Kultur

Statuen von Franciska Clausen und Bitten Clausen unter den Top 100-Vorschlägen

Bronzebüste auf Steinsockel vor kahlen Bäumen und verschneiter Straße bei Sonnenaufgang
Die Statue von Königin Caroline Amalie in Augustenburg ist eine von fünf Statuen von bekannten Frauen.

In Nordschleswig stehen lediglich fünf historische Frauenstatuen. Der Kulturminister stellt jetzt Mittel bereit, damit es mehr werden können. Eine Arbeitsgruppe hat einen Vorschlag mit 100 Frauen erarbeitet, die eine Statue verdient hätten. 

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Zusammenfassung

  • Der Kulturminister will mit zehn Millionen Kronen mehr Statuen historischer Frauen im öffentlichen Raum finanzieren.
  • Auf einer neuen Top-100-Liste stehen auch die Apenrader Künstlerin Franziska Clausen und die Danfoss-Vorsitzende Bitten Clausen.
  • Für Nordschleswig eröffnen sich damit Chancen auf zusätzliche Denkmäler, da es dort bislang nur fünf Frauenstatuen gibt.

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Eine Statue der Künstlerin Franziska Clausen in Apenrade (Aabenraa). Und eine der Danfoss-Vorsitzenden Bitten Clausen in Norburg (Nordborg) oder Hadersleben (Haderslev). Das könnte mit finanzieller Unterstützung des Kulturministeriums Wirklichkeit werden.

Kulturminister Jakob Engel-Schmidt (Moderate) reagiert darauf, dass nur wenige Statuen von namentlich bekannten Frauen im öffentlichen Raum aufgestellt sind. Das „Museum of Art in Public Spaces“ (MAPS) hat im ganzen Land lediglich 43 Statuen von historischen Frauen registriert. Von Männern gibt es 483.

Staatlicher Zuschuss für Frauenstatuen

Engel-Schmidt hat ein Fachgremium gebeten, eine Liste mit 100 Frauen zu erstellen, die eine Statue verdient hätten. In die Liste sind auch Vorschläge aus der Bevölkerung eingeflossen.

Der Minister hat den Finanzausschuss des Folketings ersucht, 10 Millionen Kronen bereitzustellen, um die Aufstellung von Frauenstatuen zu fördern. Sowohl Kommunen als auch Private können Mittel aus dem Topf beantragen.

Fünf Statuen in Nordschleswig

Nach aktuellem Wissensstand des „Nordschleswigers“ gibt es im Landesteil fünf Statuen von historischen Frauen. MAPS hat in Nordschleswig lediglich drei davon registriert. Wie bereits zuvor berichtet, ist die Statue von Inge Adriansen in Sonderburg (Sønderborg) übersehen worden. 

Ein aufmerksamer Leser hat seither den „Nordschleswiger“ darauf aufmerksam gemacht, dass in Lügumkloster (Løgumkloster) eine weitere steht: Kjestine Andersen (1855 – 1951) genannt „Stinne mæ æ Bibel“. 

Bronzestatue einer Frau vor weißem Haus mit Sprossenfenstern
„Stinne mæ æ Bibel“ steht in Lügumkloster.

Weder in der Kommune Hadersleben noch in der Kommune Apenrade hat MAPS die Skulptur einer historischen Frau registriert. Das kann sich mit den Mitteln aus dem Kulturministerium ändern, sofern lokal der Wunsch hierzu existiert.

Franziska Clausen

Die 1899 in Apenrade geborene Künstlerin Franziska Clausen gehört zu den 100 Frauen auf der Liste. Sie ist für ihre abstrakten Werke bekannt. Clausen studierte zunächst an der Grossherzoglichen Kunstschule in Weimar, dem späteren Bauhaus. 

Nach der Grenzziehung 1920 ging sie an die Kunstakademie in Kopenhagen, kehrte jedoch kurze Zeit später nach Deutschland zurück, wo sie von der Avantgardekunst beeinflusst wurde. Sie wurde eine zentrale Person in der Pariser Kunstszene und schloss sich der internationalen Kunstgruppe „Cercle et Carré“ an. 

Das Foto von Erik Smedegaard zeigt die Apenrader Künstlerin Franciska Clausen vor einigen ihrer Porträts, die sie nach ihrer Rückkehr aus Berlin und Paris in der nordschleswigschen Heimat geschaffen hat.

Clausen ging jedoch das Geld aus, und sie kehrte 1932 zurück nach Apenrade. In Dänemark wurde ihre abstrakte Kunst zunächst nicht anerkannt, und sie musste sich mithilfe naturalistischer Porträtmalerei ernähren. Das Interesse an ihren modernistischen Werken stieg jedoch im Laufe der 50er-Jahre, und sie nahm die abstrakte Malerei wieder auf.

Umfassend gewürdigt wurde ihr küstlerisches Schaffen erst nach ihrem Tod 1986. Franciska Clausen hinterließ sich eine große Sammlung, die ab 1990 im Kunstmuseum Trapholt in Kolding ausgestellt wurde. 2011 wurde die Sammlung nach Schloss Brundlund in Apenrade überführt.

Bitten Clausen

Bitten Clausen wird auf der Top-100-Liste als „visionäre Wirtschaftsfrau“ beschrieben. Sie wurde 1912 als Dorthea Emma Andkjær Hinrichsen in Hadersleben geboren, wo sie aufwuchs. 1939 heiratete sie den Ingenieur Mads Clausen, der 1933 bei Nordburg „Dansk Køleautomatik- og Apparatfabrik“ gegründet hatte. 

Gertraud Jepsen veröffentlichte 2008 eine Biografie von Bitten Clausen.

Vom ersten Tag der Ehe war Bitten Clausen an allen zentralen Entscheidungen im Betrieb beteiligt, der seit 1946 „Danfoss“ heißt. Als er 1961 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, war sie eines der drei Gründungsmitglieder. Der Beschluss, dass sie im Fall des Todes ihres Mannes, den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen sollte, zeugt von ihrer Bedeutung für das Unternehmen.

Mit dem plötzlichen Tod von Mads Clausen wurde dies 1966 aktuell. Gemeinsam mit der Firmenleitung setzte sie die Expansion fort. 1966 hatte „Danfoss“ 6.000 Angestellte. Als Bitten Clausen 1971 den Vorsitz abgab, waren es 10.000. Der Umsatz war um 75 Prozent gestiegen.

Vor ihrem Rücktritt gründete sie den „Bitten og Mads Clausen Fond“ und überführte 50 Prozent der „Danfoss“-Aktien in die Stiftung. Mit dem Schritt sicherte sie, dass das Unternehmen nicht von anderen übernommen werden konnte. 

Bitten Clausen sorgte sich ebenfalls um das soziale und kulturelle Profil des Unternehmens und schuf Wohlfahrtsregelungen und Fortbildungsmöglichkeiten für die Angestellten. Sie setzte sich außerdem stark für die lokale Gemeinschaft ein. 2016 starb sie im Alter von 103 Jahren. 

Frauen aus der Minderheit

Das Fachgremium, das die Top-100-Liste erstellt hat, hat sie auf Grundlage einer Datenbank mit über 3.000 Namen erstellt. Diese sollen als Inspiration für weitere Frauenstatuen dienen. 

„Die Kunst soll selbstverständlich lokalen Initiativen entspringen. Ich denke, dass die ungefähr 3.000 Namen ein hervorragendes Werkzeug für lokalen Meinungsaustausch und Stolz sind“, sagt Kulturminister Jakob Engel-Schmidt.

Unter den 3.000 Namen finden sich auch Frauen aus der deutschen Minderheit. Eine von ihnen ist Anna Martensen (1869 – 1945), die 1928 den Wohlfahrtsdienst in Tingleff (Tinglev) gründete. Nach der Bombardierung von Hamburg 1943 organisierte sie Unterschlupf für 5.000 Menschen in Nordschleswig. 

Die Leiterin der Volkshochschule Tingleff, Martha Werther (1881–1972), steht ebenfalls in der Datenbank. Sie leitete die Schule von 1907 bis 1945 auf der Grundlage der Pädagogik von N.F.S. Grundtvig, von dem die Idee zu den Volkshochschulen stammt. Sie hat Generationen von jungen Frauen aus der Minderheit mit einer Kombination von nationaler Identität und kultureller Offenheit geprägt.