Deutsche Minderheit

Andreas Geuss: Politthriller über KI und Kontrolle – mit Journalistin aus der Minderheit

Andreas Geuss hat soeben das erste Buch einer Thrillerreihe veröffentlicht. Darin delegiert Europa Verantwortung an ein System, das eigenen Regeln folgt.

Europa im Krisenmodus, Künstliche Intelligenz mit wachsender Macht und mittendrin eine Journalistin aus der deutschen Minderheit: Andreas Geuss aus Fjelstrup legt mit „Das Europa-Protokoll“ seinen ersten Politthriller vor. Der zweite Band folgt alsbald.

Veröffentlicht

Zusammenfassung

  • Der in Fjelstrup lebende Autor und IT-Experte Andreas Geuss veröffentlicht mit „Das Europa-Protokoll“ einen Politthriller über ein Europa im Krisenmodus.
  • Im Roman überträgt die politische Führung weitreichende Entscheidungen an eine KI und ein nicht gewähltes Managerdirektorat, wodurch Fragen nach Kontrolle und Verantwortung aufgeworfen werden.
  • Geuss betont, dass nicht die Technik selbst, sondern die freiwillige Abgabe von Verantwortung durch Menschen die eigentliche Gefahr darstellt, und verankert die Handlung auch lokal mit einer an die Minderheitenjournalistin Frauke Giebner angelehnten Figur.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Andreas Geuss lebt mit seiner Frau Gitte seit zweieinhalb Jahren in Fjelstrup, zwischen Christiansfeld und Hadersleben (Haderslev), engagiert sich in der deutschen Minderheit und hat in Nordschleswig längst Spuren hinterlassen – politisch, ehrenamtlich und als Begründer des deutsch-dänischen Stammtisches. 

Jetzt legt er einen Thriller vor, den ersten Band einer Reihe – und darin geht es ans politisch Eingemachte: Was passiert, wenn Systeme Entscheidungen übernehmen – und Menschen freiwillig Verantwortung abgeben?

KI am Kipppunkt

„Das Europa-Protokoll“ erschien am 24. Februar. Ausgerechnet an diesem Tag beginnt auch die Handlung des Politthrillers – vier Jahre nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine.

In Geuss’ Szenario gerät Europa massiv unter Druck. Die politische Führung überträgt einer künstlichen Intelligenz weitreichende Kompetenzen. Gleichzeitig formiert sich ein Direktorat aus Managern, das Macht ausübt, ohne gewählt zu sein. Geuss erzählt keinen Technikkrimi, sondern einen Politthriller über ein Europa im Ausnahmezustand. Seine Schlüsselfrage lautet: Wie viel Kontrolle bleibt, wenn Effizienz wichtiger wird als Mitbestimmung?

Die eigentliche Gefahr sei nicht die Technik, sondern die menschliche Bereitschaft, Verantwortung abzugeben, sagt er. Mit seiner Themenwahl trifft der Wahl-Däne einen Nerv. Denn Fragen wie diese stellen sich nicht nur in der Politik.

Andreas Geuss arbeitet bereits am Manuskript für Band 2 seines Politthrillers, der im Herbst 2026 erscheinen soll. Schreiben ist Knochenarbeit: Auf sein erstes Manuskript habe er über 640 Kommentare von seiner Lektorin bekommen, wie er verrät.

Hightech als Heimhilfe

Im Interview landet das Gespräch schnell bei konkreten Beispielen. In der Kommune Hadersleben (Haderslev) laufen seit Jahren Projekte, die Altenpflege zu digitalisieren: Hightech als Heimhilfe, sozusagen. Der Fachkräftemangel verstärkt den Trend. Genau an solchen Stellen setzt Geuss an, wenn er fragt: Wo hilft Technik – und ab wann verdrängt sie menschliche Urteilskraft und damit die Verantwortung im Großen wie im Kleinen?

Dass Geuss aus diesem Themenspektrum einen Politthriller macht, kommt nicht von ungefähr. Der 1958 geborene Autor arbeitete früher als IT-Experte für die Nato und später für Softwareunternehmen. Er schreibt also nicht aus der Distanz, sondern aus beruflicher Erfahrung an der Schnittstelle von Technologie und Verantwortung.

Der Autor kam 2023 mit seiner Frau Gitte von Deutschland nach Dänemark und lebt seitdem in dem Dorf Fjelstrup zwischen Hadersleben und Christiansfeld.

Von Nordschleswig nach Kopenhagen

Einen lokalen Anker setzt der Autor in seine Personengalerie. Seine Hauptfigur, die Journalistin Elin Holm, trägt Züge eines realen Vorbilds: das der Journalistin Frauke Giebner aus der deutschen Minderheit, die heute für die dänische Tageszeitung „Politiken“ arbeitet.

„Kennengelernt habe ich sie auf der Neujahrstagung in Sankelmark“, sagt Geuss. Im Buch schaut seine Elin Holm hinter die Kulissen des Direktorats.

Die internationale Politik liegt Geuss am Herzen: „Ich lese täglich internationale Zeitungen – und danach auch gleich den ,Nordschleswiger’“, verrät er augenzwinkernd. In den Medien hat er auch den Satz eines polnischen Politikers zum Kriegsschauplatz Europa aufgeschnappt, den er in seinem Werk verewigt.

Gitte Geuss ist es gewohnt, dass ihr Mann stets viele Eisen im Feuer hat.

Am Anfang steht ein Satz

„Das Europa-Protokoll“

  • Autor: Andreas Geuss
  • Genre: Politthriller
  • Erscheinung: 24. Februar, 

    Vigilia Verlag, 392 Seiten

  • Thema: Kontrolle, Verantwortung und die Frage, wie viele Entscheidungen Menschen an Systeme abgeben
  • Erhältlich im Buchhandel und in den deutschen Büchereien in Nordschleswig

„Es ist erstaunlich, dass 500 Millionen Europäer 300 Millionen Amerikaner darum bitten, sie vor 140 Millionen Russen zu verteidigen, die es nicht schaffen, 45 Millionen Ukrainer zu besiegen.“ – „Für mich war dieser Satz eines polnischen Politikers auch ein Auslöser, das Buch zu schreiben.“

„Mein Buch wird schon jetzt fast täglich von der Wirklichkeit ein- und überholt“, sagt der Autor.

In seiner Fiktion beschreibt Geuss eine Entwicklung, die längst Tatsache ist: „Täglich überholt die Wirklichkeit mein Buch“, sagt Geuss. „Dabei ist die eigentliche Gefahr gar nicht die KI. Die Gefahr besteht darin, dass Menschen Verantwortung abgeben – und das auch noch aus freien Stücken. Genau dort setzt „Das Europa-Protokoll“ an.