Deutsche Minderheit

Wie die Kindergarten-Leiterin Elke Sievertsen eine Kirchendienerin wurde

Elke Sievertsen bereitet alles für die verschiedenen Gottesdienste vor.

Die 68-jährige Elke Sievertsen hat viel probiert. Vor anderthalb Jahren tauschte sie ihre leitende Stellung zwischen vielen Kindern mit einem ruhigeren Job in mehreren Kirchen bei Gravenstein aus. Heute ist sie Kirchendienerin – und das gefällt der energischen Frau, die sich immer in ihren verschiedenen Jobs voll engagiert. Ihre heutige Arbeit ist viel mehr als Heirat, Konfirmation, Taufe und Abschied.

Veröffentlicht Geändert

Elke Sievertsen haben andere Menschen immer am Herzen gelegen. Ob Groß oder Klein. Viele werden sie als ehemalige Leiterin des Kindergartens in Broacker (Broager) kennen. 

Geht Elke Sievertsen aus Fischbek (Fiskebæk) heute zur Arbeit, dann bereitet sie für viele Bürgerinnen und Bürger eine bestimmte Feierlichkeit vor. Sie ist aber keine Festmanagerin – sie trägt schwarz und hält sich bei den verschiedenen Feiern immer dezent im Hintergrund. 

Elke Sievertsen hisst unter anderem auch den Dannebrog.

Zusammenfassung

  • Die frühere Kindergartenleiterin und Familienberaterin Elke Sievertsen arbeitet heute als engagierte Kirchendienerin in Gravenstein und Atzbüll.
  • Sie bereitet Gottesdienste, Taufen und Trauerfeiern sorgfältig vor, bleibt im Hintergrund und kümmert sich um viele praktische und symbolische Details.
  • Als Kind der deutschen Minderheit ist sie vielfältig ehrenamtlich aktiv.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Ihr Arbeitsplatz sind die Kirchen in Gravenstein und Atzbüll (Adsbøl) und die Kapelle am Kirkegårdsvej in Gravenstein. Sie sorgt für alles, was bei einem gut organisierten Gottesdienst, einer Taufe, Beerdigung oder Beisetzung dazu gehört.

Kapelle in Sonnenschein gebadet

Deswegen führt der Weg zu Elke Sievertsen für die Journalistin des „Nordschleswigers“ an einem Montagvormittag im Frühling zur Kapelle vor dem Friedhof in Gravenstein, wo sie von der gutgelaunt lächelnden Kirchendienerin an der großen eichenschweren Eingangstür empfangen wird. Die Fahne hängt auf halbmast: Anderthalb Stunden später wird eine Person von der Kapelle aus beigesetzt.

Ich hatte so viele warme Menschen um mich herum. Es wurde ein Ring um mich gezogen. Ich fühlte mich gut aufgehoben. Das half.

Elke Sievertsen

In die freundlich und hell eingerichtete Kapelle lacht zwischen den Holzbänken die Sonne in den Raum hinein. Der Holzbehälter mit Sand und einer kleinen Schaufel steht schon bereit. Dies gehört in Dänemark zum traditionellen symbolischen Abschiedsritual. Er steht für die Rückkehr des Verstorbenen zur Erde und den gemeinsamen letzten Dienst der Trauernden.

Das Licht strömt durch die Fenster der Grabkapelle in Gravenstein

Ein Kind der deutschen Minderheit

Elke Sievertsen ist einst in Wippel (Vippel) in einer vierköpfigen Kinderschar aufgewachsen. Sie ist ein waschechtes Kind der deutschen Minderheit: Sie ist viele Jahre lang Mitglied im BDN Ortsverein Fördekreis, 21 Jahre Mitglied im Kirchenvorstand und elf Jahre lang Kirchenälteste im Pfarrbezirk Gravenstein (Gråsten), elf Jahre lang Familienberaterin beim Sozialdienst in Tingleff (Tinglev) und Lundtoft und Vorstandsmitglied im Kindergarten- und Schulausschuss . 

Sie ist nebenbei auch viele Jahre lang freiwillige Donnerstags-Helferin im „Sønderborg Kvinde- & Krisecenter“ und Opferratgeberin gewesen. Zwei Jahre arbeitet sie im deutschen Kindergarten Jørgensgaard in Apenrade und kommt dann in den Kindergarten Broacker. Dort ist sie anschließend elf Jahre lang die Leiterin des deutschen Kindergartens.

Ein schwerer Abschied von den Kindern

Warum sie 2019 den damals noch relativ jungen deutschen Kindergarten-Neubau am Vesterbakke in Broacker verließ, darüber spricht sie nicht. Das wurde vertraglich mit „Deutscher Schul- und Sprachverein“ (DSSV) abgemacht. 

Elke Sievertsen vor der Kapelle in Gravenstein

Aber für Elke Sievertsen ist es ein alles anderer als einfacher Abschied, das gibt sie gerne zu. Den Verlust, nicht mehr mit den Kindern arbeiten zu können, verarbeitete sie unter anderem bei Spaziergängen und Gesprächen mit Freundinnen. „Ich hatte so viele warme Menschen um mich herum. Es wurde ein Ring um mich gezogen. Ich fühlte mich gut aufgehoben. Das half“, meint sie milde lächelnd – muss dann aber doch erneut tief durchatmen.

Kollegen teilen sich die Schichten

Elke Sievertsen wusste sofort, dass sie weiterwollte. Sie hat noch nie wegen fehlender Lust irgendwo aufgehört. Dann wurde sie gefragt, ob sie nicht Kirchendienerin werden wollte: „Ich war schon immer neugierig. Warum nicht, dachte ich. Das muss ich mal ausprobieren.“ Anfangs war sie nur als „Fohlen“ mit einigen Stunden dabei. Heute teilt sich Elke Sievertsen mit ihrem Kollegen Claus Levinsen die Schichten.

Die glutenfreien Oblaten für ein Abendmahl

Für die Ausschmückung der Schlosskirche, die in diesen Jahren renoviert wird, die Kapelle oder die Kirche Atzbüll gibt es ein Blumenmädchen, die die Blumendekorationen anfertigt. „Für die Sträuße werde ich ja oft gelobt. Ich sag dann einfach, dass ich das Lob weitergeben werde“, meint die 68-Jährige und lacht. Eine andere Kollegin sorgt für saubere Räumlichkeiten.

Alles wird genau vorbereitet

Elke Sievertsen schließt anderthalb Stunden vor einer Feier die Kapelle oder die Kirche auf, zündet die Kerzen an, holt die Blumendekorationen aus dem Kühlraum und stellt sie an den Altar oder in die Fenster. Sie holt aus dem Tresor ein Messingbecken und Kanne und die silbernen Behälter für ein Abendmahl. 

Bei einer Beisetzung oder Beerdigung hängt sie die Fahne auf halbmast und sie fährt den Sarg in die Kapelle. Sie sorgt auch für die korrekten Messingnummern der Psalme an den Tafeln, und dass die Pastorin, der Kirchensänger oder die Kirchensängerin, und die Organistin oder der Organist ein Glas Wasser haben.

Die Kirchendienerin hält sich immer im Hintergrund

Für ein Abendmahl werden die glutenfreien Oblaten bei Elke Sievertsen vorab im Airfryer knusprig gebruzzelt. An Trauerfeiern hat sie sich gewöhnt: „Für mich war es schnell ganz natürlich." 

Nicht nur in Gravenstein oder Atzbüll

Elke Sievertsen findet nicht nur die Schlosskirche atemberaubend, sondern auch die kleine schlichte Kirche in Atzbüll (Adbsbøl) unglaublich schön. „Ich freu mich ja immer, wenn die deutsche Gemeinde hier ist“, so die 68-jährige Kirchendienerin. Für sie war es kein Problem, ein Kind der deutschen Minderheit zu sein. „Wir glauben doch an das Gleiche“, meinte einer der Pastoren auf ihre Frage.

Elke Sievertsen hat viele neue Menschen kennengelernt. Für sie begrenzt sich ihr Job aber nicht auf die Dienste vor Ort. „Ich kann mich ja nicht zurückhalten, wenn etwas interessant ist“, meint sie. So hat sie eingewilligt, mit der Pastorin und den Konfirmanden im Frühjahr nach Aarhus zu fahren. Dort stehen ein Besuch bei Aros, der Domkirche und ein Treffen mit einem Obdachlosen auf dem Programm. „Wer Lust hat und interessiert ist, der kann auch an anderen Dingen teilnehmen“, so Elke Sievertsen. 

Elke Sievertsen vor der Kirche in Auenbüll

Sie engagiert sich überall

Sie ist unter anderem auch die Personalvertreterin im Gemeinderat. Sie springt ein, wenn die Freiwilligen verhindert sind, und sie legt zusammen mit Ehrenamtlichen aus der Freiwilligengruppe Pilgerwanderungen in der Gegend zurecht.

Elke Sievertsen ist mit Leib und Seele Kirchendienerin. Ihre wichtigste Rolle ist aber die als Oma oder „bedste“: „Meine Enkel haben bei mir den höchsten Stellenwert. Ich habe zwei in Broacker und einen in Kopenhagen – alles Jungs.“