ZUSCHRIFT

Gemeinschaft leben – Vielfalt nutzen

Hände tippen auf der Tastatur eines aufgeklappten Laptops.
Symbolfoto

Claudia Knauer schreibt über Glück und die Gemeinschaft in der deutschen Minderheit.

Veröffentlicht

Zuschriften

Dieses ist eine Zuschrift. Leserinnen und Leser können sich auf diese Weise auf die Berichterstattung des „Nordschleswigers” beziehen und ihre Sicht der Dinge schildern. Die hier geäußerten Ansichten und Meinungen geben nicht unbedingt die Haltung der Redaktion wieder.

Dänemark wird erneut als eines der glücklichsten Länder der Welt gefeiert. Im Jahresbericht 2026 des World Happiness Reports der Uni Oxford, von Gallup und des UN Sustainable Development Solutions Networks ist Dänemark gegenüber der Periode von 2018-2024 im Jahr 2025 zwar wieder auf den dritten Platz zurückgefallen, befindet sich nach Finnland und Island aber in der Spitzengruppe, hat gewissermaßen die Bronzemedaille erreicht. 

Als Gründe werden im Report soziale Sicherheit, Vertrauen und ein starkes Gemeinschaftsgefühl genannt. Auch in der deutschen Minderheit in Nordschleswig werden diese Werte gelebt.

Wir leben und erleben Gemeinschaft nicht als Schlagwort, sondern im Alltag miteinander. Vertrauen entsteht bei uns nicht durch politische Appelle, sondern durch Verlässlichkeit, Engagement und Begegnung. Wir stehen füreinander ein und das wird durch die Selbsthilfe und den Sozialdienst institutionell gestützt. Und zwar auch dann, wenn in der Minderheit, wie überall in der dänischen Gesellschaft und auch in der dänischen Minderheit südlich der Grenze, manchmal schwere Entscheidungen gefällt werden müssen (wie in Rapstedt) – und auch dann, wenn wir einmal nicht mit einer Entscheidung zufrieden sind bzw. zufrieden sein können, sollen und werden wir weiter füreinander einstehen.

Aber warum gelingt es hier im Norden, insgesamt gesehen, ein starkes Zugehörigkeitsgefühl zu schaffen, während in anderen europäischen Gesellschaften zunehmend Polarisierung, Misstrauen und soziale Vereinzelung dominieren? Und warum wird das Potenzial solcher gewachsenen Gemeinschaftsstrukturen politisch so selten ernsthaft aufgegriffen?

Die deutsche Minderheit zeigt, dass funktionierende Gemeinschaften nicht mehr selbstverständlich sind, sondern Zeit, Raum und politische Anerkennung brauchen – und dass Integration nicht durch Vereinheitlichung entsteht, sondern durch das Zulassen von Vielfalt mit klarer Verankerung und Akzeptanz für- und miteinander in einer modernen Lebenswelt. Machen wir uns angesichts des Word Happiness Reports doch wieder einmal klar, was wir hier miteinander haben und was es auch – im Übrigen heutzutage leider auch wieder militärisch – unbedingt zu verteidigen gilt.

Aber: Um für die Zukunft gerüstet zu sein, muss diese Vielfalt weiter gelebt und sollen diejenigen, die dazu kommen wollen, willkommen geheißen werden, wenn sie unsere Werte teilen, sich beteiligen wollen und für die plurale und liberale Demokratie einstehen. Es gibt nicht DIE deutsche Minderheit, sondern sie besteht aus vielen Individuen, die auf einem gemeinsamen Fundament – unserer deutschen Sprache und Kultur – Gemeinschaft schaffen und sichern wollen. Genauso wenig gibt es natürlich DEN oder DIE neu Hinzugezogene. Wir müssen offen sein für die Verschiedenheit, sie wertschätzen und nutzen und die Menschen, die zur deutschen Minderheit finden, freundlich aufnehmen und sie einbinden. Wir wollen kein Selbstbedienungsladen sein und auch kein geschlossener Kreis. Wagen wir Aufgeschlossenheit. Wagen wir Entschlossenheit, für uns, die Unseren und unsere Demokratie einzutreten.

Claudia Knauer, Apenrade,
Kandidatin für den Hauptvorsitz des Bundes Deutscher Nordschleswiger