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Das Gute liegt so nah: „Glødelampen“ ist der Anfang für Apenrades Zukunft

„Glødelampen" – Das frühere VUC-Gebäude ist ein wertiges Ambiente für ein modernes Doppelmuseum.

Kultur: Ein neues Museum belebt die Innenstadt. Die Entscheidung für die 'Glødelampe' zeigt Weitsicht. Besucherzahlen könnten den Einzelhandel stärken und neue Ideen fördern.

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Dieses ist ein Kommentar aus der Redaktion des „Nordschleswigers“. Bei Kommentaren handelt es sich um journalistische Meinungsbeiträge und nicht um objektive Berichte.

Manchmal liegt die gute Lösung nicht im Neuen, sondern im Vorhandenen.

Die Entscheidung der Kommune Apenrade (Aabenraa), die sogenannte „Glødelampe“ zu kaufen, ist so ein Fall. Jahrelang war ein Neubau am Kilen der „richtige“ Weg. Doch wie so oft liegt das sprichwörtlich Gute so nah.

Mitten in der Stadt entsteht nun ein Ort, der nicht nur Ausstellungen zeigen wird, sondern Teil des Alltags werden kann. Wer durch die Fußgängerzone geht, kann künftig auch ins Museum gehen. Das ist mehr als ein Standortvorteil – das ist ein anderes Verständnis davon, wie sich Kultur in einer Stadt auswirkt.

Groß denken und planen

Bürgermeister Jan Riber Jakobsen greift hoch, wenn er das neue Haus in eine Reihe mit dem Louisiana Museum of Modern Art stellt. Ob dieser Vergleich trägt, wird sich zeigen. Aber der Anspruch dahinter ist wichtig. Er setzt ein Signal: Apenrade will mehr als solide sein. Und das ist ein richtiger Schritt. Heute muss man groß denken – und planen. Es reicht nicht mehr sich mit dem Mittelmaß zufriedenzugeben, wenn man die Zukunft für die Stadt retten will. Apenrade liegt zentral und bietet nicht nur durch die gute verkehrstechnische Anbindung gute Perspektiven: Strand, Wald und jetzt auch Kultur – was will man mehr.

Der Weg dorthin wirkt zwar bodenständig, denn statt neu zu bauen, nutzt die Kommune ein Gebäude weiter, das es bereits gibt. Früher Fabrik, dann Schule, nun Museum – das ist eine klare Entscheidung für einen vernünftigen Umgang mit Ressourcen, der in diese Zeit passt. Weniger Material neu verbauen, mehr weiterdenken.

Hinzu kommt: Die „Glødelampe“ liegt dort, wo Leben ist. Ein Museum am Kilen hätte sich entwickeln müssen. Dieses Museum trifft auf eine bestehende Stadt. Auf Geschäfte, Cafés, Wege und vor allem auf Menschen.

Folgen für die lokalen Kaufleute und Hoteliers

Wenn tatsächlich 40.000 bis 60.000 Gäste im Jahr kommen, wie Museumsdirektor Alex Johnsen es schätzt, dann gibt es neue Bedürfnisse: Der Einzelhandel, Hotelgewerbe und die Gastronomie dürfen sich deshalb freuen. 

Vielleicht ist genau das die eigentliche Chance: dass sich rund um das Museum etwas bewegt. Dass neue Ideen entstehen. Dass jemand den Mut hat, ein Café zu eröffnen oder ein kleines Hotel.

Auch für die Region kann das Projekt Gewicht bekommen. Zusammen mit Angeboten in Sonderburg, Hadersleben und Tondern (Tønder) entsteht eine Dichte, die Kulturinteressierte anzieht. Nicht als einzelner Höhepunkt, sondern als Netzwerk. Ein Tag hier, ein Tag dort – und plötzlich lohnt sich der Weg ins Grenzland auch außerhalb der Sommersaison.

Museumsdirektor Axel Johnsen hat es auf einen einfachen Punkt gebracht: Das neue Haus wird auch ein Ziel für Tage, an denen das Wetter nicht mitspielt. Das klingt unspektakulär – ist aber für den Tourismus oft entscheidend.

Bleibt die Frage, ob aus der Idee auch ein Ort wird, der trägt. Ein Museum allein verändert keine Stadt. Aber es kann ein Anfang sein. Ein Impuls, der zeigt, was möglich ist, wenn eine Kommune nicht nur verwaltet, sondern gestaltet.

In der „Glødelampe“ steckt genau dieses Potenzial.