Tourismus

Wohnmobilplatz in Hoyer: Trotz Kritik geht Planung für 110 Stellplätze weiter

Backsteingebäude mit rotem Dach an einer Straße bei sonnigem Wetter
Im ehemaligen Wohnhaus der Familie Carstensen sind die Handwerkerinnen und Handwerker bereits fleißg. Hier werden Ferienwohnungen eingerichtet.

Aufbruch oder Ärger vor der Haustür? Während die einen auf mehr Gäste und Umsatz hoffen, fürchten andere Lärm, Verkehr und Eingriffe in die Natur. Die Kommune treibt das Projekt weiter voran, ohne die zentralen Streitpunkte bisher zu klären.

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Zusammenfassung

  • In Hoyer treibt die Kommune trotz Kritik die Planung eines großen Wohnmobilplatzes mit rund 110 Stellplätzen voran.
  • Anwohner, Vereine und Unternehmen sind gespalten zwischen Hoffnungen auf mehr Tourismus und Sorgen über Lärm, Verkehr und Naturbelastung.
  • Der Schützenverein fordert Klärung möglicher Lärmschutzkosten, während die endgültige politische Entscheidung zum Projekt noch aussteht.

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Die Pläne für einen Wohnmobilplatz in Hoyer (Højer) nehmen weiter Gestalt an. Der Ausschuss für Technik, Umwelt und Klima der Kommune Tondern (Tønder) hat beschlossen, die Planungen für das Gebiet am Slusevej 1 voranzutreiben – trotz einiger kritischer Stimmen aus der öffentlichen Anhörung.

Insgesamt 16 Eingaben waren im Zuge der Anhörung eingegangen. Sie kamen von Behörden, Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen und Unternehmen – und fielen unterschiedlich aus. Während einige sich von dem Projekt neue Impulse für Tourismus und Wirtschaft versprechen, äußerten andere deutliche Bedenken, etwa hinsichtlich Lärm, Verkehr, Natur und möglicher Wertverluste von Immobilien.

Projekt mit über 100 Stellplätzen geplant

Konkret geht es um eine vergleichsweise große Anlage: Nach Angaben des Investors sind rund 110 Stellplätze für Wohnmobile vorgesehen. Damit würde der Standort zu den größeren Anlagen in der Region zählen.

Geplant ist zudem, das bestehende Hofensemble teilweise zu erhalten und umzunutzen. Das frühere Wohnhaus soll saniert und künftig als Ferienwohnungen vermietet werden. Auch bestehende Gebäude sollen teilweise integriert werden, während andere bereits entfernt wurden.

Luftbild mit eingezeichnetem Plan eines Autocamperplatzes mit Wegen und Stellplätzen in Hoyer.
Visualisierung der neuen Autocamperanlage am Slusevej in Hoyer, die rund 110 Stellplätze in Marschlage vorsieht.

Schützenverein signalisiert Dialogbereitschaft

Der Schützenverein Hoyer von 1856 hat sich als „Nachbar“ an der öffentlichen Anhörung beteiligt. Dessen Vorsitzender, korrekterweise Ältermann, Ernst Iwer Bossen, stellt klar, dass der Verein grundsätzlich offen für Gespräche ist: „Wir als Vorstand wollten mit unserer Eingabe eigentlich nur unsere Bereitschaft zum Dialog signalisieren. Wenn sie also etwas von uns wollen, dann sollen sie zu uns kommen – nicht umgekehrt“, formuliert es Bossen unmissverständlich.

Gleichzeitig zieht der Verein eine klare Grenze bei möglichen Folgen des Projekts: „Wir wollten aber auch unterstreichen, dass wir nicht bereit sind, eventuelle finanzielle Lasten zu tragen.“

Sorge vor Folgekosten durch Lärmschutz

Ein konkreter Punkt ist die unmittelbare Nachbarschaft des Vereinshauses zum Grundstück Slusevej 1. Hier sieht der Verein mögliches Konfliktpotenzial: „Unsere Schießanlage liegt quasi direkt neben dem geplanten Wohnmobilplatz. Sollte zum Beispiel eine Lärmschutzwand gebaut werden müssen, dann müsste diese die Kommune oder der Antragsteller selbst finanzieren. An solchen Kosten wollen wir uns auf keinen Fall beteiligen“, betont Bossen.

Damit spricht er eine Frage an, die im weiteren Verfahren noch an Bedeutung gewinnen dürfte: Wie lassen sich bestehende Nutzungen und neue touristische Angebote miteinander vereinbaren?

Die rote Fläche zeigt den Stellplatz-Standort.

Zwischen Tourismus und Anwohnerinteressen

Die Kommune sieht in dem Projekt vor allem Chancen: Wohnmobiltouristinnen und -touristen könnten zusätzliche Kaufkraft in den Ort bringen und bestehende Angebote stärken. Die Lage nahe der Wiedauschleuse und der Marschenlandschaft gilt dabei als besonders attraktiv.

Demgegenüber stehen die Sorgen von Anwohnerinnen und Anwohnern, unter anderem die Hausbesitzer in direkter Nachbarschaft Richtung Marktplatz, den Plänen kritisch gegenüber. Der Wohnmobilplatz grenzt direkt an ihre Gärten. In den Eingaben wurden unter anderem mehr Verkehr, Licht- und Lärmbelastung sowie Eingriffe in Natur und Landschaft befürchtet. Auch wurde infrage gestellt, ob überhaupt Bedarf für einen weiteren Stellplatz besteht. Dieser Einspruch kam vom Campingplatz in Emmerleff (Emmerlev).

Auch Pia de Place, Besitzerin und Betreiberin des Restaurants Slusen Højer bei der Wiedauschleuse, fürchtet finanzielle Einbußen. Ein nicht unwesentlicher Teil ihres Umsatzes machten die Feriengäste in Wohnmobilen aus, die auf dem Parkplatz bei der Schleuse Halt machen. Deswegen sei es für sie sehr wichtig, dass dort nicht Stellplätze für Camper gestrichen werden, weil am Slusevej ein neuer Platz eingerichtet wird. Sie lehne das Projekt nicht ab, solange es nicht Änderungen auf dem Schleusen-Parkplatz mit sich zieht.

Mehrere Wohnmobile stehen bei Sonnenuntergang auf einer weiten Wiese.
Die Betreiberin des Restaurants „Slusen Højer“ hofft, dass die Anzahl der Wohnmobilstellplätze an der Wiedauschleuse nicht reduziert wird, obwohl im Ort ein großer Wohnmobilplatz entsteht.

Planung läuft – Entscheidung noch offen

Mit dem aktuellen Beschluss ist noch keine endgültige Entscheidung für das Projekt gefallen. Die Verwaltung wird nun weiter Zeit und Ressourcen in die Ausarbeitung der Planungsgrundlagen investieren und die notwendigen Untersuchungen durchführen.

Erst danach wird die Politik entscheiden, ob und in welcher Form der Wohnmobilplatz tatsächlich umgesetzt wird.