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Buchstabensalat bei der Folketingswahl: Warum die Einheitsliste ein Ø hat und die Sozialdemokratie ein A

Reihe von Wahlplakaten mehrerer Kandidierender vor Geschäften am Brønshøj Torv.
A und B: Wahlplakate der Sozialdemokratie und der Radikalen Venstre hängen vor der Folketingswahl an einem Zaun.

Wahlplakate und Stimmzettel: Warum Parteien Buchstaben nutzen, die nicht zum Parteinamen passen. Historische Gründe prägen die Vergabe seit 1909. Ein Blick auf die Bedeutung und Ausnahmen.

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Zusammenfassung

  • Bei dänischen Wahlen erhalten Parteien eigene Listenbuchstaben, die oft nicht mit den gängigen Abkürzungen übereinstimmen.
  • Die Buchstaben gehen historisch auf eine Regelung von 1909 zurück und werden heute vom Innenministerium nach festen Kriterien vergeben.
  • Nicht alle Buchstaben sind nutzbar, weil einige reserviert oder leicht zu verwechseln sind, was der Klarheit und Auszählung dient.

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Wer die politische Berichterstattung im Land aufmerksam verfolgt, der liest häufig die Abkürzungen für die verschiedenen Parteien. So findet man hinter dem Namen von Staatsministerin Mette Frederiksen von der Sozialdemokratie oft ein „S“ in Klammern, bei der Einheitsliste ein „EL“ oder bei den Dänemarkdemokraten ein „DD“. 

Die amtierende Regierung wird SVM-Regierung genannt – Sozialdemokratie-Venstre-Moderate. Das erscheint so weit logisch.

Wahlplakat der Radikale Venstre für Marianne Mortensen an einem Baum auf einer Straße in Kopenhagen.
Auf einem Plakat zur Folketingswahl steht bei der Partei Radikale Venstre ein großes „B“. Es ist seit jeher der Listenbuchstabe der RV.

Mittlerweile hängen die Wahlplakate, und blickt man als Wählerin oder Wähler spätestens am 24. März auf den Stimmzettel, wird es verwirrend. Dort steht neben Sozialdemokratie dann nämlich plötzlich ein A, bei den Radikalen ein B und bei der Dänischen Volkspartei ein O.

A, B und C standen einmal für die Größe

Warum ist das so? Um diese Listenbuchstabenbezeichnungen zu verstehen, muss man mehr als 100 Jahre zurückgehen. Im Jahr 1909 wurden bei einer Kommunalwahl in Kopenhagen den Parteien Sozialdemokratie, Radikale Venstre und Konservativen (damals Højre) die Buchstaben A, B und C zugeteilt. Dies geschah aufgrund der Größe der Parteien in der Bürgerschaft Kopenhagens. Als größte Partei erhielt die Sozialdemokratie folglich das A.

Heute vergibt das Innen- und Gesundheitsministerium die Listenbuchstaben. In der Regel behalten die etablierten Parteien ihren Buchstaben bei. Eine Ausnahme ist Venstre, die bis 1971 mit dem Buchstaben D versehen wurden, dann aber die Listenbezeichnung in V ändern ließen. 

Warum manche Buchstaben zur Partei passen

Eine neue Partei kann im Prinzip keinen Einfluss auf die Vergabe eines Buchstabens nehmen, allerdings dürfen Wünsche geäußert werden. Bei der Entscheidung wird ebenfalls geprüft, ob eine frühere Partei den Buchstaben bereits genutzt hat. Dabei wird darauf geachtet, wie lange die letzte Teilnahme an einer Wahl bereits her ist. 

Der Grund: Das Ministerium möchte Missverständnissen am Wahltag und bei der Briefwahl vorbeugen. Die Regelungen für die Buchstabenvergabe finden sich im Paragrafen 14 des Folketingswahlgesetzes. 

Parteien können sich also theoretisch einen nahezu beliebigen Listenbuchstaben wünschen, der dann bei Genehmigung durch das Ministerium auf den Stimmzetteln für die Folketingswahl und die Wahl zum Europaparlament zu finden ist. 

Dass es mit dem Wunschbuchstaben klappt, erklärt auch, warum die Bezeichnungen bei manchen Parteien Sinn ergeben – etwa bei M wie Moderate oder F wie in Sozialistische Volkspartei (Socialistisk Folkeparti).

Die Dänische Volkspartei wählte damals den Buchstaben O, den eine der Gründerinnen, Pia Kjærsgaard, seither mit Optimismus, Ordnung und Organisation verbindet.

Einige Buchstaben werden nicht vergeben

Es sind jedoch nicht alle Buchstaben möglich. Das „S“ ist beispielsweise der Schleswigschen Partei (SP) vorbehalten, auch wenn sie seit Jahrzehnten nicht mehr zur Folketingswahl angetreten ist. Die Partei der deutschen Minderheit könnte jedoch jederzeit wieder aufstellungsberechtigt werden, weshalb der Buchstabe reserviert bleibt. 

Auch die Buchstaben L und T sind nicht frei, weil diese den Lokallisten bei Kommunal- und Regionalwahlen vorbehalten sind. Der Buchstabe W wird wegen der Verwechslungsgefahr mit V (Venstre) nicht vergeben und das X könnte auf dem Wahlzettel mit einem gesetzten Kreuz verwechselt werden. 

Vereinfachte Auszählung

Am Ende dienen die Listenbuchstaben auch dazu, die Auszählung der Stimmen zu vereinfachen. So können Tabellen und Berechnungen einfacher aufgestellt werden, wenn nur ein Buchstabe benutzt werden muss. Die Parteibezeichnungen sind in Dänemark hingegen nicht einheitlich geregelt. So wird die Radikale Venstre etwa als R, RV, DRV oder Rad. abgekürzt, die Sozialdemokratie nicht nur als S, sondern wie beim „Nordschleswiger“ als „Soz.“, um eine Verwechslung mit der Schleswigschen Partei auszuschließen.