Folketingswahl 2026

Analyse: Der Wahlabend wird spannender als der Wahlkampf

Debatte der Vorsitzenden der zwölf Parteien bei „DR“ am Sonntagabend

Die Umfragen stehen still, die wahlentscheidenden Themen fehlen. Damit hat Mette Frederiksen die besten Karten auf der Hand, erneut Staatsministerin zu werden, so die Einschätzung des Hauptstadtkorrespondenten Walter Turnowsky. Es könnte sogar noch für eine rote Mehrheit reichen. 

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Zusammenfassung

  • Die Umfragen bewegen sich seit Wochen kaum. Es zeichnet sich keine klare Mehrheit ab.
  • Damit ist die Sozialdemokratin Mette Frederiksen Favoritin für eine dritte Amtszeit, lautet die Analyse von Walter Turnowsky
  • Lars Løkkes Moderate könnten das Zünglein an der Waage werden. 

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Es ist ein eigenartiger Wahlkampf, der sich seinem Ende zuneigt.

Die Umfragen stehen still, seit Mette Frederiksen am 26. Februar die Wahl ausgeschrieben hat. Am Tag vor der Wahl ist weiterhin keine klare Regierungsmehrheit zu erkennen.

Der Kontrast im Vergleich zur Wahl vor dreieinhalb Jahren könnte nicht größer sein. Lars Løkke Rasmussens Moderate schossen während ihres ersten Wahlkampfs in die Höhe. Auch Mette Frederiksens Sozialdemokratie konnte deutlich zulegen. Die Konservativen stürzten dagegen ab.

Trinkwasser und Schweinezucht

Ein Grund für den Stillstand in den vergangenen drei Wochen ist, dass keine Partei das wirklich zündende Thema gefunden hat. Nicht, dass es an Themen gefehlt hat, im Gegenteil. Aber das eine oder die zwei Themen, die die Wahl entscheiden könnten, haben gefehlt. 

Es wird also nicht nur die Wahlnacht spannend, sondern ebenfalls die Zeit danach.

Walter Turnowsky

Am ehesten sind es noch die Fragen zum Trinkwasserschutz und der Schweinezucht, die den zweiten Teil des Wahlkampfes geprägt haben. Es waren die drei linken Parteien sowie Radikale Venstre, die die Themen eingebracht haben.

Mette Frederiksen hat sie jedoch blitzschnell aufgegriffen, in der Hoffnung, dass ihr der Schachzug Rückenwind verschaffen könnte. Die Sozialdemokratie dürfte dabei wohl auch auf eine Umfrage geschielt haben, die zeigt, dass Umwelt und Klima bei den Wählerinnen und Wählern an erster Stelle stehen.

Schlechte Chancen für Venstre

Doch selbst damit konnte sie nicht punkten. Und dennoch steht sie deutlich besser da als ihr Herausforderer, Venstre-Chef Troels Lund Poulsen. Der rote Block liegt in den Umfragen vor dem blauen, auch wenn es bislang nicht für eine Mehrheit reicht. 

Obwohl die amtierende Staatsministerin somit die absolute Favoritin für eine dritte Amtszeit ist, wird es ein spannender Wahlabend. Eine rote Mehrheit ist nämlich weiterhin im Bereich des Möglichen. 

Das würde die Ausgangslage für kommende Regierungsverhandlungen entscheidend ändern. Frederiksen könnte sich frei entscheiden, ob sie sich auf die linke Seite stützt oder eine erneute breite Regierung über die Mitte hinweg anstrebt. Damit wäre sie in einer starken Verhandlungssituation. 

Bekommt Løkke die entscheidenden Mandate?

Bewahrheiten sich dagegen die Umfragen, wäre das für Lars Løkke Rasmussen das Traumszenario. Die Moderaten wären das Zünglein an der Waage und könnten Forderungen stellen. 

In diesem Punkt kann sich der Wahlabend dann doch dem am 31. Oktober 2022 ähneln. Damals wurde abwechselnd bei den Wahlfesten der Moderaten und der Sozialdemokratie gejubelt. Erst in der tiefen Nacht stand fest, dass es eine knappe rote Mehrheit gab.

Frederiksen entschied sich dann bekanntlich trotzdem für die breite Regierung. Diesmal hat sie beide Optionen offen gelassen.

Es wird also nicht nur die Wahlnacht spannend, sondern ebenfalls die Zeit danach. Die sozialdemokratische Vorsitzende hat zwar die besten Chancen, erneut Staatsministerin zu werden. Doch bleibt offen, mit wem sie gegebenenfalls regieren wird.