Folketingswahl 2026

Nur vier Abgeordnete: Kritisch für Nordschleswig

Zwei ältere Männer in getrennten Porträtaufnahmen mit unscharfem Hintergrund
Rainer Naujeck (l.) und Hinrich Jürgensen machen sich Gedanken über das Wahlergebnis.

Wahlergebnis: Warum Vertreter der deutschen Minderheit über den lokalen Einfluss im Folketing besorgt sind. Und mit welcher Regierungsbildung sie rechnen.

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Zusammenfassung

  • Die deutsche Minderheit in Nordschleswig ist besorgt, weil nur vier Abgeordnete den Einzug ins Folketing geschafft haben.
  • Vertreter wie Hinrich Jürgensen und Rainer Naujeck sehen dadurch weniger Einfluss für regionale und minderheitenpolitische Anliegen.
  • Während Naujeck mit einer Minderheitsregierung unter Mette Frederiksen rechnet, plädiert Jürgensen für eine große Koalition der Parteien der politischen Mitte.

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Die Führungsspitze der deutschen Minderheit aus Nordschleswig sieht mit Besorgnis auf das Wahlergebnis vom Dienstag: Nur vier Abgeordnete aus Nordschleswig schafften den Sprung ins Folketing.

„Das ist ein Problem“, sagt Hinrich Jürgensen, Hauptvorsitzender des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Dachverband der deutschen Minderheit. „Es versteht sich von selbst, dass mehr Mandate mehr Einfluss auf Christiansborg geben.“

Früher hätten sich die nordschleswigschen Abgeordneten oft auch über Fragen aus dem Landesteil abgestimmt und diese in ihre jeweiligen Parteien getragen. „Jetzt hast du eine kleinere Gruppe, und die logische Konsequenz ist, dass es schlechter ist“, sagt Jürgensen.

Nur noch drei Parteien

Zudem sind nach dem Ausscheiden von Venstre (Hans Chr. Schmidt) und Radikale Venstre (Lotte Rod) nur noch drei Parteien in Nordschleswig vertreten: die Sozialdemokratie mit Benny Engelbrecht (Sonderburg/Sønderborg) und Jesper Petersen (Hadersleben/Haderslev), die Moderaten mit Henrik Frandsen (Tondern/Tønder) und die Dänische Volkspartei mit Peter Kofod (Hadersleben).

„Wir haben es auch früher im Kontaktausschuss gemerkt: Wenn Leute von weiter weg kommen und keine Verbindung zum Landesteil haben, sinkt das Interesse an der Minderheit und unseren Fragen“, sagt Hinrich Jürgensen.

Problem: Viele kleine Parteien

Rainer Naujeck, Vorsitzender der Schleswigschen Partei, findet es ebenfalls bedauerlich, dass nur vier Kandidaten den Sprung ins Folketing geschafft haben.

„Das ist im Grunde ein schlechtes Ergebnis für Nordschleswig“, sagt Naujeck. Einer der Gründe sei, dass der bürgerliche Block sich auseinanderdividiert hat und aus vielen kleineren Parteien bestehe. Von Venstre bis zur rechten Bürgerpartei erreichen die Parteien nur zwischen 10,1 und 2,1 Prozent der Stimmen.

„Das Regieren wird schwierig“, meint Rainer Naujeck bei der jetzigen Konstellation im Folketing: Alle zwölf Parteien, die angetreten sind, sind im Folketing repräsentiert.

Naujeck glaubt an Frederiksen

„Ich sehe nur die Möglichkeit einer Minderheitsregierung mit Mette Frederiksen an der Spitze“, sagt Naujeck. Wie sich fünf Parteien inhaltlich abstimmen könnten, dafür fehle ihm die Vorstellungskraft.

„Das mag vielleicht lokal in den Kommunen möglich sein, dass von der Einheitsliste bis zur Dänischen Volkspartei eine Einigkeit gefunden werden kann – aber nicht auf nationaler Ebene“, so Rainer Naujeck.

Hinrich Jürgensen glaubt dagegen an eine großen Koalition über die Mitte hinweg: Venstre, Konservative, Moderate, Sozialdemokratie und entweder Volkssozialisten oder Radikale Venstre.

„Dadurch wären die Parteien auf den beiden Flügeln aus dem Spiel“, sagt Jürgensen über seine Wunschkonstellation.