Deutsche Minderheit

Die Vollverpflegung im Kindergarten Tingleff schmeckt auch den Eltern

Erzieherin und drei Kinder schneiden Gemüse in einer Kindergartenküche.
Unterstützen Küchenchefin Steffi Kippels (r.) gern beim Vor- und Zubereiten: Jacob, Christian und Clara (v. l.).

Vor einigen Monaten wurde eine Verpflegung aller Kinder eingeführt. Trotz der Mehrkosten scheint die Regelung bei den Familien anzukommen, denn hinter dem Projekt im Deutschen Kindergarten Tingleff steckt weit mehr als essen und satt werden. Den Kindern und auch den Eltern gefällt es. Bei einem Lebensmittel hört der Spaß aber auf.

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Zusammenfassung

  • Im deutschen Kindergarten Tingleff helfen Kinder beim Kochen und lernen dabei den Umgang mit Lebensmitteln.
  • Seit Einführung der Vollverpflegung gibt es täglich drei Mahlzeiten mit Fokus auf ausgewogener, teils vegetarischer Ernährung.
  • Eltern und Leitung sehen Vorteile für Gemeinschaftsgefühl, Entlastung im Alltag und die Neugier der Kinder auf neue Speisen.

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„Toll habt ihr alles geschnitten. Jetzt könnt ihr den Pizzateig mit der Tomatensoße beschmieren“, sagt Stefanie Kippels in der Küche des deutschen Kindergartens Tingleff zu ihren drei Küchenhelfern, die sich umgehend an die Arbeit machen und vorsichtig Tomatensoße auf die Pizzastücke gießen.

Christian, Jacob und Clara sind mit ihren vier und drei Jahren bereits echte Kenner und Könner. Geschickt haben sie mit speziellen Kindermessern Gemüse, Salami und Wurst für den Pizzabelag klein geschnitten und leiten nun den nächsten Arbeitsschritt ein.

Erwachsene und zwei Kinder schneiden gemeinsam Gemüse und Pizzabelag in einer Kindergartenküche.
Beim Vorbereiten der Mahlzeiten bezieht Steffi Kippels die Kinder reihum ein.

Zu Beginn des Jahres ist im Kindergarten eine Vollverpflegung aller Kinder eingeführt worden, und seitdem sind kleine Küchenhelferinnen und -helfer abwechselnd bei den Vorbereitungen dabei. Sie lernen dabei nicht nur das Zubereiten und den Umgang mit Küchengeräten, sondern auch allerhand über Lebensmittel und über (gesunde) Ernährung.

„Es findet ganz viel pädagogisches Kochen statt“, sagt Stefanie Kippels mit einem Auge auf ihren motivierten Hilfstrupp. Die Kinder seien sehr gern in der Küche dabei und können es oft gar nicht erwarten, an der Reihe zu sein, ergänzt Kippels, die von allen Steffi genannt wird. 

Doppelfunktion

Kippels ist neben den Aufgaben als Erzieherin die Hauswirtschaftlerin der Einrichtung. 13 Stunden ihrer Arbeitszeit sind für die Essensordnung („madordning“) einschließlich Einkaufen veranschlagt. „Ich koche gern und bin hier gern in der Küche. Als die Vollverpflegung Thema wurde, habe ich mich für die Aufgabe angeboten“, sagt die 43-jährige Erzieherin über ihren Nebenjob.

Frau mit Schürze steht lächelnd in einer hellen Kindergartenküche neben einem leeren Backblech.
Ist gern in der Kindergartenküche. Steffi Kippels

Die „madordning“ ist in der Einrichtung ein fester Bestandteil geworden und hat sich allen Anschein nach bewährt, stellt Abteilungsleiterin Mette Muurholm zufrieden fest. Einfach so von heute auf morgen wurde die Vollverpflegung allerdings nicht eingeführt. „Die Regelung wurde bei Elterncafés und auf Elternabenden vorgestellt und diskutiert. Die Elternschaft sprach sich schließlich dafür aus“, so Muurholm.

Zwei Jahre gilt die Vollverpflegung erst einmal. Der monatliche Beitrag liegt bei rund 580 Kronen pro Kind.

„Das Essen hier schmeckt immer gut“, so das Feedback des vierjährigen Christian beim Schnippeln in der Kindergartenküche. 

Keine Brotdose mehr füllen

Von der Vollverpflegung mit aktiver Einbeziehung der Kinder ist Nele Krenz, Mutter von Kindergartenkind Ronja, angetan. „Man muss sich nicht mehr überlegen, was man dem Kind mitgibt und hat nicht mehr den Aufwand. Abends muss man sich zudem nicht mehr die großen Gedanken machen, was man dem Kind zu essen gibt“, nennt die Mutter einen Vorteil, den viele andere Eltern vermutlich teilen. 

Erzieherin steht in einem Kindergartenflur vor Regalen und schaut in die Kamera.
Nele Krenz, Mutter von Ronja, ist von der eingeführten Vollverpflegung mit Einbeziehen der Kinder angetan.

Bei der Essensordnung steckt aber noch viel mehr drin, betont Nele Krenz, die der Elternvertretung angehört. „Die Kinder bekommen die gleiche Verpflegung. Das schafft ein besonderes Gemeinschaftserlebnis. Unsere Tochter spricht zu Hause ganz viel über das Essen und was Steffi so alles macht. Manchmal heißt es zu Hause dann auch, dass es nicht wie bei Steffi schmeckt. Da muss man dann durch“, erwähnt Ronjas Mama mit einem Schmunzeln.

Drei feste Mahlzeiten bekommen die Kinder. Morgens, mittags und abends. Der Essensplan wird jede Woche ausgehängt und auch an die Eltern geschickt.

Essen als gemeinsames Erlebnis

Aufgeteilt in Krippenkinder und Kindergartenkinder, wird immer gemeinsam gegessen. Ein Augenmerk ist dabei auf ausgewogene und möglichst gesunde Ernährung gerichtet. Einmal die Woche wird ein vegetarischer Tag eingelegt. 

Kind schneidet Wurstscheiben mit Kindermesser auf einem Schneidebrett.
Christian hilft gern in der Küche und mag das Essen, das im Tingleffer Kindergarten tagtäglich aufgetischt wird.

„Es gibt auch mal Milchreis, Pfannkuchen und andere Süßspeisen. Wir versuchen hin und wieder, auf die Wünsche und Vorzüge der Kinder einzugehen“, erwähnt Steffi Kippels. Es gibt sogar die Überlegung, dass sich Kinder an ihrem Geburtstag etwas wünschen können, etwa einen Kuchen oder den Lieblingspudding. „Das ist aber noch nicht beschlossen. Darüber wird noch gegrübelt“, erwähnt Steffi Kippels.

Alles können, nichts müssen

Der strenge Leitsatz, dass gegessen wird, was auf den Tisch kommt, gilt in Tingleff nicht. „Wenn ein Kind das Essen gar nicht mag, schmieren wir ihm auch mal ein Brot. Es muss auch niemand aufessen“, erklärt Mette Muurholm.

Erzieherin und Kinder schneiden gemeinsam Gemüse an einer Küchenarbeitsplatte.
Leiterin Mette Muurholm (l.) bei der fleißigen Küchencrew

Dadurch, dass die Kinder das Gleiche aufgetischt bekommen und einander beobachten, werden sie aber dazu animiert, die Speisen ebenfalls zu essen oder zumindest zu probieren, so die Leiterin.

Es werde daher versucht, eine möglichst große Vielfalt an Produkten zu servieren und auch solche, die die Kinder womöglich gar nicht kennen. 

Schluss mit lustig

Bei einem Lebensmittel hat Steffi Kippels allerdings aufgegeben. Es ist ein altbekannter Mythos: „Bei Spinat gibt es keine Chance. Da passen nahezu alle Kinder“, so die Küchenchefin, die schon wieder über den nächsten Wochen-Essensplan nachdenkt und darüber, welche Aufgaben sie ihren treuen Hilfstrupps geben kann.