Folketingswahl

Søren Espersen verlässt die Politik: „Ich bin stolz auf unser Grenzland“

Søren Espersen während einer Sitzung im Folketingssaal.

Der nationalkonservative Politiker tritt bei der Wahl nicht erneut an. 20 Jahre lang hat er sich im Folketing für die deutsche Minderheit eingesetzt. Bei der Diskussion um das Flaggengesetz machte er sich für eine Ausnahme für die Volksgruppe stark. 

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Zusammenfassung

  • Søren Espersen beendet nach 20 Jahren im Folketing seine politische Laufbahn und räumt sein Büro in Christiansborg.
  • Er galt als wichtiger Unterstützer der deutschen Minderheit, etwa beim Flaggengesetz, das ihr das Hissen der deutschen Flagge ermöglicht.
  • Trotz politischer Differenzen betont der nationalkonservative Politiker das gute Verhältnis zur Minderheit und zeigt sich optimistisch für die Zukunft des Grenzlandes.

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In der vergangenen Woche hat Søren Espersen von den Dänemarkdemokraten (DD) sein Büro auf Christiansborg ausgeräumt. 

Er wird den Arbeitsplatz künftig nicht mehr brauchen, denn bei der Wahl am 24. März tritt der 72-Jährige nicht erneut an. Damit geht der Minderheit ein Unterstützer im Folketing verloren.

„Die Zusammenarbeit mit Søren war immer sehr positiv“, sagt Hinrich Jürgensen, Hauptvorsitzender des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN). 

Espersen sieht Grenzland als Vorbild

Der nationalkonservative Politiker erklärt sein langjähriges Engagement für die deutsche wie die dänische Minderheit mit dem Vorbildcharakter des Grenzlandes.

„Ich bin begeistert von dieser fantastischen Zusammenarbeit zwischen den Minderheiten und der Mehrheit in der Region. Menschen aus ganz Europa kommen, um das zu sehen. Ich bin stolz auf unser Grenzland“, sagt er im Interview mit dem „Nordschleswiger“.

Søren Espersen hat sein Büro geräumt. Zwischenzeitlich werden dort Möbel aufbewahrt.

Espersen wurde 2005 erstmals ins Folketing gewählt, damals für die Dänische Volkspartei (DF). Gleich von Anfang an bekam er engen Kontakt zum damaligen Leiter des Kopenhagener BDN-Sekretariats, Siegfried Matlok.

„Mit ihm hatte ich viele gute Gespräche“, sagt er.

Fester Gast beim Neujahrsempfang

2011 wurde Espersen dann auch Mitglied des damaligen Kontaktausschusses beim Kulturministerium. Neben der eigentlichen politischen Arbeit suchte er auch die sozialen Kontakte zur Minderheit.

„Beim jährlichen Neujahrsempfang im Sekretariat in Kopenhagen hat er zu den treuen Gästen gezählt“, sagt BDN-Chef Jürgensen. 

Unterstützung beim Flaggengesetz

Die Unterstützung des Dänemarkdemokraten wurde besonders zentral, als die Regierung 2024 einen Gesetzesantrag zu einem Flaggengesetz einbrachte. Es sollte sichergestellt werden, dass nur der Dannebrog und die nordischen Fahnen gehisst werden dürfen.

Espersen setzte sich mit Erfolg dafür ein, dass die Volksgruppe auch die deutsche Flagge hissen darf. Vom Rednerpult des Folketingssaals argumentierte er, dass sie die einzige nationale Minderheit in Dänemark sei.

„Seit tausend Jahren gibt es Deutsche nördlich der heutigen Grenze, so wie es Däninnen und Dänen südlich von ihr gibt“, vertieft er seine Aussage von damals.

Mit seiner Position geriet er in Konflikt mit seiner ehemaligen Partei, der Dänischen Volkspartei. Ihr Vertreter, Peter Kofod, sprach sich gegen eine Sonderregelung für die Minderheit aus. 

Für mich ist es vollkommen logisch, das friedliche Zusammenleben zu würdigen, indem wir der Minderheit erlauben, die deutsche Flagge zu hissen.

Søren Espersen

Für Espersen ist die Ausnahme eine Lehre aus der Geschichte. Während des Zweiten Weltkriegs hätten sich die Konflikte zwischen der Deutschen Minderheit und der dänischen Mehrheit dramatisch verschärft. Doch mit den Bonn-Kopenhagener Erklärungen aus dem Jahr 1955 sei eine friedliche Entwicklung eingeleitet worden.

„Beide Seiten hatten den Willen, das zu ändern, und haben es geändert. Für mich ist es vollkommen logisch, das friedliche Zusammenleben zu würdigen, indem wir der Minderheit erlauben, die deutsche Flagge zu hissen.“

Der Traum von der Eidergrenze

Espersen selbst hat während seiner politischen Laufbahn auch schon mal für Furore in der Grenzfrage gesorgt. In einem Interview mit Siegfried Matlok auf „DK4“ sagte er, er habe „die Hoffnung und den Traum auf ein Dänemark bis zur Eider“. Die dänische Minderheit distanzierte sich von seiner Aussage.

„Das ist eher eine Utopie, die ich habe. Aber das ändert nichts an meiner Freude über die friedliche Situation im Grenzland, die wir heute erleben.“

Gute Beziehung trotz politischer Differenzen

Auch mit der deutschen Minderheit gibt es politische Differenzen. So liegen der BDN und der ehemalige DF-Politiker und heutige Dänemarkdemokrat in Fragen der Grenzkontrollen, der Europapolitik sowie der Ausländerpolitik weit auseinander.

„Die unterschiedlichen Positionen tun der guten Stimmung keinen Abbruch“, sagt Søren Espersen.

„Wir konnten die Diskussionen immer in einem guten Ton austragen“, bestätigt auch Hinrich Jürgensen. 

Espersen von zukünftiger guter Zusammenarbeit überzeugt

Diese Diskussionen werden die beiden zukünftig nicht mehr austragen – zumindest nicht im bisherigen Rahmen. Der BDN bekommt einen neuen Vorsitz. Und eine andere Person wird zukünftig die Dänemarkdemokraten in dem 2024 gegründeten Ausschuss für die Deutsche Minderheit im Folketing vertreten.

„Ich bin, was die Zukunft für die Minderheit anbelangt, optimistisch. Meine Kolleginnen und Kollegen, wie auch die BDN-Vertretenden, arbeiten zielstrebig dafür, dass das, was bereits gut funktioniert, noch besser wird“, sagt Søren Espersen.