Geschichte

Kunsthistorikerin Bärbel Manitz stellt neue Forschungen zum Werk Niko Wöhlks vor

Expressionistisches Gemälde eines roten Bauernhauses mit gelben Blumen im Vordergrund.
Niko Wöhlk war der Natur an der Apenrader Förde, in denen er seine Unterkünfte nach eigenen Ideen gestaltete, eng verbunden.

Die Kieler Kunsthistorikerin sprach bei der Jahrestagung der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig über die Entwicklung des an der Apenrader Förde beheimateten Künstlers vom Avantgardisten zum Schöpfer traditioneller Werke. Christian Holtorf stellte das Schaffen seines mit Nordschleswig verbundenen Großvaters Hans Holtorf vor.

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Zusammenfassung

  • Bei der Jahrestagung der HAG in Sankelmark stellte Kunsthistorikerin Bärbel Manitz neue Forschungsergebnisse zum Maler Niko Wöhlk vor.
  • Sie skizzierte seinen Weg vom expressionistischen Avantgardisten zum stärker traditionellen Künstler, dessen Werke teils als „entartet“ aus Museen entfernt wurden.
  • Außerdem gab Christian Holtorf Einblicke in Leben und Arbeit seines Großvaters Hans Holtorf, der eng mit Nordschleswig verbunden war und lange expressionistisch geprägt blieb.

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„Wie bekannt ist Niko Wöhlk heute noch in Schleswig-Holstein – und auch in Nordschleswig?“ Mit dieser Frage leitete die Kieler Kunsthistorikerin Bärbel Manitz am Sonnabend in der Akademie Sankelmark auf der Jahrestagung der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft (HAG) für Nordschleswig ihren Vortrag über den 1887 in Schleswig geborenen Künstler Niko Wöhlk, der seit der Übersiedelung nach Apenrade (Aabenraa) bis zu seinem Tod 1950 vor allem in einer von ihm geprägten Welt voller Natur, Wandervogelgeselligkeit und einfachem Leben an der Apenrader Förde tätig gewesen ist. 

Zwei Menschen stehen in einem Flur und unterhalten sich einander zugewandt.
Christian Holtorf und Bärbel Manitz nutzten die HAG-Jahrestagung zu Diskussion und Austausch über die Freunde Niko Wöhlk und Hans Holtorf.

Die Kunsthistorikerin und Professorin an der Muthesius Kunsthochschule, die neben vielen anderen Werken auch das Buch über den Jugendstilkünstler Anton Huber und sein Hauptwerk „Haus Lensnack“ in Apenrade veröffentlicht hat, erforscht seit einigen Jahren auch das Werk Niko Wöhlks. 

Niko Wöhlk – ein Meister der Farbe

Bärbel Manitz präsentierte während ihres Vortrags zahlreiche Lichtbilder, die ihre Ausführungen zum Werdegang des Bäckersohns, der unterstützt von der Familie zunächst eine kunsthandwerkliche Ausbildung durchlief, bei Aufenthalten in München aber mit modernen Stilrichtungen vom Jugendstil über Fauvismus und Abstraktion „in den Sog des Expressionismus“ geriet. 

„Niko Wöhlk wurde ein Meister der Farbe“, so Bärbel Manitz und zeigte an vielen Beispiel das Können des sich zum Avantgardisten weiterentwickelten Künstlers als Porträt- und Landschaftsmaler. 

Projizierte Folie mit mehreren Gemälden und Porträt auf einer Leinwand in einem Vortragsraum.
Bärbel Manitz zeigte per Lichtbild Werke des älteren Niko Wöhlk.

Sie berichete über expressionistische Vortragsabende Wöhlks, der anfangs mit der „kauderwelschen Sprache“ der Nordschleswigerinnen und Nordschleswiger fremdelte. Und sie sprach von utopischem Träumen des Künstlers, der seinen Unterhalt mit Porträts gegen Kronenbezahlung sicherte. Seine Zuwendung zum Wandervogelleben, diese Form der Lebensreform hatte er durch seinen Freund und Kollegen Hans Holtorf kennengelernt, sollte seit den frühen 1920er-Jahren sein weiteres Leben prägen.

Beamerprojektion mit zwei farbigen, expressionistischen Aquarellen und erklärendem Text an einer Wand.
Auch frühe, expressionistische Werke Wöhlks, wie ein Porträt Von Hans Holtorf (r.), wurden präsentiert.

Manitz stellte viele Werke, die teilweise auf Reispapier auf Wöhlks Schiffsreise nach Indien entstanden, vor und erläuterte, wie der vom Interesse an fremden Kulturen geprägte Künstler sich in seinem märchenhaften Garten als Einsiedler stilisierte – und sich schrittweise vom Expressionismus abwendend der Tradition zuwendet. Dabei blieb ihm nicht erspart, die Entfernung seiner Werke aus deutschen Museen als entartete Kunst mitzuerleben. Bilder Wöhlks der Kieler Kunsthalle sind seitdem verschollen. 

Aquarell mit gelbem Haus, hohen Palmen und Figuren mit Tieren im Vordergrund.
Eines der vielen Werke, die Wöhlk während eine Schiffsreise nach Nordafrika und Indien teilweise auf Reispapier gemalt hat.

Auch das Schicksal Wöhlks nach 1945 als deutscher Staatsbürger, der der NS-geführten deutschen Minderheit verbunden war, sprach Manitz an. Zwar entging er der Ausweisung, starb aber als gesundheitlich gebrochener Mann, nachdem er als Mieter nur noch kurz in sein behördlich beschlagnahmtes Naturparadies Twerhol an der Apenrader Förde zurückkehren durfte. 

Holtorf-Enkel gab Einblicke in das Schaffen seiner Großeltern

Christian Holtorf, der Enkel des 1899 in Friedrichstadt geborenen und 1984 in seiner Schaffensstätte Bockholmwik (Bokholmvig) an der Flensburger Außenförde verstorbenen Hans Holtorf, gab während der HAG-Tagung in Sankelmark viele Interessante Einblicke in das Leben des eng mit dem seit 1920 dänischen Nordschleswig verbundenen Großvaters. 

Als Leiter der expressionistischen Theatertruppe Maskenwagen hatte er in den frühen 1920er-Jahren unter anderem in Apenrade Vorstellungen gegeben. Auch nach der Heirat Agathe Dethlefsens aus Süderseiersleff (Sønder Sejerslev) bei Hoyer (Højer) hat er die von seinem Wohnsitz aus sichtbare dänische Nachbarregion oft besucht und dort auch gemalt. 

Christian Holtorf, der als Professor für Wissenschaftsforschung und -kommunikation in Coburg lehrt, erwähnte auch, dass Hans und Agathe Holtorf gemeinsam Werke Holbergs und Andersens neu ins Deutsche übersetzt haben. 

Lange Zeit vom Expressionismus geprägt habe sich Holtorf einer Kunstrichtung zugewendet, in deren Mittelpunkt eine „idealisierte Darstellung der schleswig-holsteinischen Natur“ steht. Er habe sich sehr kritisch gegen „laute und dünkelhafte“ Expressionisten gewandt, deren Werke auf „momentanen Augengenuss“ abzielten. Dennoch habe ihn eine enge Freundschaft mit Emil Nolde verbunden. Diesen hat er mit Farben beliefert, als dieser wegen seines Berufsverbots durch die Nazis keine Materialien kaufen konnte. „Nolde hat später meinem Großvater seine Farbtuben vererbt“, so Holtorf.