Landwirtschaft & Umwelt

Zwischen Pestizid und „Populismus“: Wer schützt das Trinkwasser?

Anna Lea Leth Schmidt, hier zu sehen mit ihrem Vater Carsten, ist bei der Kommunalwahl 2025 mit umweltpolitischen Themen ins Rennen gegangen. Sie gehört zu einer jungen Generation, die sich Sorgen um die Umwelt macht. Damit ist sie nicht allein, wie auf der Sitzung des Haderslebener Kommunalparlaments deutlich wurde.

Die Debatte um das Trinkwasser in der Kommune Hadersleben verschärft sich. Carsten Leth Schmidt von der Schleswigschen Partei und Jakob Vindel Duedahl (Radikale Venstre) wollen Pestizide auf kommunalen Flächen in sensiblen Gebieten stoppen. Bürgermeister Mads Skau winkt ab. Der Venstre-Politiker bezeichnet den Vorstoß als „populistisch“.

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Zusammenfassung

  • In Hadersleben wächst die Sorge um steigende Belastungen des Trinkwassers durch Schadstoffe im Grundwasser.
  • Zwei Kommunalpolitiker fordern ein Pestizidverbot auf sensiblen kommunalen Flächen, während der Bürgermeister den Vorstoß als populistisch kritisiert.
  • Der Kommunalrat hat noch nicht entschieden und lässt nun fachlich prüfen, welche Folgen ein solches Verbot für Landwirtschaft und Wasserschutz hätte.

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Die Kommunalpolitiker Jakob Vindel Duedahl (Radikale Venstre) und Carsten Leth Schmidt von der Schleswigschen Partei haben dem Kommunalparlament in Hadersleben (Haderslev) am vergangenen Donnerstag eine Mitgliedsinitiative vorgestellt. Die Grundwassersituation bereitet ihnen Kopfzerbrechen: Vor einem Jahr lag der Anteil belasteter Trinkwasserbohrungen in der Kommune Hadersleben (Haderslev) bei 38 Prozent; inzwischen ist fast jede zweite betroffen.

Laut Haderslebens Bürgermeister Mads Skau (Venstre) ist die Landwirtschaft womöglich gar nicht das große Problem. In einem Interview mit „Danmarks Radio“ bezeichnet der Landwirt den Vorschlag seiner beiden Ratskollegen als populistisch – zumal für die Belastung des Grundwassers mehrere Ursachen infrage kämen.

Daten und Deutung

Die Kluft zwischen politischer Deutung und Faktenlage ist tief. Unstrittig ist, dass es mehrere Sünder bei der Trinkwasserbelastung gibt. Andererseits: Zahlen lügen nicht. Daten der dänischen geowissenschaftlichen Forschungsanstalt GEUS und der  Umweltbehörde belegen, dass Pestizidrückstände ein messbares Problem im Grundwasser sind und eng mit landwirtschaftlicher Nutzung zusammenhängen.

Mit ihrem Antrag wollen Leth Schmidt und Vindel Duedahl daran anknüpfen und auf präventive Maßnahmen setzen – zumindest auf kommunalen Flächen.

Initiative auf dem Prüfstand

Der Kommunalrat hat ihren Vorstoß weder beschlossen noch verworfen. Eine Mehrheit hat entschieden, die Auswirkungen eines möglichen Pestizidverbots auf kommunalen Flächen fachlich prüfen zu lassen.

Leth: Grenzwerte ändern sich rasant

„Unser Wissen entwickelt sich ständig weiter. Stoffe, die heute erlaubt sind, können morgen schon verboten sein.“ Leth verweist auf jüngste Beispiele aus der Umweltpolitik, die Grenzwerte regelmäßig anpasst – nach unten: „So darf etwa ein Spritzmittel, das im Herbst 2025 noch erlaubt gewesen ist, heute nicht mehr eingesetzt werden. Wir müssen handeln, bevor alle Antworten vorliegen – gerade beim Trinkwasser, auch wegen unserer Kinder.“

Kein generelles Verbot

Duedahl und Leth betonen, es gehe nicht um ein flächendeckendes Verbot. Die Kommune solle zunächst auf eigenen Flächen ansetzen – und nur in besonders sensiblen Gebieten sowie bei neuen Pachtverträgen.

Debatte erreicht Familien

Die Diskussion sei für ihn keineswegs abstrakt, geschweige denn populistisch, sagt Leth Schmidt und berichtet von Eltern, deren Kinder sich Sorgen machen – und nachts oft nicht ruhig schlafen könnten: „Jetzt müssen die Ausschüsse klären, was schwerer wiegt: Zweifel – oder Fakten.“