekt neuen Schwung.

Wie groß ist das Vorhaben?

Die Kosten sind noch nicht endgültig beziffert. Nach Einschätzung von „DR“-Klimaaexperte Filip Knaack Kirkegaard könnte das Projekt insgesamt einen dreistelligen Milliardenbetrag (Kronen) erreichen. Finanziert wird es vor allem durch private Investoren, abgesichert durch staatliche Preisgarantien. Die EU unterstützt das Vorhaben mit mehreren Milliarden Kronen. 

Was bedeutet das für Bornholm selbst?

Für die Insel ist das Projekt ein wirtschaftlicher Wendepunkt. Der Hafen von Rønne wird ausgebaut, neue Arbeitsplätze entstehen. Gleichzeitig gibt es Kritik von Anwohnenden, die Belastungen durch Bauarbeiten und Stromanlagen befürchten. Das zeigt etwa ein Bericht von „ZDFheute“, der sowohl Befürworter als auch Gegner zu Wort kommen lässt. 

Wie geht es weiter?

Formell muss das Abkommen noch politisch bestätigt werden. Beide Regierungen betonen jedoch, dass die Energieinsel Bornholm Teil einer langfristigen deutsch-dänischen Zusammenarbeit ist.