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Wie William einen Haizahn in der Tongrube fand, doch der Zahn in Gramm bleiben wollte

Kind in matschiger Tongrube hält einen kleinen fossilen Fund in der Hand.
William Hauschildt hatte den richtigen Riecher, nach wenigen Minuten gräbt er einen Haizahn aus.

Noch bevor das erdgeschichtliche Museum in Gramm offiziell öffnet, zieht es den Fossiljagdklub in die Tongrube. 13 Kinder gruben im dunklen Miozän-Ton, und für den achtjährigen William wurde der Nachmittag zur Sensation. Doch das Glück ist launisch.

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Zusammenfassung

  • Der Fossiljagdklub des Museums in Gramm bietet KIndern von acht bis 16 Jahren die Möglichkeit in Gemeinschaft Fossilien zu suchen
  • Die Fossilien sind in einem Ton aus dem Miozän zu finden. Der Ton heißt Glimmerton. 
  • Ein Kind findet nur nach Minuten einen imposanten Haizahn. 

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Wenn das kein Abenteuer war, und was für ein Drama! Noch bevor das erdgeschichtliche Museum in Gramm Ende März seine Türen öffnet und Besucherinnen und Besucher Fossilien aus der Ur-Nordsee von vor 10 Millionen Jahren besichtigen und in der nahegelegenen Tongrube auch selbst finden können, war es Zeit für den Fossiljagdklub, der Tongrube einen Besuch abzustatten.

Der Klub ist offen für Kinder zwischen 8 und 16 Jahren, und nach einer Zeit, in der Sturm und Schnee einen Besuch der Tongrube nicht zuließen, spielte das Wetter am Dienstagnachmittag Anfang März mit. Asbjørn Holm, der als Geologe und Pädagoge vom Museumsverband „Museum Sønderjylland“ den Fossiljagdklub leitet, konnte 13 Kinder begrüßen. Unter ihnen William Hauschildt, der mit seinen acht Jahren ein begeisterter Sucher und Sammler – nicht nur von Fossilien – ist.

„Alte Hasen“ und Neugierige

„Ihn interessiert alles, was Geschichte in sich trägt“, so seine Mutter Line Hauschildt, die um kurz vor 16 Uhr ihren Sohn ins Museum in Gramm brachte. Mit William hatte das Schicksal an diesem Nachmittag noch etwas vor. Das Foyer füllte sich; Eltern brachten ihre Kinder, die zum ersten Mal das Museum und die Tongrube besuchten oder beides schon kannten.

Ab ins Laboratorium. Asbjørn Holm erklärt zunächst den Kindern, die zum ersten Mal da sind, die Sache mit dem Ton und den Fossilien. Die „alten Hasen“ warten geduldig.

Geologe zeigt einer Gruppe von Kindern im Museum Fossilien unter einer Lupenlampe.
Asbjørn Holm erklärt den Kindern, wie sich Fossilien am besten bergen lassen, denn die Schalen der Fossilien sind empfindlich.

Jakob ist einer der „alten Hasen“. Er sagt: „Ich war als Baby schon hier, damals fuhr mein Vater mit meinem großen Bruder zum Fossiliensuchen nach Gramm und ich kam mit.“ Jakobs spannendster Fund war eine große Muschel, aber wenn mal nichts dabei ist, dann sei das auch in Ordnung, sagt er.

Ab in die Tongrube

Nach einer Einweisung ziehen sich die Kinder um, und es geht in Gummistiefeln mit Spaten und Handgerät in die Grube. Dort angekommen, wird der Weg hinunter zum Grabungsbereich zur Herausforderung – nicht nur für Kinder. Der weiche Ton versucht, die Gummistiefel zu stehlen. Asbjørn Holm muss das ein oder andere Kind befreien. „Ruhig und langsam“, so seine Anweisung – und den Spaten zur Hilfe nehmen, wenn die Füße stecken bleiben. Panik bricht keine aus. Die Kinder nehmen es gelassen. Es ist, wie es ist. Die Kleidung wechselt im Laufe der Stunde von der jeweiligen Ursprungsfarbe, mehr oder weniger großflächig, in das einheitliche Dunkelgrau des miozänen Glimmertons.

„Ihr müsst nach dem guten Ton graben, das ist der dunkle Ton weiter unten, die oberste Schicht ist heller“, erklärt Asbjørn. Graben müssen die Kinder selbst, obwohl das gar nicht so leicht ist. Das gehört zum pädagogischen Konzept: unterstützen, aber nichts vorwegnehmen oder gar wegnehmen.

Kinder und ein Geologe graben mit Spaten in einer schlammigen Tongrube im Freien.
Geologe Asbjørn Holm erklärt den Kindern des Fossiljagdklubs in der Tongrube Gramm, was es braucht, um Fossilien zu finden.

William hat etwas unterhalb der Gruppe seine „Fossilienmine“ gefunden. Er hat offenbar die richtige Nase. Es vergehen keine fünf Minuten, da schaut er auf und sagt recht lässig: „Ich habe einen Haizahn gefunden“. Andere brauchen Monate oder Jahre dafür oder gehen immer leer aus. 

Der Ton, der Stiefel stiehlt

Asbjørn Holm rät, den schönen Zahn in die mitgebrachte kleine Dose zu stecken. Das Fossilienfieber geht um, alle sind eifrig, aber doch mit einer gewissen Ruhe bei der Sache. Nach einer knappen Stunde, die Sonne ist schon hinter dem Wald verschwunden, wird es doch recht frisch, und Asbjørn Holm ruft zur Rückkehr ins Museum auf. 

Der Weg bergauf zum Feldweg ist beschwerlich, wieder nutzt der Glimmerton seine Chance und versucht, Gummistiefel zu stehlen – was ihm wieder gelingt. Einige Landungen auf den Knien, mit den Händen im Matsch, sind da unumgänglich.

Der Hai ist ein Listiger

Die Kälte lässt die Nase laufen, eine dunkelgraue, schniefende Karawane erreicht durchaus vergnügt das Museum, wo Schrubber und Wasserhähne warten. Die Eltern nehmen die Glimmertontruppe gelassen in Empfang. „Wir haben damit gerechnet“, sagt ein Vater.

Doch der Hai und mit ihm sein Zahn sind listig. Beim Reinigen entwischt der Zahn Williams Hand und landet zu seinen Füßen im Spülbecken, das ein Gitterrost abdeckt. „Der Fund ist es wert, ein bisschen Zeit zu investieren“, sagt Asbjørn Holm, entfernt das Gitterrost und wühlt und gräbt. Aber der Zahn hat sich gut versteckt. Gut eine Stunde lang, so berichtet Asbjørn Holm später, sucht der Geologe nach dem Zahn zusammen mit einem Freiwilligen. Sie geben alles, doch der Zahn bleibt unauffindbar. William nimmt den Verlust am Abend, als seine Mutter ihn abholt, äußerst gefasst. Vielleicht hat der Glimmerton noch einen für ihn in petto. Er hätte ihn verdient.