Kultur

Mehr Live-Musik für Bürgerinnen und Bürger – direkt vor der Haustür

Die frühere Maschinenfabrik im Herzen von Apenrade ist von einem privaten Investor zu einem modernen Veranstaltungsort umgebaut worden.

Die „Motorfabrikken“ wird zur Bühne für kleinere Konzerte. Mit Platz für 250 Gäste entsteht ein Raum für neue Musikformate. Besucherinnen und Besucher können sich auf ein vielfältiges Programm freuen.

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Zusammenfassung

  • In Apenrade wird eine frühere Industriehalle gemeinsam mit „Aabenraa Live“ als neue Konzert- und Kulturstätte mit Platz für rund 250 Gäste genutzt.
  • Der neue Saal in der „Motorfabrikken“ ergänzt „NygadeHuset“ und „Sønderjyllandshalle“ durch kleinere bis mittlere, oft stehende Konzerte, die Nähe zum Publikum und alltagsnahe Kulturangebote ermöglichen.
  • Studien zufolge stärken solche Spielstätten Stadtleben, Gemeinschaftsgefühl und lokale Wirtschaft.

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Für viele Musikfans in Apenrade (Aabenraa) bedeutete ein Konzertbesuch bislang oft eine Entscheidung: klein und ruhig im NygadeHuset – oder groß angelegt in der Sønderjyllandshalle. Dazwischen fehlte jedoch ein Ort, der Live-Musik in einer Größe ermöglicht, die Nähe schafft, aber dennoch Atmosphäre bietet. Genau diese Lücke solle nun geschlossen werden, sagt Thomas Mathiesen, der Leiter von „Aabenraa Live“.

Die ehemalige Industriehalle „Motorfabrikken“ in der Lavgade wird künftig gemeinsam mit dem Konzertveranstalter „Aabenraa Live“ als neue Konzert- und Kulturstätte genutzt. Für die Stadt bedeute das weit mehr als nur eine zusätzliche Bühne, so Mathiesen.

„Die neue Spielstätte soll eine Ergänzung sein“, sagt er. Mit rund 250 möglichen Gästen entstehe erstmals ein Raum für kleine bis mittelgroße Konzerte – Veranstaltungen also, die weder in ein klassisches Sitzkonzert noch in die größere Arena der Sønderjylandshalle passen. Stehkonzerte seien ausdrücklich möglich. „Das schafft ein anderes Konzerterlebnis und spricht auch Menschen an, die bisher vielleicht gar nicht zu unseren Veranstaltungen gekommen sind“, hofft er.

Die „Motorfabrikken“ wurde 1899 gebaut und diente dem Apenrader Motorenbauer Heinrich Callesen als Produktionshalle. Dort wurden unter anderem Motoren für Fischkutter gebaut. 

Kultur näher am Wohnort

Solche Zwischenformate gelten in vielen Städten als entscheidend für ein lebendiges Kulturleben. Sie ermöglichen spontane Konzertbesuche nach Feierabend, kürzere Wege und eine stärkere Bindung zwischen Publikum und Künstlerinnen und Künstlern. Kultur werde damit weniger Großereignis – und stärker Teil des Alltags.

Mittelalte Person im schwarzen T-Shirt lehnt lächelnd mit verschränkten Armen an einer hellen Wand.
Thomas Mathiesen hat eine neue Spielstätte gefunden.

Aabenraa Live

2022 ist Aabenraa Live von der „Staatlichen Kunststiftung“ (Statens Kunstfond) zum Genre- und Netzwerkveranstalter ausgerufen worden. Damit ist die Einrichtung verpflichtet, breit angelegte musikalische Veranstaltungen, verteilt über die ganze Kommune, anzubieten.

Gerade für junge Erwachsene, Pendlerinnen und Pendler oder Familien könne ein flexibler Veranstaltungsort neue Zugänge schaffen. Kleinere Konzerte erlauben zudem Experimente: neue Musikrichtungen, lokale Bands oder Kooperationen zwischen Kulturschaffenden aus der Region.

Mathiesen betont deshalb, dass kein Wettbewerb zu bestehenden Häusern entstehen solle. „Es geht nicht darum, dem NygadeHuset oder der Sønderjyllandshalle etwas wegzunehmen. Wir ergänzen das Angebot.“ Gleichzeitig ermögliche die kleinere Bühne Veranstaltungen, die bislang aus wirtschaftlichen Gründen schwer umzusetzen waren, da große Hallen eine umfangreiche Organisation erfordern.

Impulse für Stadtleben und Begegnung

Für Bürgerinnen und Bürger kann ein solcher Ort auch über die Musik hinaus Wirkung entfalten. Konzertabende bringen Leben in die Innenstadt, stärken Gastronomie und Handel und schaffen Treffpunkte, an denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Kultur wird so zu einem sozialen Anker im Stadtleben. Das geht aus einer Untersuchung der Bundesregierung hervor.

Den Auftakt macht am 16. Mai der dänische Musiker Niels Skousen im Rahmen seiner Abschiedstournee. Später folgt unter anderem ein Konzert von Anne Linnet. Auch das Festival „Aabenraa Live Jazzer“ soll künftig teilweise in der „Motorfabrikken“ stattfinden.

Spielstätten als sozialer Kitt

Welche Rolle neue Konzertorte für eine Stadt spielen können, zeigt auch der Blick auf wissenschaftliche Studien aus Deutschland. Untersuchungen zur Live-Musikszene belegen, dass kleinere und mittlere Spielstätten weit mehr sind als reine Veranstaltungsorte. Sie schaffen Begegnungsräume, stärken lokale Netzwerke und fördern das Gemeinschaftsgefühl in einer Stadt. Gerade außerhalb großer Metropolen entstehen hier Orte, an denen Menschen Kultur erleben und sich regelmäßig treffen können. Forschende sprechen deshalb von einer „wichtigen sozialen Infrastruktur für das alltägliche Leben“.

Auch bundesweite Studien zur Musik- und Festivalkultur zeigen: Kulturangebote dieser Größe tragen messbar zur Lebensqualität bei und stärken besonders in kleineren Städten und ländlichen Regionen die Attraktivität eines Ortes. Sie schaffen Gemeinschaft, geben Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern Auftrittsmöglichkeiten und sorgen dafür, dass kulturelles Leben nicht nur in großen Zentren stattfindet.

Den Nerv des Publikums treffen

Trotz ihres Potenzials stoßen kleine und mittelgroße Konzertorte sowohl in Deutschland als auch europaweit an reale Grenzen, wie aktuelle Forschung und Branchenstudien zeigen. So warnt ein 2024 veröffentlichter Bericht der europäischen Dachorganisation „Live DMA“: Kleine und mittlere Live-Musik-Orte sind zunehmend durch wirtschaftliche Unsicherheiten, steigende Kosten und mangelnde politische Unterstützung gefährdet. Die Untersuchung nennt unter anderem steigende Miet- und Betriebskosten, verändertes Publikumsverhalten und fehlende Anerkennung auf kommunaler Ebene als zentrale Hemmnisse für die nachhaltige Entwicklung solcher Spielstätten.