GASTKOMMENTAR

Wahlkampf zum Blick auf Bildung nutzen

Büchereidirektorin Claudia Knauer (Archivfoto)

Kulturpolitik: Ein neues Bibliotheksgesetz soll demokratische Diskurse fördern. Der dänische Bibliotheksverein fordert eine Modernisierung des Gesetzes von 2000. Claudia Knauer darüber, wie Bibliotheken zur Bildung und Meinungsfreiheit beitragen.

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Gastkommentar

Dieses ist ein Gastkommentar von einer Person, die nicht Teil der Redaktion des „Nordschleswigers” ist. Dieser Text gibt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Kultur und Bildung stehen – außer es geht um kleinere Klassen – bei Wahlkämpfen eher nicht im Mittelpunkt. So auch dieses Mal. Schweine, Trinkwasser und Pension sind zweifelsohne sehr wichtig. Bildung aber auch. Ohne Bildung wird die Demokratie in die Knie gehen. Deshalb könnten der Wahlkampf, noch mehr aber die nachfolgenden Koalitions- oder Zusammenarbeitsverhandlungen genutzt werden, um für Bildung und Bibliotheken zu streiten.

Der dänische Bibliotheksverein (Danmarks Biblioteksforening) arbeitet schon seit Langem aktiv dafür, das Bibliotheksgesetz aus dem Jahr 2000 zu modernisieren. Der jüngste Vorstoß umfasst vier grundlegende Bereiche, die im Zentrum eines neuen Gesetzes stehen sollten.

Kulturpolitik ist das Fundament einer Gesellschaft. Nicht ohne Grund gehen rechtsextreme Parteien in allen Ländern nach der Kulturpolitik, wollen das Ministerium besetzen, die Spielpläne der Theater bestimmen und den Bestand in Bibliotheken kontrollieren. Die USA lassen grüßen.

Umso wichtiger ist es, in einem neuen Gesetz festzuschreiben, dass Büchereien am demokratischen Diskurs aktiv mitarbeiten – nicht dass sie Parteipolitik betreiben, sondern dass sie für die Demokratie, das gesittete Miteinanderreden, einstehen. Es muss in einem Gesetz festgehalten werden, dass gesicherte Informationen allen überall zugänglich sind. Dass das kritische Denken gestärkt wird und dass eine neue Lesekultur geschaffen wird.

Das alles wollen die Bibliotheken nicht, wie die bürgerliche Denkfabrik Cepos unterstellt, weil sie sich mit aller Macht neue Arbeitsbereiche suchen, weil keine Bücher mehr entliehen werden. Das werden sie nämlich in steigendem Maße, sondern weil sie eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe erfüllen: für Bildung sorgen, Menschen, junge wie alte, stark machen gegen extreme Einflüsterer, einen sicheren Raum zum Austausch bieten und Fakten von Fakes unterscheiden können.

Dass in einer Neuauflage des Bibliotheksgesetzes eine in allen Kommunen gleichartige Finanzierung gesichert wird und der Verband Deutscher Büchereien Nordschleswig ein eigener Paragraf bleibt, muss dabei selbstverständlich sein.