Deutsche Minderheit

Siri Jürgensens Kindheit zwischen Laos, Ghana und Nordschleswig: „Meine Eltern haben mich inspiriert“

Siri Jürgensen macht aktuell ein Praktikum an der dänischen Botschaft in Hanoi: In der Lobby ihres Bürogebäudes steht sie vor einem geschmückten Tet-Baum, der traditionell zum vietnamesischen Neujahrsfest aufgestellt wird.

Drei Kontinente, drei Kulturen, unzählige Abenteuer: Wer so aufwächst, entwickelt Mut für Neues und eine natürliche Offenheit für die Welt. Diese Erfahrungen begleiten Siri Jürgensen aus der deutschen Minderheit bis heute und motivieren sie, nun auch beruflich internationale Wege zu gehen.

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Zusammenfassung

  • Siri Jürgensen wuchs zwischen Nordschleswig, Laos und Ghana auf und fühlt sich der deutschen Minderheit stark verbunden.
  • Die internationalen Erfahrungen prägten ihre Offenheit und weckten den Wunsch, später auch selbst in einem entwicklungspolitischen Umfeld zu arbeiten.
  • Derzeit absolviert die Politikwissenschaftsstudentin ein Praktikum an der dänischen Botschaft in Hanoi.

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Siri Jürgensen ist in Laos, Ghana und in Nordschleswig aufgewachsen. „Meine Kindheit war spannend und schön. Ich bin froh, dass ich sowohl in der deutschen Minderheit als auch im Ausland aufgewachsen bin“, sagt die 26-Jährige heute.

Während die meisten ihrer späteren Mitschülerinnen und Mitschüler an der Deutschen Privatschule Apenrade (DPA) und dem Deutschen Gymnasium für Nordschleswig (DGN) in Apenrade (Aabenraa) ein Leben außerhalb Dänemarks und Deutschlands nie erlebt haben, lernte Siri früh, sich in verschiedenen Kulturen zurechtzufinden.

Vom Grenzland in die Welt

Siris Mutter Nanna arbeitete für die Weltgesundheitsorganisation, ihr Vater Anders ist Tropenwaldexperte. Kurz vor Siris Geburt zog die Familie für einige Jahre nach Laos, 2004 kehrten sie für kurze Zeit nach Nordschleswig zurück, bevor 2008 der Umzug nach Ghana folgte.

Von der Millionenstadt Accra in das beschauliche Apenrade zu ziehen, da musste ich mich erst einmal an Dänemark gewöhnen.

Siri Jürgensen

„Als wir nach Ghana gezogen sind, war ich neun Jahre alt. Das war anfangs schon schwer, weil ich meine Freunde und meine Familie vermisst habe. Ich glaube, dass ich im ersten halben Jahr Heimweh hatte. Aber ich habe mich dann schnell an Ghana gewöhnt und mich dort auch wohlgefühlt.“

„Ich fühle mich ganz klar als Teil der deutschen Minderheit“

Das Leben zwischen Nordschleswig und Ghana habe eine besondere Situation ergeben. „So habe ich gleich zweimal zu einer Minderheit gehört. Zum einen als Third-Culture-Kid im Ausland, wo wir in einem kleinen internationalen Umfeld gelebt haben. Zum anderen in der Heimat in Nordschleswig“, so Siri, die in der ghanaischen Hauptstadt Accra fünf Jahre eine internationale deutsch-schweizerische Schule besuchte.

Bedeutung: Third-Culture-Kid

Der Begriff Third-Culture-Kid bezeichnet ein Kind, das einen Großteil seiner prägenden Jahre in einem anderen Kulturkreis als dem der Eltern aufwächst und dadurch eine „dritte Kultur“ entwickelt – eine Mischung aus der Herkunftskultur der Eltern und der Gastkultur(en).

Die Familie bei der Konfirmation von Siri und ihrer großen Schwester Johanna

Mit ihrer Mutter Nanna und ihren Schwestern Johanna und Thea spricht Siri Deutsch, mit ihrem Vater Anders Dänisch. „Ich fühle mich ganz klar als ein Teil der deutschen Minderheit, auch wenn mein Vater eigentlich aus der dänischen Minderheit stammt. Aber auch er hat wie meine Mutter Familie in Hadersleben“, erklärt sie.

Wertvolle Erfahrungen

Die Zeit in Ghana hat ihr viele positive Erfahrungen gebracht. „Die Menschen dort sind unglaublich offen und freundlich. Sie haben uns sofort wie Brüder und Schwestern behandelt. Es ist eine tanzfreudige Gesellschaft mit viel Lebensfreude, selbst wenn nicht alles perfekt ist. Ich merke da schon einen Unterschied zu Dänemark, wo die Leute reservierter und weniger aufgeschlossen sind, gerade gegenüber Fremden.“

Auch die Natur in Ghana hat sie beeindruckt. Sie schwärmt von Wasserfällen, Regenwäldern und der langen Küstenlinie und erzählt, dass die Familie in den Ferien viel vom Land gesehen hat. Zudem beschreibt sie den südlichen Teil Ghanas, in dem sie lebten, als vergleichsweise sicher und demokratisch im Gegensatz zu den Nachbarländern oder dem Norden des Landes. „Wir haben uns immer wohlgefühlt. Die größte Gefahr war wahrscheinlich der Verkehr oder Malaria.“

Siri mit ihren Schwestern Johanna und Thea an einem Wasserfall in Ghana

Die Sommerferien verbrachte die Familie bewusst immer in Nordschleswig. Den Eltern war es wichtig, dass ihre Kinder trotz der geografischen Distanz zu Dänemark die Verbindung zum Zuhause aufrechterhalten.

Nach fünf Jahren in Ghana kehrte Siri in die 9. Klasse an der DPA zurück, in dieselbe Klasse und zu denselben Freunden. Viele von ihnen wechselten später gemeinsam mit ihr ans DGN. „Ich hatte also immer das Gefühl, meine Freundesgruppe weiterhin zu haben“, sagt sie. Das sei auch ein Grund dafür, warum sie sich bis heute eng mit Nordschleswig verbunden fühlt, obwohl sie dort nur einen Teil ihrer Kindheit verbracht hat.

Kulturschock in Dänemark

Nicht das Einleben in Ghana, sondern eher die Rückkehr nach Nordschleswig als Teenagerin empfand Siri als Kulturschock. „Von der Millionenstadt Accra in das beschauliche Apenrade zu ziehen, da musste ich mich erst einmal an Dänemark gewöhnen – mehr als es mir die Sommerferien ermöglicht hatten“, erinnert sie sich lachend.

„Vielleicht lag das auch daran, dass in Dänemark vieles homogener ist als in dem internationalen Milieu, in dem wir im Ausland gelebt haben“, so die Politikwissenschaftsstudentin.

Inspiration der Eltern

Ihre Kindheit hat die junge Nordschleswigerin stark geprägt, vor allem in ihrer Offenheit und Neugier gegenüber anderen Menschen und Kulturen. Für sie sei das ganz selbstverständlich, sagt sie, und betont, wie dankbar sie ihren Eltern dafür ist, dass sie ins Ausland gegangen sind, sie bodenständig erzogen und zugleich immer darauf geachtet haben, die Verbindung nach Nordschleswig zu erhalten. 

„Das hat mir gezeigt, wie man mit neuen Situationen umgehen kann, auch wenn nicht immer alles einfach ist“, erzählt sie.

Siri und Johanna bei einer Wanderung im Dschungel in Ghana

Diese Erfahrungen haben auch ihren Wunsch gestärkt, später selbst in einem internationalen und entwicklungspolitischen Umfeld zu arbeiten. Die gebürtige Nordschleswigerin kann sich deshalb vorstellen, nach dem Studium einige Jahre im Ausland zu leben, lässt aber noch offen, wohin ihr Weg sie genau führen wird.

Internationale Perspektive

2018 zog Siri nach Kopenhagen, um Jura zu studieren. Nach ihrem Bachelor entschied sie sich für Politikwissenschaft und absolviert derzeit im Master ein sechsmonatiges Praktikum an der dänischen Botschaft in Hanoi in Vietnam.

„Meine Eltern haben mich inspiriert. Ich wollte noch einmal etwas ganz anderes machen und zurück nach Asien – auch wegen unserer Zeit in Laos, von der meine Eltern immer geschwärmt haben. Die Botschaft in Hanoi ist für Laos zuständig, deshalb passt es perfekt.“

An der dänischen Botschaft in Hanoi arbeitet Siri Jürgensen an Projekten zur strategischen Zusammenarbeit zwischen dänischen und vietnamesischen Behörden, insbesondere in den Bereichen Bildung und Energie.

Nach einem Monat ist ihr erster Eindruck von Hanoi positiv. „Ich fühle mich sehr wohl. Wir erleben hier gerade den vietnamesischen Frühling mit etwa 25 Grad, hoher Luftfeuchtigkeit und viel Regen. Meine Kollegen sagen ständig, es sei so kalt zurzeit“, sagt Siri und lacht.

Ich erlebe so viele spannende Dinge.

Siri Jürgensen

Besonders faszinierend findet sie, dass auf den Straßen deutlich mehr Leben herrscht als in Dänemark. Überall gebe es kleine Läden, Imbisse und Straßenküchen. Trotz der Hektik wirke alles zugleich friedlich. Überrascht habe sie jedoch die starke Luftverschmutzung, weshalb es sowohl in den Schlafzimmern als auch in der Botschaft Luftfilteranlagen gibt.

Was sie vermisst, sind vor allem ihre vertrauten Menschen. „Meine Familie und Freunde. Ich erlebe so viele spannende Dinge und würde das gerne mit ihnen teilen. Ich schicke viele Bilder, und wir telefonieren regelmäßig. Bei einem Ausflug nach Laos habe ich zum Beispiel unsere ehemalige Nachbarin wiedergetroffen. Darüber haben sich meine Eltern sehr gefreut.“

Jetzt blickt Siri vor allem nach vorn – auf weitere Erfahrungen in Hanoi und auf den Besuch ihrer Familie zum Ende ihres Praktikums. „Dann reisen wir hier abschließend noch gemeinsam rum“, sagt die 26-Jährige voller Vorfreude.