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… und wer hängt das Bild auf?

Wenn das Alter die Beweglichkeit einschränkt, geht oft nicht nur das Aufhängen von Bildern nicht mehr (Symbolfoto).

Ob man zwei linke Hände hat oder nicht: Im Alter wird es schwieriger, bestimmte Dinge selbst zu erledigen. Was wäre, wenn es in der Minderheit für all die vielen Alltags-Probleme eine offizielle Anlaufstelle gäbe?

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Dieses ist ein Kommentar aus der Redaktion des „Nordschleswigers“. Bei Kommentaren handelt es sich um journalistische Meinungsbeiträge und nicht um objektive Berichte.

Wer bringt mir die neue Lampe an der Decke an? Was mache ich, wenn der Abfluss im Badezimmer schon wieder verstopft ist? Und wer kann endlich dieses zwar schöne, aber unhandliche Bild aufhängen, das schon ewig in der Ecke steht? Hier seufzt vielleicht jetzt auch die eine oder der andere handwerklich nicht besonders gesegnete Mensch. Doch am Ende löst Frau – oder Mann, wenn Frau ihn lange genug genötigt hat – diese kleineren Alltagsprobleme in der Regel schon irgendwie selbst.

Doch was, wenn keine Frau da ist? Oder kein Mann? Und man selbst rein körperlich nicht mehr in der Lage ist, Löcher in die Wand zu bohren oder ein Abflussrohr abzuschrauben? Sprich, wenn man als älterer oder alter Mensch allein zu Hause lebt, keine Kinder hat oder die weit weg sind?

Es hört ja nicht beim Bild an der Wand auf. Man muss zum Arzt. Die Medikamente aus der Apotheke holen. Und zum Friseur. Aber der ist leider nicht um die Ecke. Doch dafür die nette Nachbarin um einen Fahrdienst bitten? Lieber nicht. Die hat selbst genug um die Ohren und vor Kurzem erst den Einkauf miterledigt.

Es sind Probleme, die künftig immer mehr Menschen haben werden. Laut Statista sind hierzulande mehr als 20 Prozent der Menschen über 65 Jahre alt.

Langlebigkeitstrend löst das Problem nicht

Nun sind Menschen über 65 Jahre heute geistig und körperlich so fit wie nie zuvor. Konservieren kann man diesen Zustand wohl aber leider nicht – auch wenn der Langlebigkeitstrend „Longevity“ uns seit Jahren weismachen will, dass wir alle gesund und munter über 100 werden könnten, wenn wir denn – vereinfacht gesagt – nach strikten Vorgaben leben.

Eine Lösung in der Minderheit?

Bleiben also all die kleineren und größeren Alltagsprobleme. Wäre es nicht schön, wenn es genau dafür eine zentrale Anlaufstelle in der Minderheit gäbe? Man ruft eine Telefonnummer an, beschreibt das Problem, und ein Helfer oder eine Helferin macht sich auf den Weg: Fährt den Mann oder die Frau zum Friseur. Holt die Medikamente aus der Apotheke. Hängt endlich das große Bild an die Wand. Das Deutsche Rote Kreuz hat einen solchen Service bereits. „Parathjælpere“ heißen die helfenden Hände dort, ein landesweiter Service. 

Der Bedarf sei da, wie mir die Leiterin des Sozialdienstes Nordschleswig, Ursula Petersen, erzählt. Vieles laufe bislang unter anderem über die Nachbarschaftshilfe.

Helfen macht Freu(n)de 

Wie schon der Vorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), Hinrich Jürgensen, sagt: „Ehrenamt ist für die Minderheit unverzichtbar. Unsere ganze Arbeit baut darauf.“ Da wäre es doch gelacht, wenn es nicht gelänge, ein offizielles Netzwerk an Helferinnen und Helfern für Alltagsprobleme zu etablieren. 

Damit hilft man ja auch sich selbst: Schließlich ist längst wissenschaftlich bewiesen, dass Helfen glücklich macht. Weniger wissenschaftlich, dafür zauberhaft, erklärt es der deutsche Liedermacher Siegfried Fietz in dem Kinderlied „Helfen macht Freude“. Einen Namen für das Netzwerk hätte ich bereits: „Alltagsengel“. Oder so ähnlich. Ich wäre jedenfalls dabei. Ihr auch?