Deutsche Minderheit

Sozialdienst Sonderburg mit Nachwuchssorgen: „In zehn Jahren gibt es uns sonst nicht mehr“

16 Mitglieder kamen zur Generalversammlung des Sozialdienstes in das deutsche Museum nach Sonderburg.

Der Sozialdienst Sonderburg erlebte bei seiner Generalversammlung ein ruhiges Treffen – und spürte zugleich deutlich, wie schwer der Verein Nachwuchs für den Vorstand findet. Vorsitzende Hannelore Holm sorgt sich um die Zukunft des Vereins und vermisst neue junge Menschen, die sich in der deutschen Minderheit engagieren.

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Zusammenfassung

  • Der Sozialdienst Sonderburg kämpft trotz gut besuchter Generalversammlung mit fehlendem Nachwuchs im Vorstand.
  • Vorsitzende Hannelore Holm warnt vor einem möglichen Aus des Vereins in zehn Jahren und vermisst das frühere Gemeinschaftsgefühl der deutschen Minderheit.
  • Familienberaterin Sabine Frerichs leistet wichtige Arbeit, doch viele junge Familien bleiben dem Verein nicht dauerhaft als Mitglieder erhalten, während zwei Vorstandsposten weiter unbesetzt bleiben.

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Die Sorge um die Zukunft des Sozialdienstes stand im Mittelpunkt: Der Sozialdienst Sonderburg (Sønderborg) machte sich Gedanken darüber, wie der Verein ohne Nachwuchs im Vorstand bestehen und das Gemeinschaftsgefühl der deutschen Minderheit erhalten kann. Zwar erlebte der Sozialdienst Sonderburg bei seiner Generalversammlung ein gut besuchtes Treffen, doch zugleich zeigte sich deutlich, wie schwer der Verein jüngere Frauen und Männer für die Vorstandsarbeit findet.

Als es um den Vorstand ging, zeigte sich die Schwachstelle: Der Sozialdienst Sonderburg hätte sieben Vorstandsmitglieder haben können, besetzte aber nur fünf Posten. Zwei Positionen blieben nach dem Ausscheiden von Melanie Bertelsen und S. Shanmuganathan unbesetzt. 

Hannelore Holm (stehend) bei einem Montagsclub des Sozialdienstes im Janaur 2025

Die Aufgaben teilen sich Hannelore Holm, Kassiererin Gudrun Kromand, Elisabeth Sørensen und Dorothee Knabe als Vertreterin im Verbandsvorstand sowie die 86-jährige Beisitzerin Doris Ravn. „Wer schreibt das Protokoll, wer verschickt die Einladungen – das mussten wir vorher nicht überlegen“, sagte Holm. Jetzt übernimmt sie selbst nachmittags das Protokoll der Generalversammlung und erledigt viele zusätzliche Dinge neben der eigentlichen Vorsitzarbeit.

Dieses Gemeinschaftsgefühl, in dem wir groß geworden sind – das vermisse ich manchmal.

Hannelore Holm

Holm beschrieb offen, wie sich diese Lage für sie anfühlte. „Ich habe gesagt: In zehn Jahren gibt es uns sonst nicht mehr, wenn sich keine neuen Kräfte finden“, sagte sie mit Blick auf das Durchschnittsalter im Vorstand. Sie und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter gehörten längst nicht mehr zur Gruppe 50 plus, wie sie es formulierte, sondern zu 70 plus. 

„Das zeigt das, wie eng der Kreis geworden ist“

Die Vorsitzende erlebt, dass junge Frauen und Männer zwar in der Minderheit aktiv sind, ihre Zeit jedoch vor allem in Familienleben und Sportvereine investieren. „Junge Leute zu aktivieren für so eine freiwillige Arbeit ist ganz schwierig“, sagt sie.

Besonders nachdenklich blickte sie auf das traditionelle Minderheitengefühl, das sie aus früheren Jahren kannte. „Dieses Gemeinschaftsgefühl, in dem wir groß geworden sind – das vermisse ich manchmal“, sagte Holm. Sie beobachtete, dass bei vielen Veranstaltungen weiterhin „die gleichen Leute“ kamen, oft seit Jahrzehnten engagierte Frauen und Männer. In anderen Ortsvereinen der deutschen Minderheit erkannte sie denselben Trend. „Wenn überall die gleichen Kandidaten oder deren Kinder Verantwortung übernehmen, zeigt das, wie eng der Kreis geworden ist“, beschrieb sie die Lage.

Starke Familienberaterin und ein kleiner Unterschuss

Gleichzeitig verwies sie auf die Arbeit der Familienberaterin Sabine Frerichs. Frerichs begleitet junge Familien und betreut auch ältere, vereinsamte Menschen. Während ihres Berichts bei der Generalversammlung schilderte sie Situationen, in denen sie Menschen besuchte und versuchte, sie zu aktivieren und wieder in die Gemeinschaft zu holen. 

„Was Sabine erzählt hat, rührt einen fast zu Tränen“, sagte Holm und lobte die Arbeit der Familienberaterin ausdrücklich. Doch die Struktur zeigte eine Grenze: Sobald die direkte Betreuung durch Frerichs endete, blieben viele der jüngeren Familien nicht als beitragszahlende Mitglieder im Sozialdienst. „Wenn ihre Betreuung aufhört, dann bezahlen sie kein Kontingent mehr und wir kommen nicht mehr an sie heran“, fasste Holm die Situation zusammen.

Jan Wachtberg Schmidt stellte sich als Kandidat für den Posten des zweiten Hauptvorsitzes vor. Als stimmberechtigte Delegierte vom Sozialdienst Sonderburg fahren am 2. Juni Doris Ravn und Gudrun Kromand nach Tingleff zur BDN-Hauptversammlung.

Hannelore Holm begrüßte die 16 Frauen und Männer im Saal des Deutschen Museums Nordschleswig in Sonderburg am Sonnabend zur Generalversammlung und blickte in ihrem Jahresbericht auf ein aktives Jahr mit gut besuchten Veranstaltungen zurück. Besonders erinnerte sie an den Besuch einer Glaskünstlerin im Geschäft „De Kreative“ von Silvia Steger und an die Runde mit Gertraudt Jepsen vom Sozialdienst Schleswig. „Diese Veranstaltungen kamen sehr gut an und haben viele angeregt, mitzudenken“, sagte Holm.

Die finanzielle Lage des Vereins erschien der Vorsitzenden weniger dramatisch. Revisor Jörn Petersen legte stellvertretend für die entschuldigte Kassiererin Gudrun Kromand einen Bericht mit einem Minus von rund 10.000 Kronen vor. Holm betonte jedoch, dass der Verein genügend Rücklagen besaß. Die anwesenden Mitglieder entlasteten den Vorstand ohne Beanstandung.

Wir brauchen dringend neue Leute, die mitmachen.

Hannelore Holm

Die Wahlen bei der Generalversammlung verliefen ohne Überraschungen. Hannelore Holm, Doris Ravn, Elisabeth Sørensen und Dorothee Knabe stellten sich erneut zur Wahl und nahmen ihre Wiederwahl für zwei Jahre an. Auch Revisor Jörn Petersen nahm eine Wiederwahl für ein Jahr an. Zwei Stellen im Vorstand bleiben vakant. „Wir wurden alle wiedergewählt und waren alle bereit, weiterzumachen“, sagte Holm und ergänzte: „Aber die zwei freien Plätze bleiben weiterhin unbesetzt.“

Für Hannelore Holm blieb nach dieser Generalversammlung ein doppeltes Gefühl. Sie erlebte eine vertraute Runde, die sich engagiert austauschte, und sah zugleich die Grenzen dieses Kreises. „Es war eine sehr schöne Runde“, sagte sie, „aber wir brauchen dringend neue Leute, die mitmachen.“