Naturwissenschaft

Fossilien suchen – nicht nur was für Nerds

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Asbjørn Holm macht Geologie spannend.

Schon mal 10 Millionen Jahre alte Fossilien entdeckt? In der Tongrube Gramm liegen sie einem buchstäblich zu Füßen. Museumspädagoge Asbjørn Holm begeistert Schulklassen mit der Fossiliensuche – und vermittelt dabei einen Teil der Erdgeschichte. Man muss kein Nerd sein, um schöne Stunden im Ton zu verbringen.

Fossilien suchen – langweilig und nur was für Nerds? Den Eindruck hat Asbjørn Holm nicht. Er arbeitet für das Museum Sønderjylland in der Tongrube Gramm und betreut Schulklassen, Austauschstudierende, Menschen mit Herausforderungen, den ‚Fossiljagtklub‘ und andere Gruppen, die nach Gramm kommen, um im Museum zu staunen, was man dort alles finden kann. Anschließend marschieren sie in Gummistiefeln, mit Spaten und Werkzeug ausgestattet, den kurzen Weg durch den Wald, um in der Tongrube selbst Fossilien zu suchen.

Genau das sei es, so Asbjørn Holm, was Kinder, Teenager und Erwachsene in den Bann ziehe: selbst machen. „Das Suchen, das ist etwas, was unsere Besucherinnen und Besucher mit allen Sinnen machen. Sie sind draußen, sie sehen, fassen den Ton an, riechen ihn“, sagt er. Und ja, auch dreckig werden, das gehört dazu. Zu den Sinnen gehört auch das Schmecken. Ein bisschen Ton probieren – für den Geologen kein Problem.

Eine Suche für alle Sinne

„Alle, auch die, die sich nicht mit Fossilien auskennen, bekommen schnell ein Gefühl dafür, wann der Spaten den frischen Ton erreicht“, sagt er. „Asbjørn, Asbjørn, ich habe etwas gefunden“, heißt es dann aufgeregt, und Asbjørn kommt, um sich den Fund anzuschauen. Stolz, Freude, der Drang, die Freude anderen mitzuteilen oder sich anzuschauen, was der Nachbar oder die Nachbarin am Spaten zutage befördert hat. Fossiliensuchen ist spannend und sozial, weiß Asbjørn Holm. Aber: „Es gehört auch dazu, zu sagen: Das ist nichts. Doch wenn man etwas Kleines gefunden hat, kann es gut sein, dass in der Nähe ein größerer Fund liegt“, so Asbjørn Holm. Also nicht aufgeben, weiter suchen.

Drei Stunden haben die Schülerinnen und Schüler Zeit, sich durch den Ton zu graben. Oft heißt es dann: „Was, schon Schluss?“ „Die Zeit verfliegt wie im Fluge“, weiß Asbjørn Holm, der sich auch kritischen Fragen stellen muss: Sind die Fossilien nicht einfach hier hingelegt worden? Das kennen die Kinder aus Freizeitparks. Asbjørn Holm überzeugt sie, indem er seinen Gästen das Prinzip der Ablagerung erklärt und sie beobachten lässt. Warum soll hier einmal ein Meer gewesen sein? Auch eine der Fragen, die es zu beantworten gilt.

Kein alltäglicher Fund, aber sie kommen vor – Zähne des Hais Megalodon.

Wale und Haie, Muscheln und Schnecken

Die Wellen dieses Meeres schwappten vor rund 10 Millionen Jahren, also in der Erdneuzeit, über Teile Dänemarks. Wale und der Megalodon, ein riesiger Hai, schwammen in diesem Meer. Ihre Überreste sind in dem Museum ausgestellt, zusammen mit Muscheln, Schnecken und Krabben, die man häufiger findet.

Asbjørn Holm ist Museumspädagoge (Museumsformidler). Er hat sich zum Lehrer für Biologie und Geografie ausbilden lassen und später noch an der Universität Geologie studiert – ein Fach, das so in den Schulen nicht gelehrt wird. So kombiniert er Fachwissen und das Vermögen, dieses auch zu vermitteln – je nach Altersgruppe.

Mit dem Finden allein ist es nicht getan. Die Fossilien werden im Labor bestimmt, für kleinere Funde stehen Mikroskope bereit. So lernen Schülerinnen und Schüler, das alte Meer kennen. Um das richtige Niveau zu finden, spricht Asbjørn Holm vorab mit den Lehrerinnen und Lehrern.

Asbjørn Holm erzählt voller Leidenschaft von seinem Beruf und möchte möglichst vielen Menschen etwas mitgeben. Das Museum arbeitet seinen Worten nach daran, sich zu erneuern und zu vergrößern, um mehr Menschen zu erreichen. Aber: „Wir liegen halt, wo wir liegen – in Gramm“, sagt Asbjørn Holm. Die Wege von den größeren Orten in Nordschleswig und dem nördlichen Schleswig-Holstein sind weiter. In seinem Fossiljagtklub aber gibt es zwei aus Flensburg, die die Strecke jede Woche fahren. Sie scheint es gepackt zu haben.