Deutsche Minderheit

Zukunftsvision: Das DGN als internationale Schule

Familiäre Atmosphäre am DGN: Jens Mittag kennt die Namen aller 203 Schülerinnen und Schüler seines Gymnasiums.

Der Apenrader Bürgermeister schlägt ein internationales Gymnasium vor. Als möglichen Partner sieht er das Deutsche Gymnasium für Nordschleswig. Rektor Jens Mittag hatte einige Vorbehalte.

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Zusammenfassung

  • Der Bürgermeister von Apenrade regt angesichts neuer Industrieprojekte ein internationales Gymnasium mit dem Deutschen Gymnasium für Nordschleswig (DGN) als möglichem Partner an.
  • DGN-Rektor Jens Mittag sieht die Identität der deutschen Minderheit und den Auftrag zur Stärkung der deutschen Sprache durch einen englischsprachigen Zweig in Frage gestellt.
  • Zudem verweist er auf praktische Hürden wie begrenzte Räumlichkeiten, das familiäre Schulformat und mögliche Konkurrenz für die eigene Schülerschaft.

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Neue Unternehmen, internationale Fachkräfte, neue Familien: Die Pläne rund um die Power-to-X-Anlage in Kassø könnten die Kommune verändern. Dort entstehen weitere neue Energie- und Industrieprojekte, darunter eine geplante Wasserstoffleitung nach Deutschland. Bis zu 3.000 neue Arbeitskräfte könnte in die Kommune kommen, zeigte sich der Apenrader Bürgermeister Jan Riber Jakobsen (Konservative) kürzlich im Gespräch zuversichtlich. Er denkt deshalb weiter – und bringt ein internationales Gymnasium ins Spiel, möglicherweise in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Gymnasium für Nordschleswig (DGN).

Gedankenspiel: DGN als internationale Gymnasium

Dieses Gedankenspiel hat Riber Jakobsen bei einem Gespräch geführt. Herangetreten sei er mit der Idee an DGN-Rektor Jens Mittag noch nicht, wie dieser sagt. Er lässt sich jedoch darauf ein, die Idee zu jonglieren: „Das sind Gedankenspiele“, sagt er ausrücklich – und macht zugleich klar: Eine solche Idee betreffe eigentlich weit mehr als nur das Gymnasium, denn wenn Familien in die Region ziehen, geht es nicht nur um die Oberstufe, denn es würden nicht nur Jugendliche in die Kommune ziehen, sondern auch jüngere Kinder. „Man muss im Prinzip das ganze System mitdenken“, sagt Mittag. Gemeint sind die Kindergärten bis hin zu den Schulen unter dem Dach des Deutscher Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (DSSV).

Identität als Kernfrage

Mittag kommt zurück zum Vorschlag eines internationalen Gymnasiums. Im Zentrum stehe für ihn eine grundlegende Frage: Passt ein internationaler Zweig überhaupt zur Identität des Gymnasiums?

„Das DGN sieht sich als Teil der deutschen Minderheit – mit einem klaren Auftrag: deutsche Sprache und Gemeinschaft zu stärken und zugleich eine Brücke zu Dänemark zu schlagen“, sagt der DGN-Rektor.

Ein englischsprachiger Zweig würde dieses Selbstverständnis herausfordern. „Wenn man eine internationale Schule ist, hat man eine ganz andere Identität“, sagt Mittag. Teile davon aufzugeben, komme für ihn deshalb zunächst nicht infrage.

Zwischen Offenheit und Grenzen

Gleichzeitig zeigt sich der Schulleiter offen für neue Menschen in der Region. Wer sich der Gemeinschaft anschließen wolle, sei willkommen. Die Minderheit habe sich in den vergangenen Jahren ohnehin stärker geöffnet – auch für Zugezogene, die hier Deutsch und Dänisch lernen.

Gerade im Kleinkindbereich sieht Mittag Chancen für die Minderheit: Internationale Kinder könnten in den Kindergärten der Minderheit zwei Sprachen lernen und so schrittweise Teil der Gemeinschaft werden.

Doch der Schritt zum internationalen Gymnasium ist ein anderer. „Ein englischsprachiger Zweig am DGN hat etwas Widersprüchliches“, sagt er.

Praktische Hürden

Neben der inhaltlichen Frage gibt es ganz konkrete Probleme: Platz und Größe.

Das Gymnasium lebt auch davon, dass es überschaubar ist. „Der Charme ist, dass jeder jeden kennt“, sagt Mittag. Ein zusätzlicher Zweig würde die Schule wachsen lassen – und genau diese Stärke gefährden.

Auch räumlich stößt das DGN an Grenzen. Selbst mit den aktuell zwei neuen Klassenräumen gebe es keinen Platz für einen weiteren Zweig mit mehreren Jahrgängen.

Kooperation statt Konkurrenz?

Eine mögliche Lösung könnte außerhalb des Gymnasiums liegen: ein gemeinsames internationales Angebot mit dänischen Schulen. Doch auch das birgt Risiken.

„Ein attraktiver internationaler Zweig könnte zur Konkurrenz werden sogar für die eigene Schülerschaft. Es wäre schade, wenn Schülerinnen und Schüler der Minderheit dorthin abwandern“, sagt Mittag offen.

Für Jens Mittag ist eine internationale Linie am DGN derzeit „nicht vorstellbar“, wie er sagt. Es widerspreche der DGN-Identität mit den sprachlichen Voraussetzungen, mit kleinen familiären Klassen und engem Kontakt zwischen Schülerinnen und Schülern sowie dem Lehrpersonal.

Entscheidung nicht im Alleingang

Für den Schulleiter ist zudem klar: Solch eine Frage könne und dürfe nicht im Alleingang entschieden werden. Sie gehörte in die gesamte Minderheit , also mit Einbezug vom Deutschen Schul- und Sprachverein für Nordschleswig und auch dem Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN) als Dachorganisation.