Weltfrauentag

Gleichstellung mit Natürlichkeit: Wencke Andresen über Engagement, Vorbilder und den Abschied aus der Jugendpolitik

Wencke Andresen gibt ihren Posten als Vorsitzende der Jungen Spitzen ab, um ab August in Aarhus Lehramt zu studieren (Archivbild).

Wencke Andresen gibt ihr Amt als Vorsitzende der Jungen Spitzen ab, um ihrem Traum nachzugehen, Lehrerin an einer deutschen Minderheitenschule zu werden. Warum Gleichberechtigung für sie am besten funktioniert, wenn sie selbstverständlich gelebt wird und weshalb sie der Minderheit dennoch verbunden bleiben will, erzählt die Nordschleswigerin im Gespräch.

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Zusammenfassung

  • Die 20-jährige Wencke Andresen engagiert sich in der deutschen Minderheit für Gleichstellung und Jugendpolitik.
  • Als Vorsitzende der Jungen Spitzen setzt sie auf gelebte Gleichberechtigung durch ein vielfältig besetztes, motivationsorientiertes Team.
  • Sie gibt ihre Ämter auf, um in Aarhus Lehramt zu studieren, will aber langfristig nach Nordschleswig zurückkehren und an einer Minderheitenschule unterrichten.

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„Ich möchte zeigen, dass die Jugend in Nordschleswig bei Gleichstellung mitreden kann. Bei uns in der Jugendorganisation fragt man sich gar nicht: Ist das jetzt ein Junge oder ein Mädchen? Wir suchen motivierte Menschen mit guten Ideen und positiver Energie.“ Diese Sätze sagt Wencke Andresen ruhig, und sie beschreiben ziemlich genau, wie sie Politik versteht.

Wencke Andresen ist in der deutschen Minderheit in Nordschleswig aufgewachsen, lebt derzeit noch in Nolde bei Bülderup-Bau (Bylderup-Bov) und ist mit 20 Jahren Vorsitzende der Jugendorganisation Junge Spitzen. Gleichzeitig engagiert sie sich in der AG Gleichstellung der deutschen Minderheit, gibt ihre Ämter nun jedoch auf, um ihrem Wunschstudium Lehramt nachzugehen.

„Wir stehen nicht nur für Gleichstellung ein, wir leben sie.“

Wencke Andresen

Zur AG Gleichstellung der deutschen Minderheit kam Andresen über die Jungen Spitzen: „Wir wurden gefragt, ob wir jemanden entsenden möchten. Vor mir war das unsere ehemalige Vorsitzende Katharina Kley, und ich habe den Posten als neue Vorsitzende gerne übernommen.“

Der Stand der AG-Gleichstellung

Die AG-Gleichstellung wurde 2019 unter dem Dach des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) gegründet und beschäftigte sich zuletzt vor allem mit dem Umgang mit Sexismus und der Weiterentwicklung eines entsprechenden Leitfadens. Allerdings stockt die Arbeit: Die letzte Sitzung fand im Sommer 2025 statt.

Eigentlich hätten die Verbände der Minderheit bis Ende 2025 Berichte zum Thema Gleichstellung vorlegen sollen. Dies ist bislang auch noch nicht geschehen.

Der AG gehören neben Wencke Andresen und Uwe Jessen auch Lene Neumann Jepsen, Käthe Nissen, Anne-Sofie Buhrmann Dideriksen, Marion Petersen, Claudia Knauer, Friederike „Lulu“ Kuhrt und Thore Naujeck an.

Die Jungen Spitzen als positives Beispiel

Das Thema Gleichstellung sei Andresen persönlich wichtig, selbst wenn sie es nicht als ihr „Steckenpferd“ bezeichnet. Gerade als Vorsitzende der Jungen Spitzen möchte sie, auch mit Hinblick auf die Zusammensetzung in der Jugendpartei, ein Vorbild sein.

„In unserem Vorstand bei den Jungen Spitzen sind wir gleichgestellt – sowohl was die Verteilung von Frauen und Männern angeht als auch insgesamt als bunt gemischtes Team. Wir wollen mit diesem Beispiel vorangehen und zeigen, dass es funktionieren kann. Wir stehen nicht nur für Gleichstellung ein, wir leben sie auch.“

Wencke Andresen engagiert sich seit Jahren in der Jugendorganisation der deutschen Minderheit (Archivbild).

Tatsächlich hat sich bei den Jungen Spitzen in den vergangenen Jahren einiges verändert. „Früher war der Verein sehr männerdominiert, und es gab auch Sexismus-Vorwürfe“, sagt Wencke Andresen. Das sei allerdings vor ihrer Zeit gewesen, heute erlebt sie die Jugendorganisation ganz anders. Zeitweise habe der Vorstand sogar nur aus Mädchen bestanden. „Da haben wir auch überlegt, wie wir mehr Jungs einbeziehen und wieder ein ausgewogeneres Team schaffen können.“

Gleichstellung als Selbstverständlichkeit

Was macht die Jungen Spitzen aus Sicht von Andresen anders? Laut der Nordschleswigerin seien Motivation, Ideen und Engagement entscheidend, statt Geschlechterfragen.

„Bei uns ist es einfach diese Natürlichkeit. Ob die Idee von Helga oder Hans kommt, ist nebensächlich. Ich glaube, so kommt die Gleichstellung ganz von allein, ganz natürlich.“

Mehr Frauen in Führungspositionen der deutschen Minderheit fände die 20-Jährige wünschenswert, aber nicht um jeden Preis: „Natürlich wäre es schön, wenn mehr Frauen an der Spitze wären. Aber sie sollten genauso qualifiziert sein oder besser. Das Geschlecht an sich sollte aus meiner Sicht nicht der ausschlaggebende Punkt sein.“

Politik im Blut

Ihr eigenes Interesse an Politik wurde ihr gewissermaßen in die Wiege gelegt. Andresen wuchs in einer engagierten Familie auf – auch ihr Vater war viele Jahre politisch bei der SP aktiv. „Es war für mich ganz natürlich, mich auch selbst zu engagieren.“

Diese Haltung möchte sie an andere junge Frauen weitergeben. „Mir persönlich gibt politisches Engagement sehr viel. Ich blühe darin auf. Allein für die persönliche Entwicklung würde ich das jedem empfehlen.“

Für Wencke Andresen war politisches Engagement früh selbstverständlich (Archivbild).

Den rauer werdenden Ton in der Politik sieht sie allerdings kritisch: „Das ist leider ein Problem, das generell zunimmt, und was sich ändern muss. Respekt ist entscheidend. Wenn der fehlt, kann das junge Frauen, aber auch junge Männer abschrecken, sich politisch zu engagieren.“

Persönlich habe sie diesbezüglich aber keine negativen Erfahrungen gemacht. „In der Minderheit bin ich immer offen und herzlich aufgenommen worden“, so Andresen.

Ein Abschied auf Zeit

Ein Höhepunkt war für sie der jüngste Wahlkampf der Jungen Spitzen mit sechs jungen Kandidatinnen und Kandidaten sowie mehr als 600 persönlichen Stimmen. „Zu sagen: Ich habe dazu beigetragen, ist ein tolles Gefühl.“

Doch im August zieht es sie zunächst weg aus Nordschleswig: Andresen wird in Aarhus Volksschullehramt mit dem Hauptfach Mathematik studieren. Derzeit arbeitet sie bereits als Aushilfslehrerin an einer dänischen Grundschule in Osterhoist (Øster Højst).

Mein Traum ist es, an einer Minderheitenschule zu unterrichten.

Wencke Andresen

Bei der Generalversammlung am 12. März wird sie nicht erneut als Vorsitzende der Jungen Spitzen kandidieren. „Wenn ich nach Aarhus gehe, ist es Zeit, dass jemand übernimmt, der hier vor Ort ist.“

Ihr langfristiges Ziel bleibt dennoch, nach dem Studium nach Nordschleswig zurückzukehren und sich vor Ort auch wieder politisch zu engagieren: „Die Minderheit liegt mir sehr am Herzen, und ich bin total gerne hier, aber ich glaube, es wird mir guttun, mal hinauszukommen und andere Eindrücke zu sammeln, um dann gestärkt nach Nordschleswig zurückzukehren. Mein Traum ist es, später an einer Minderheitenschule zu unterrichten“, so Andresen.