Sonderausstellung

Wie Thomas Kluge Macht malt und weshalb er bei seinen Porträts keine Eitelkeiten bedient

Maler Thomas Kluge vor dem Wandgemälde, das seit 2014 im Museum Schloss Sonderburg hängt. Für seine Porträt-Ausstellung ist der Maler nun nach Sonderburg zurückgekehrt.

In der Ausstellung „Magtens maler – Thomas Kluges portrætkunst“ auf Schloss Sonderburg zeigt Thomas Kluge, wie er Machtmenschen wie Reeder Mærsk Mc-Kinney Møller ohne schmeichelnde Glättung porträtiert – und warum das Grenzland für ihn ein Ort ist, an dem das Dänischsein besonders deutlich hervortritt.

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Zusammenfassung

  • Eine Sonderausstellung in Schloss Sonderburg zeigt Porträts des dänischen Malers Thomas Kluge.
  • Gezeigt werden hyperrealistische Bilder einflussreicher Däninnen und Dänen der vergangenen 50 Jahre.
  • Alle Porträts der Königsfamilie von Kluge sind vereint, drei davon erstmals öffentlich zu sehen.

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Auf Schloss Sonderburg hängt in diesen Monaten die Macht an der Wand – in Öl und Acryl. Das „Museum Sønderjylland“ zeigt in der Sonderausstellung „Magtens maler – Thomas Kluges portrætkunst“ Porträts von Menschen, die Dänemark in den vergangenen Jahrzehnten geprägt haben. Von der Königin bis zum Konzernchef.

Die Bilder sind in fünf Gruppen nach der gesellschaftlichen Stellung der Porträtierten gehängt – von Königshaus über Wirtschaftsleben, Kirche, Politik und Kultur. 

Ich gebe mir große Mühe, mich mit dem Menschen zu identifizieren, den ich male.

Thomas Kluge

Im Raum „Königshaus“ zeigt das Museum die royale Familie in zwei Extremen: „Wir zeigen die Königlichen in maximaler Gala und in sehr privaten Bildern. Wir sehen sie nicht dort, wo die meisten Menschen ihnen im Alltag begegnen, sondern in maximaler Königlichkeit oder maximaler Privatheit“, sagt Carsten Porskrog Rasmussen, Einheitsleiter für Geschichte und Museumsinspektor.

Museumsinspektor Carsten Porskrog Rasmussen sagt über die Porträts der Königlichen: „Wir sehen sie nicht dort, wo die meisten Menschen ihnen im Alltag begegnen, sondern in maximaler Königlichkeit oder maximaler Privatheit.“

Wie der 57-jährige Maler der Mächtigen arbeitet, zeigt sich in den Geschichten hinter den Porträts. „Die Fotografie war längst erfunden, und ich fragte mich, warum ich male, statt zu fotografieren, wenn ich doch von etwas angezogen bin, das wie Realismus wirkt. Ich war von der Vertiefung fasziniert: davon, weiter an Dingen zu arbeiten und Dinge zu sehen, die man im Foto nicht sehen kann“, erzählt Thomas Kluge beim Rundgang durch die Ausstellung.

Mærsk Mc-Kinney Møller mochte sein Porträt nicht

Ein Beispiel ist seine Arbeit am Porträt des Reeders Mærsk Mc-Kinney Møller im Wirtschaftsraum. „Er kam zu mir und sagte als Erstes: ‚Sie dürfen mich duzen, aber ich sieze Sie‘“, erzählt Kluge. Dann zeigte Møller auf das Bild von Kluges Großmutter und sagte: „Ich möchte gerne so gemalt werden wie diese Dame. Das ist ein sehr schönes Bild.“ Kluge antwortet: „Aber Sie sind nicht meine Großmutter, Sie sind Herr Møller.“

Über das Porträt von Mærsk Mc-Kinney Møller sagt Thomas Kluge: „Wenn ich nachgegeben hätte, wäre ein Bild entstanden, das heute nicht hier hängen würde. Dann hätte ich seine Eitelkeit gemalt und nicht ihn.“

Aus dieser Distanz formt der Maler sein Bild: „Dieses ‚Sie‘ schuf eine Distanz zwischen uns, und ich konnte nicht das Bild malen, das er haben wollte“, sagt Kluge.

Mc-Kinney Møller sei damals verärgert über das finale Ergebnis gewesen. Über ein Porträt, das einen harten Geschäftsmann zeigt und nicht den gütigen, freundlichen Menschen, den der Konzernchef gerne gesehen hätte.

Auch in den Händen des Malers liegt Macht

Erst später habe ihm der Konzernchef mitgeteilt, dass er sich mit dem Bild ausgesöhnt hätte. „Als er mich am Rande einer Veranstaltung sprechen wollte, sagte er: Es hätte ihn im Grunde doch ganz gut widergegeben“, so Thomas Kluge. 

Für Museumsinspektor Rasmussen passen diese Geschichte und das Mærsk-Porträt gut zum Ausstellungstitel: „Es geht eben nicht nur um Bilder mächtiger Menschen, sondern auch darum, dass man sich in die Hände des Künstlers begibt, wenn man sich von ihm interpretieren lässt“, sagt er.

Thomas Kluge vor seinem Handelskammer-Bild, das 2024 aus der brennenden „Børsen“ gerettet wurde. Es ist seine inszenierte Antwort auf P.S. Krøyers „Børsens mænd“.

Auch das Grenzland fließt in Kluges Arbeit ein. Bereits seit 2014 hängt ein Wandgemälde von Kluge permanent im Museum. Es zeigt einen jungen Soldaten von 1864 in vier Positionen vor den Düppeler Schanzen. 

Damals hat sich Kluge intensiv mit dem Grenzland auseinandergesetzt. „Ich erlebe, dass das Grenzland ein interessanter Ort ist, an dem das Dänischsein besonders dänisch wirkt – etwas, das man vielleicht in anderen Teilen des Landes eher für selbstverständlich hält“, sagt Kluge über Nordschleswig.

In seinem großen 1864-Gemälde verzichtet der Maler bewusst auf eine scheinbar authentische Schlachtszene: „Ich dachte, ich kann kein Bild so tun, als wäre ich bei diesem Krieg gewesen. Ich habe gewählt, dass es eine Art Bühnenstück sein soll und kein authentischer Augenblick“, sagt er.

Im Bild setzt Kluge die Grenzgeschichte bis zur Wiedervereinigung fort – mit leerem deutschem Stuhl, ungenutztem Gewehr und einem Dannebrog, der wieder weht. 

Thomas Kluge fasziniert an seiner Arbeit vor allem die psychologische Dimension. Er sagt: „Ich bin sehr von der Psychologie der Menschen fasziniert.“ Wenn er porträtiert, versucht er, sich in seine Modelle hineinzuversetzen: „Ich gebe mir große Mühe, mich mit dem Menschen zu identifizieren, den ich male.“ Diese Haltung prägt auch seine Geschichtsbilder, in denen er Figuren wie den erschöpften Soldaten aus dem Jahr 1864 nicht nur als historische Rollen, sondern als Ausdruck psychischer Zustände darstellt.

Ausstellung bis zum 6. September auf Schloss Sonderburg

Die Porträts von „Magtens maler – Thomas Kluges portrætkunst“ spannen einen Bogen von der Königin ohne Makeup im Strickpullover bis zum Reeder im Anzug, vom Bischof ohne Ordenskreuz bis zum Soldaten im kurzen Aufenthalt zwischen zwei Einsätzen. Die Ausstellung läuft vom 21. März bis zum 6. September auf Schloss Sonderburg.

Thomas Kluge ist für das Gemälde „Kort ophold“ im Jugoslawien-Krieg zu den dänischen UN-Einsatzkräften gereist. Das Bild handle davon, dass Dänemark aus dem Schatten von 1864 heraustrete und aktiv an internationalen Operationen teilnehme. Der Titel spiele mit der Frage, ob es ein kurzer Aufenthalt im Krieg, im Frieden, in der Geschichte oder im Leben des Soldaten sei.