Deutsche Minderheit

BDN-Hauptvorsitz: Ein Duell oder ein Duett?

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Claudia Knauer und Stephan Kleinschmidt beim ersten direkten, gemütlichen Aufeinandertreffen im Kampf um den BDN-Hauptvorsitz

Kandidatur: Claudia Knauer und Stephan Kleinschmidt stellen sich zur Wahl. Beide betonen die Bedeutung von Transparenz und Beteiligung in der deutschen Minderheit. Die Entscheidung fällt im Juni bei der BDN-Delegiertenversammlung.

„Moin Stephan.“

„Schön dich zu sehen, Gudrun.“ 

„Hallo Kurt.“

„Guten Abend Claudia.“

32-Mal Händeschütteln und auch die eine oder andere Umarmung. Man kennt sich. Der Saal im Haus Nordschleswig ist gut gefüllt, aber der Platz reicht, denn der BDN-Ortsverein Apenrade ist vorbereitet – es sind sogar mehr Brötchen geschmiert worden als sonst: An diesem Abend werden mehr Leute zur Generalversammlung erwartet als üblich.

Nicht das Jahrestreffen zieht, sondern es geht darum, zwei Personen noch besser kennenzulernen: Claudia Knauer und Stephan Kleinschmidt kandidieren beide für den Hauptvorsitz des Bundes Deutscher Nordschleswiger. Heute Abend stellen sie sich zum ersten Mal gemeinsam vor.

Zeit und Geduld

Ein wenig müssen sich aber alle noch gedulden. Das Protokoll des Vorjahres wird im Detail vorgelesen, die Ausflüge und Aktivitäten werden im Jahresbericht noch einmal Revue passiert, und der Kassenbericht wird auf die Öre genau durchgegangen. Es sind 93.327,23 Kronen in der Kasse.

Zum Glück gibt es heute Abend keinen Handball. Alle haben Zeit mitgebracht. Die Mitglieder haben weder Fragen noch Kommentare zur Vorstands- und Vereinsarbeit. Jetzt müssen nur noch die Vorstandswahlen überstanden werden. Per Akklamation, versteht sich.

Der Vereinsbeitrag wird bestätigt, und die neuen Termine des Ortsvereins werden veröffentlicht – es gibt wieder ein Spargelessen. Das muss sein. Das ist Tradition und gelebte Vereinsarbeit vor Ort. 

Es geht endlich los

Claudia Knauer im Gespräch mit anderen Frauen bei der Generalversammlung des BDN-Ortsvereins

Es ist nach 20 Uhr, und es folgt endlich der Hauptgang: Im Juni wird bei der Delegiertenversammlung die Nachfolgerin oder der Nachfolger von Hinrich Jürgensen gewählt. 17 Jahre lang ist er dann Hauptvorsitzender gewesen – es brechen neue Zeiten für die Minderheit an.

Nicht nur mit einer oder einem neuen Hauptvorsitzenden an der Spitze, sondern auch mit neuen Akzenten. Das wird von Beginn an deutlich.

Für Claudia Knauer und Stephan Kleinschmidt ist das Haus Nordschleswig ein Heimspiel: Was die Themenschwerpunkte angeht, unterscheiden sich die Büchereidirektorin aus Apenrade und der Lokalpolitiker aus Sonderburg, der zuletzt im Haus Wahlkampf für die Schleswigsche Partei betrieben hat, nicht.

Ehrenamt im Fokus

„Ich will keine Veränderung der Veränderung wegen. Und wenn Veränderungen nötig sind, dann als gemeinsamer Prozess“, sagt Claudia Knauer.

Auch Stephan Kleinschmidt möchte die Basis einbeziehen. Die Beteiligung ist ihm wichtig.

Claudia Knauer will „zuhören und verstehen“, Stephan Kleinschmidt möchte die Minderheit „besser kennenlernen“. Beide wollen das Ehrenamt stärken und Anerkennung schenken und sprechen von mehr Transparenz innerhalb der Minderheit und ihrer Gremien.

Stephan Kleinschmidt verspricht mehr Hilfe aus dem Haus Nordschleswig (die zentrale Verwaltung der deutschen Minderheit), und Claudia Knauer unterstreicht, dass die hauptamtlichen Angestellten für die Freiwilligen da sind – und nicht umgekehrt.

Worin unterscheiden sich die beiden?

Kleinschmidt und Knauer sind sich in vielem einig.

Es sind vor allem zwei unterschiedliche Menschen, die sich präsentieren: Claudia Knauer und ihre Familie kennen den Neustart – als Kind in Deutschland, und als Erwachsene später beim Umzug nach Dänemark. 

Das hat sie geprägt, und die frühere stellvertretende Chefredakteurin des „Nordschleswigers“, die inzwischen seit 30 Jahren in Nordschleswig lebt, möchte daher die deutsche Minderheit weiter öffnen.

„Wenn wir von Kernminderheit und EVU (Eine von uns, Anm. d. Red.) reden, dann schotten wir uns ab“, sagt sie.

Die Minderheit könne zwar nicht Tausende von Zugezogenen aufnehmen, aber denen, die bei der Minderheit ankommen, sollte mit offenen Armen begegnet werden, so Knauer.

Stephan Kleinschmidt beschreibt sich selbst als „Kind der Minderheit“: deutscher Kindergarten in Rinkenis (Rinkenæs), Förde-Schule, deutsches Gymnasium in Apenrade, Rudern beim DRG, Handball bei der TS Sonderburg, Junge-Spitzen-Gründer und seit zwei Jahrzehnten politisches Zugpferd der Schleswigschen Partei in Sonderburg. Auch das prägt.

Kleinschmidt beschäftigt sich ebenfalls mit den neuen Familien aus Deutschland, die nach Dänemark ziehen. „Die Minderheit ist im Wandel, und sie wächst, weil sie attraktiv ist. Das ist eine Chance – aber auch eine Herausforderung.“

5 Punkte und Denkfabrik

Stephan Kleinschmidt möchte seinen 5-Punkte-Plan mit der Minderheit weiterentwickeln.

Er hat bereits einen 5-Punkte-Plan vorgelegt – ein dynamischer Plan, den er bis zur Delegiertenversammlung gemeinsam mit den Menschen in der Minderheit weiterentwickeln möchte. Eine Leitfaden für die Zukunft.

Claudia Knauer möchte dagegen eine Denkfabrik einrichten, die neue Impulse – auch von außerhalb – für die Zukunft der Minderheit geben soll.

Auch hier zeigen sich kaum Unterschiede.

Positionieren vor der Wahl

„Wir sind uns ja nicht uneinig“, stellt Claudia Knauer fest. Es ist eben kein Duell, sondern ein Duett. Es ist kein Rivalisieren, sondern ein Positionieren.

In den kommenden Wochen und Monaten geht es weiter: Die beiden präsentieren sich einzeln und gemeinsam in verschiedenen Vereinen und Verbänden der Minderheit.

Doch am 2. Juni wird es entweder eine neue Hauptvorsitzende oder einen neuen Hauptvorsitzenden geben. Und auch das ist beiden bewusst: Sie kämpfen um denselben Posten, der nur einmal vergeben werden kann.