Wahl 2026

Frauen im Folketing: Mehr als 100 Jahre warten auf die Parität

2024 wurde Mie Mørkebergs Gemälde mit 30 bedeutsamen Frauen aus der Politik auf Christiansborg aufgehängt. Bei der Enthüllung anwesend waren unter anderem Helle Thorning-Schmidt (in Rot), Marianne Jelved (2.v.l.), Mimi Jakobsen (4.v.l.) und Birte Weiss (2.v.r.).

Fast die Hälfte der Folketingsabgeordneten sind nach der Wahl am 24. März Frauen; 1918 wurden erstmalig vier Frauen ins Parlament gewählt. Ein Überblick über den Weg zu einem gleichgestellten Folketing.

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Zusammenfassung

  • Im neuen Folketing sind 48 Prozent der Abgeordneten Frauen, so viele wie nie zuvor.
  • Seit der Einführung des Frauenwahlrechts 1915 stieg der Frauenanteil nur langsam, beschleunigte sich aber ab den 1970er-Jahren deutlich.
  • Wichtige Meilensteine waren die ersten weiblichen Abgeordneten 1918, die erste Ministerin 1924, die erste Staatsministerin 2011 und die nahezu erreichte Parität nach der Wahl 2026.

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Wenn das neugewählte Folketing am 10. April zusammenkommt, sind 86 der Abgeordneten Frauen. Das entspricht 48 Prozent und damit fast der Hälfte. Bei der vorigen Wahl waren es 43,4 Prozent.

111 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts ist somit ein fast paritätisches Parlament gewählt worden. 1918 wurden erstmalig vier Frauen ins Folketing gewählt. Danach geschah zunächst wenig und erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Anteil der Frauen zu steigen. 

Zunächst ging es langsam und in den 1960er-Jahren war nur jedes zehnte Folketingsmitglied eine Frau. In den 1970er- und 1980er-Jahren begann der Anteil zu steigen und erreichte 1990 ein Drittel. 

Nach einigen Jahren des Stillstands ist der Anteil bei den drei jüngsten Wahlen dann stetig gestiegen.

Ein Überblick über einige der Meilensteine:

1915: Frauen bekommen das Wahlrecht

Am 15. Juni 1915 änderte der Reichstag das Grundgesetz und Frauen bekamen das volle Wahlrecht. Sie konnten bei den Reichstagswahlen ihre Stimme abgeben und kandidieren. Seit 1908 hatten sie das Wahlrecht für die kommunalen Räte.

1918: Die ersten Frauen werden in den Reichstag gewählt

Bei der ersten Wahl nach der Grundgesetzänderung werden Karen Ankersted (Kons.), Mathilde Malling Hauschultz (Kons.), Helga Larsen (Soz.) und Elna Munch (Rad.) ins Folketing gewählt.

In die zweite Kammer, das Landsting, schaffen es fünf Frauen: Nina Bang (Soz.), Marie Christensen (Venstre), Marie Hjelmer (Rad.), Olga Knudsen (Venstre) und Inger Gautier Schmit (Venstre).

Zwölf Tage nach der Wahl, am 19. Juni, hält Elna Munch als erste Frau eine Rede im Folketing.

1924: Die erste Ministerin

Die Sozialdemokratin Nina Bang bekommt als erste Frau ein Ministeramt. Sie wird am 23. April 1924 zur Unterrichtsministerin ernannt. Sie ist die weltweit erste Frau in einer demokratisch gewählten Regierung. Erst 1947 erhält mit Fanny Jensen (Soz.) erneut eine Frau ein Ministeramt.

Das Kabinett von Thorvald Stauning (sitzend, 2.v.l.) mit Nina Bang als Unterrichtsministerin

1950: Die erste Justizministerin

Helga Petersen (Venstre) wird Justizministerin und ist damit die erste Frau, die ein sogenanntes „hartes“ Ministerium übernimmt. Sie bleibt lange eine Ausnahme. Bis in die 70er-Jahre sind es Ressorts wie Bildung, Kirche, Kultur und Soziales, die von Frauen übernommen werden. 1973 wird zwar mit Natalie Lind (Venstre) erneut eine Frau Justizministerin, doch erst in den 80er-Jahren bekommen Frauen zunehmend die „harten“ Ministerien. 

1971: Eine neue Generation von weiblichen Abgeordneten

Nach der Wahl 1971 steigt der Anteil der Frauen im Folketing deutlich an, von 10,9 auf 17,1 Prozent. Eine Gruppe junger Frauen wurde für die Sozialdemokratie ins Folketing gewählt, unter ihnen seither prominente Namen wie Ritt Bjerregaard, Birte Weiss und Helle Degn. 

1989: Die erste Parteichefin

1989 übernimmt Mimi Jakobsen den Vorsitz bei den Zentrumsdemokraten. Sie ist damit die erste Frau, die eine Partei leitet. 1990 übernimmt Marianne Jelved den Vorsitz bei Radikale Venstre. Zu diesem Zeitpunkt beträgt der Frauenanteil im Folketing 31,4 Prozent.

Mimi Jakobsen mit ihrem Vater Erhard Jakobsen als sie soeben von ihm den Parteivorsitz übernommen hat.

2011: Die erste Staatsministerin

2005 übernahm Helle Thorning-Schmidt den Vorsitz der Sozialdemokratie. Bei der Wahl 2007 unterlag sie Anders Fogh Rasmussen (Venstre) im Duell um den Staatsministerposten. 2011 konnte sie zusammen mit dem roten Block den Nachfolger von Fogh, Lars Løkke Rasmussen, überwinden. Sie bildete eine Koalition mit der Sozialistischen Volkspartei und Radikale Venstre.

Der Anteil der Frauen im Folketing lag bei 38,9 Prozent. 

2015: Die erste Folketingsvorsitzende

Nach der Wahl 2015 wird Pia Kjærsgaard von der Dänischen Volkspartei Vorsitzende des Folketings. Während es noch die zwei Kammern gab, war Ingeborg Hansen (Soz.) von 1950 bis 1953 Vorsitzende des Landstings. 

Quellen: Danmarks Nationallexikon, Kvinfo, ft.dk