Natur und Umwelt

Künstliche Krähenrufe gegen echte Plage

An einem Baum in einer kahlen Allee ist ein kleines Lautsprechersystem montiert.
Nicht immer kommt der Saatkrähenschrei von einem echten Vogel.

Vogelalarm, Lautsprecher, Jäger – was hilft gegen den Lärm aus den Baumwipfeln? In Tondern setzt die Kommune erneut auf ein Zusammenspiel ungewöhnlicher Maßnahmen, um Saatkrähen zu vertreiben – und macht dabei erste überraschende Erfahrungen. Funktioniert das System diesmal wirklich?

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Zusammenfassung

  • In Tondern testet die Kommune erneut das System „BirdAlert“, das mit künstlichen Krähenpanikrufen Saatkrähen aus einer Parkanlage vertreiben soll.
  • Das Gerät ist Teil einer umfassenden Strategie gegen Lärm und Verschmutzung durch Saatkrähenkolonien, zu der auch Nestzerstörung, regulierter Abschuss von Jungvögeln und die aktive Mithilfe der Anwohnerschaft gehören.
  • Die bisherigen Erfahrungen mit dem nun in der Laurids Rudebecks Allé installierten „BirdAlert“ gelten als sehr vielversprechend, sodass bei anhaltendem Erfolg eine Ausweitung auf weitere betroffene Stadtgebiete geprüft wird.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Ein lauter, schriller Aufschrei zerreißt die Ruhe. Wer entlang der Wiedau durch die städtische Anlage in Tondern (Tønder) spaziert, bleibt unwillkürlich stehen, blickt nach oben, sucht den Baum nach einem aufgeschreckten Vogel ab. Doch dort sitzt keine Saatkrähe, die ihre Artgenossen warnt.

Stattdessen hängt zwischen den Ästen ein Gerät mit Lautsprecher. Und das hat es in sich.

Auf Nachfrage bestätigt Mads Hyuk Jørgensen, Abteilungsleiter Betrieb im Ressort Technik und Umwelt der Kommune Tondern: Es handelt sich um einen sogenannten „BirdAlert“ – ein System, das künstliche Krähenpanikrufe abspielt, um die Tiere gezielt zu vergrämen.

„Das Gerät ist Teil unserer kommunalen Saatkrähenbekämpfung. Der ‚BirdAlert‘ ist erst kürzlich wieder aufgehängt worden“, erklärt er.

Die Saatkrähen werden in Dänemark als Störenfriede in Siedlungen bekämpft. Europaweit ist ihr Bestand bedroht.

Zweiter Anlauf – mit mehr Erfolg?

„Wieder“ ist dabei das entscheidende Wort. Schon vor einigen Jahren hatte die Kommune ein solches Gerät testweise eingesetzt – damals ohne den erhofften Effekt.

Nun wagt sie einen neuen Versuch. Und diesmal scheint der erste Eindruck deutlich positiver zu sein. Die Erfahrungen seien bislang „äußerst vielversprechend“, so Hyuk Jørgensen.

Der Unterschied: Der „BirdAlert“ steht nicht mehr allein.

„Nein“, betont er, „das ist nur ein Teil unserer Gesamtstrategie.“

Viele Maßnahmen, ein Ziel

Denn die Saatkrähen sind in mehreren Stadtgebieten von Tondern ein Problem. Wo sie sich in Kolonien niederlassen, klagen Anwohnerinnen und Anwohner über massiven Lärm und Verschmutzung.

Rechtlich ist die Lage dabei klar – und zugleich kompliziert: Die Saatkrähe steht unter Schutz der EU-Vogelschutzrichtlinie. Eine Jagdzeit gibt es nicht. Dennoch darf der Bestand reguliert werden.

Seit vielen Jahren übernimmt das in Tondern der örtliche Jagdverein. Allerdings unter klaren Vorgaben: Geschossen werden dürfen nur Jungvögel – und auch nur in einer kurzen Phase, wenn sie das Nest verlassen und auf den Zweigen herumhüpfen, aber noch nicht fliegen können.

Parallel dazu setzt die Kommune auf weitere Maßnahmen. Nester werden zerstört, um die Vögel zu vertreiben. Und auch die Anwohnerschaft wird einbezogen.

„Viele beteiligen sich, indem sie laut klatschen oder rufen, um die Krähen zu stören“, berichtet Hyuk Jørgensen.

Den Krähennestern geht es an den Kragen (Archivfoto).

Technik als fehlendes Puzzlestück?

In dieses Maßnahmenbündel fügt sich nun der „BirdAlert“ ein. Die künstlichen Warnrufe sollen den Tieren signalisieren: Dieser Ort ist nicht sicher.

Offenbar mit Wirkung – zumindest bislang.

Aktuell ist ein einziges Gerät in der Laurids Rudebecks Allé installiert. Sollte sich der positive Eindruck bestätigen, könnte das System ausgeweitet werden.

„Dann werden wir prüfen, ob wir weitere Geräte in betroffenen Stadtgebieten aufhängen“, sagt Hyuk Jørgensen.

Zwischen Natur und Nachbarschaft

Der Konflikt bleibt ein Balanceakt: Auf der einen Seite geschützte Tiere, auf der anderen Seite Menschen, die unter den Folgen großer Kolonien leiden.

Der „BirdAlert“ ist dabei mehr als nur ein technisches Hilfsmittel. Er steht sinnbildlich für den Versuch, mit möglichst vielen kleinen Stellschrauben ein großes Problem in den Griff zu bekommen.