Handyempfang

Kein Netz in Nordfriesland? So steht es wirklich um die Funklöcher im Kreis

Fährt man mit Auto oder Bahn durch Nordfriesland hat man manchmal das Gefühl, es wimmelt im Kreisgebiet nur so vor Funklöchern. Doch stimmt das? Und woran liegt es, dass man gefühlt ständig schlechtes Netz hat?

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Zusammenfassung

  • Die Netzabdeckung in Nordfriesland gilt laut Bundesnetzagentur und Mobilfunkbetreibern als insgesamt sehr gut, trotz einzelner von Nutzern erlebter Funklöcher.
  • Weiße Flecken ohne 4G/5G-Versorgung sind fast verschwunden, während graue Flecken und Empfangsprobleme vor allem durch Gebäude, Topografie, Wetter und hohe Geschwindigkeiten entstehen.
  • Telekom und Vodafone versorgen fast alle Haushalte, bauen weitere Standorte aus und reagieren damit auf stark wachsenden Datenverkehr und saisonale Spitzen im Tourismus.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Mal eben schnell die Liebsten aus dem Zug anrufen, sagen, wann man ankommt und plötzlich: kein Netz mehr. Und jetzt? Wer jahrelange Marschbahn-Erfahrungen hat, wird dieses Gefühl kennen. Doch auch abseits der Zugstrecke von Husum nach Sylt gibt es Ecken in Nordfriesland mit schlechtem Empfang.

Wo genau diese liegen? Das wollten wir unter anderem auch von unseren Lesern wissen und haben über unsere Social-Media-Kanäle dazu aufgerufen, „die schlimmsten Funklöcher in Nordfriesland“ zu nennen. Und die Resonanz war groß.

Genannt wurden unter anderem kleinere Ortschaften wie Klixbüll und Koldenbüttel, Witzwort und Tating, aber auch Städte wie Tönning und sogar die Kreisstadt Husum selbst. Beim Durchlesen der zahlreichen Antworten könnte man fast den Eindruck bekommen, dass halb Nordfriesland ein Funkloch ist. Doch dieser Eindruck täuscht.

Betreiber: Netzabdeckung in Nordfriesland ist gut

Tatsächlich ist die Netzabdeckung in Nordfriesland gut. Sogar ziemlich gut. Das belegen aktuelle Erhebungen sowohl der Bundesnetzagentur als auch der Industrie- und Handelskammer Flensburg sowie der Anbieter Telekom und Vodafone.

Laut Bundesnetzagentur geht der Anteil der Funklöcher in der kreisweiten Netzabdeckung in Nordfriesland gegen 0. Bei knapp 0,1 Prozent lag der Anteil der sogenannten weißen Flecken: Gebiete ohne mobile Sprach- und Datenversorgung durch 4G/5G. Signifikanter war der Anteil der grauen Flecken: Bereiche, die von mindestens einem, aber nicht allen Betreibern (4G/5G) versorgt werden. Dieser liegt in Nordfriesland bei knapp 3,5 Prozent (ganz genau bei 3,44 Prozent). Diese Zahlen der BNetzA datieren von Erhebungen im Oktober 2025, sind also relativ aktuell.

Empfangsverluste durch bauliche und natürliche Hindernisse

Eine allgemeingültige Aussage über die Netzqualität in der Region einzig und allein auf Grundlage des Mobilfunk-Monitorings zu treffen, sei allerdings schwierig, so Netzagentur-Sprecherin Judith Henke. „So können beispielsweise Empfangsverluste innerhalb von Gebäuden aufgrund bautechnischer Faktoren erheblich sein. Dies gilt auch in geringerem Maße, wenn der Endnutzer sich in einem Fahrzeug befindet.“

Darüber hinaus hänge die Netzverfügbarkeit auch von anderen Faktoren ab, so Henke. Dazu gehören geografische Hindernisse wie Berge, Hügel oder dichte Wälder. Bauliche Strukturen wie dicke Betonwände, Wetterbedingungen wie starker Regen oder Schnee. 

Und Bewegung. „Hohe Geschwindigkeiten im Auto oder im Zug erschweren die ständige Verbindung zu Sendemasten.“ Das würde schon mal das Netzproblem in der Marschbahn erklären. Aber auch die vereinbarte Leistung des Mobilfunkvertrages spiele eine Rolle, so Henke.

Das sagen Telekom und Vodafone

Zu den größten und bekanntesten Mobilfunkbetreibern in Deutschland gehören die Telekom und Vodafone. Auch in Nordfriesland zählen sie zu den großen Playern im Netzbetreiber-Geschäft. Die Telekom betreibt im Kreis aktuell 109 Standorte, von denen 91 bereits mit 5G funken.

„Bei 5G liegt die Flächenversorgung im Kreis bei derzeit knapp 96 Prozent“, erklärt Telekom-Sprecherin Stefanie Halle. Und es soll weiter ausgebaut werden. „In den kommenden drei Jahren planen wir insgesamt 15 neue Standorte aufzubauen. Dazu gehört auch die Mitnutzung auf Standorten anderer Betreiber bei der Schließung sogenannter Weißer Flecken“, teilt Halle weiter mit. Größere Funklöcher könne sie in Nordfriesland derzeit nicht feststellen.

Ähnlich sieht das Ganze auch Netzbetreiber Vodafone. Aktuell betreibt Vodafone 74 Mobilfunkstationen im Kreis Nordfriesland. Praktisch die gesamte Bevölkerung im Kreis sei an das Vodafone-Mobilfunknetz angebunden. 

„Somit bestehen in besiedelten Gebieten jetzt praktisch keine Mobilfunklöcher im Vodafone-Netz mehr“, schreibt Vodafone-Sprecher Volker Petendorf. 

Konkret in Zahlen ausgedrückt erreicht Vodafone im Bereich der mobilen Sprachversorgung 99,9 Prozent der Haushalte in Nordfriesland. Im Bereich der mobilen Breitbandversorgung sind es ebenfalls 99,9 Prozent. Nur die 5G-Versorgung fällt ein ganz klein wenig ab. Diese liegt bei 95,4 Prozent in Nordfriesland.

Weiterer Netzausbau in Nordfriesland geplant

Wie die Telekom kündigt auch Vodafone den weiteren Netzausbau in Nordfriesland an. „Von unseren Ausbaumaßnahmen profitieren innerhalb der nächsten 12 bis 15 Monate die Menschen und Betriebe in Bredstedt-Mitte, Drelsdorf, Garding, Humtrup, Husum-Süd, Kampen, List, Niebüll, Risum-Lindholm, St. Peter-Ording, Tating, Tönning, Viöl, Westerland, Witzwort, Wester-Ohrstedt und Wyk auf Föhr“, teilt Petendorf mit.

Grund für den weiteren Ausbau, so der Vodafone-Sprecher, sei der rasant wachsende mobile Datenverkehr in Nordfriesland. Aktuell, so Petendorf, liege die jährliche Steigerungsrate in Nordfriesland bei mehr als 35 Prozent. Heißt: Immer mehr Menschen surfen immer stärker im mobilen Internet.

Doch woran liegt es, dass trotz dieser über die Maßen positiven Zahlen der Netzbetreiber so viele Menschen im Kreis immer wieder das Gefühl haben, keinen oder nur schlechten Empfang zu haben? Das haben wir die Industrie- und Handelskammer (IHK) Flensburg gefragt. 

Und Michael Lohmann, Leiter der IHK-Geschäftsstelle in Nordfriesland, hat dazu einige interessante Antworten geliefert. Dazu nennt er als Erstes das Stichwort Fläche vs. Bevölkerung. 

„Eine sehr hohe Bevölkerungsabdeckung kann mit verbleibenden Lücken in dünn besiedelten Flächen einhergehen.“ Gerade dünn besiedelte Außenbereiche, genau wie Randlagen von Funkzellen, so Lohmann, seien häufig die typischen Orte für schlechtes Netz. Hinzukämen die bereits genannten Faktoren wie Netz-Abschattungen durch Gebäude, Vegetation oder Deiche.

Das sagt der IHK-Experte

Ein gerade für den Tourismus-Standort Nordfriesland mit seinen Leuchtturm-Destinationen Sylt, St. Peter-Ording, sowie Amrum und Föhr wichtiger Faktor sei zudem, dass gerade „in touristischen Spitzenzeiten (sprich in der Hochsaison) die Netzkapazität stärker schwanken kann als in der Nebensaison“, erklärt der IHK-Fachmann.