Kultur und Freizeit

Bahnstrecke Tingleff-Tondern als Wanderweg: Albert Callesen machte die Probe aufs Exempel

Älterer Mann geht auf zugewachsener stillgelegter Bahnstrecke durch eine ländliche Landschaft.
Albert Callesen ist die ehemalige Bahnstrecke zwischen Tondern und Tingleff entlang marschiert.

Eine Initiatorengruppe im Raum Bjolderup verfolgt das Ziel, die ungenutzte Bahntrasse zwischen Tondern und Tingleff in einen Rad- und Wanderweg zu verwandeln. Der Gruppe gehört Albert Callesen an. Er schlüpfte kürzlich in die Rolle des Versuchskaninchens und ging die rund 27 Kilometer lange Strecke ab. Am 15. April gibt es ein Informationstreffen zum Vorhaben.

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Zusammenfassung

  • Eine Bürgergruppe mit Albert Callesen möchte die stillgelegte Bahnstrecke Tingleff-Tondern in einen Rad- und Wanderweg umwandeln.
  • Callesen ist die Strecke probeweise abgelaufen, um Zustand, Hindernisse und Aufwand für eine Freilegung der Trasse einzuschätzen.
  • Am 15. April informiert die Gruppe im Reppelcenter über das Projekt, über Beispiele in anderen Gebieten und lässt die Bürgermeister der Kommunen Apenrade und Tondern zu wort kommen.

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Auf eine Mini-Pilgerreise begab sich kürzlich Albert Callesen aus Tingleff. In Begleitung seines Hundes marschierte der 73-Jährige ganz allein entlang der nicht mehr genutzten Bahnstrecke Tingleff-Tondern (Tinglev-Tønder). 

Seine Wander-Mission auf rund 20 der insgesamt 26,7 Kilometer langen Strecke hatte weniger einen meditativen, sondern vielmehr praktischen Grund: Callesen gehört einer Gruppe an, die sich für die Umgestaltung der Bahnstrecke in einen Rad- und Wanderweg für Einheimische und Touristen einsetzt. 

Reppeller Taskforce

Als ehemaliger Bjolderuper hat er sich mit Andreas Brandenhoff und weiteren Kräften der Reppel Begegnungsstätte „Folkekulturhuset Rebbøl“ zusammengetan, um das Projekt voranzutreiben. Für den 15. April lädt die Gruppe von 14 bis 15.45 Uhr zu einer Informationsveranstaltung ins Reppelcenter ein. 

Mit dabei sind unter anderem die Bürgermeister der Kommune Apenrade (Aabenraa) und Tondern (Tønder), Jan Riber Jakobsen (Konservative) und Jørgen Popp Petersen (SP).

„Die beiden Kommunen sind ganz wichtig für die Realisierung. Wir hoffen auf ihr Mitwirken“, sagt Albert Callesen, der bei der Infoveranstaltung auch selbst zu den Referenten gehört und seine Eindrücke und Erfahrungen von der Probewanderung schildern wird.

Neuer Input für alte Idee

Die Idee, die seit 2002 nicht mehr genutzte Trasse als Naherholungsgebiet für Radfahrende und Spazierende zu nutzen, ist nicht neu. Die Reppeler Gruppe will einen weiteren Versuch starten, das Unterfangen weiterzubringen.

„Wir stehen mit vielen Mitstreitenden in Kontakt“, sagt Albert Callesen am Bahnübergang am Todsbølvej vor Tingleff, wo seine Pilgerung endete. 

Älterer Mann steht an einem verblassten Verkehrsschild an einer Landstraße neben kahlen Büschen.
Albert Callesen am Todsbølvej vor den Toren Tingleffs. Bei einem Wanderweg entlang der Schienen gilt es, das Überqueren der Straße so sicher wie möglich zu machen.

Im Austausch stehe man mit „Tinglev Forum“, Dachorganisation der örtlichen Vereine und Einrichtungen, und mit dessen Pfadgruppe (stigruppe), „die Abschnitte der Bahnstrecke ja schon seit Jahren gern in ihr Netz mit Spazierwegen einbauen würden.“

Die Bahnstrecke Tondern-Tingleff

  • 26,7 Kilometer eingleisige Strecke
  • Eröffnet am 26. Juni 1867
  • Personenverkehr bis 1971
  • Güterverkehr bis 2002
  • Die Weichen in Tondern und Tingleff wurden entfernt und durch Gleisrahmen ersetzt
  • Die Strecke wird seit 2002 nicht mehr instand gehalten 

Quelle Banedanmark

Bülderup als Blaupause

Kontakt habe man auch zu Interessengruppen im Tonderner Raum und insbesondere zu Bülderup (Bylderup), wo in Sachen Wanderweg Pionierarbeit geleistet wurde. In Abstimmung mit der dänischen Bahnbehörde ist ein etwa 1,2 Kilometer weiter Abschnitt parallel zum Engvej mit ehrenamtlichem Einsatz freigeräumt und als Spazierweg angelegt worden, einschließlich Infotafeln zur Geschichte der Bahnstrecke. 

Schmaler Weg auf einer stillgelegten Bahntrasse mit zwei großen Felsblöcken und kahlen Bäumen.
In Bülderup ist mithilfe ehrenamtlicher Kräfte bereits ein Teilstück der Bahnstrecke in einen Spazierweg verwandelt worden.

„Die haben da ganze Arbeit geleistet und Tolles entstehen lassen“, schwärmt Albert Callesen, der in der Bülderuper Teilstrecke eine Blaupause für das Gesamtprojekt sieht.

So mir nichts, dir nichts, ist die Trasse von Büschen und Bäumen allerdings nicht freigeräumt. Das hat Albert Callesen bei seiner Wanderung hautnah erlebt. 

„Ich bin ganz viel neben den Bahnschienen entlanggelaufen, weil die Schienen vollgewuchert sind. Das alles freizuräumen, erfordert einen großen und auch fachmännischen Einsatz. Unsere Hoffnung ist, dass sich dafür viele Freiwillige mit entsprechendem Gerät zur Verfügung stellen und auch die Kommunen mitmachen “, erwähnt der 73-Jährige.

Zugewachsene Bahngleise mit jungem Baumbestand und Laub am Boden
Viele Abschnitte der Bahnstrecke, wie hier am Slogsherredsvej in Bülderup, sind zugewachsen.

Callesen hatte sich morgens gegen 8 Uhr kurz vor Tondern auf dem Weg gemacht und war am Nachmittag gegen 15.30 Uhr am Todsbølvej bei Tingleff angekommen. Unterwegs nahm er alte Bahnhöfe und Gebäude vergangener Eisenbahnzeiten in Augenschein und fotografierte sie.

Stilllegung kontra Wiedereröffnung

Man sei sich darüber im Klaren, dass es auch Befürwortende einer Wiedereröffnung der Bahnstrecke für den Personen- und Güterverkehr gibt. Ob die Wünsche realistisch sind, insbesondere finanziell, bezweifelt Albert Callesen. 

Offiziell stillgelegt ist die Strecke noch nicht. Ein Wander- und Radweg würde daher, wie in Bülderup geschehen, so angelegt werden, dass er im Falle einer Wiederinbetriebnahme relativ einfach zurückzubauen ist, so Callesen.

Infotafel mit historischem Foto eines Bahnhofs neben Gleisen auf einer Rasenfläche.
Infotafel mit einem alten Postkartenfoto (1903) vom Bahnhofsgebäude in Bülderup-Bau

Zu den Befürwortern einer Wiedereröffnung des Schienenverkehrs gehört unter anderem „Styregruppen vedrørende jernbaneforbindelsen mellem Tønder, Tinglev og Sønderborg“ (STTS). 

Laut Berechnungen der Bahnbehörde (2017) würde eine Wiederherstellung der Trasse etwa 225 Millionen Kronen kosten. Hinzu kommen Ausgaben für Schranken und Signalanlagen. Gruppen wie STTS bezweifeln, dass die Kosten so immens hoch sein würden.

Fragen erwünscht

Zur Infoveranstaltung im Reppelcenter am 15. April sind alle Interessierten willkommen und sie dürfen gern Fragen stellen, heißt es von der Initiatorengruppe. Der Programmablauf ist wie folgt vorgesehen:

1. Begrüßung und Lied
2. Details zur Geschichte der Bahnstrecke
3. Fotos von der Trasse, wie sie heute aussieht
4. Albert Callesen erzählt von einem Spaziergang entlang der Strecke
5. Infos zu einem ähnlichen Projekt zwischen Bramming und Grindsted
6. Das Spazierweg-Projekt in Bülderup
7. Rodung der Strecke mit freiwilligen Kräften
8. Kommentar der beiden Bürgermeister
9. Fragen aus der Versammlung