Deutsch-Dänisch

Künstliche Nase: Sensor aus Sonderburg misst Frische von Fleisch und Fisch

Roana de Oliveira Hansen, Projektleiterin des PRECISE-Projekts an der Süddänischen Universität in Sonderburg
Roana de Oliveira Hansen, Projektleiterin des Precise-Projekts an der Süddänischen Universität in Sonderburg

Lebensmittelverschwendung: Ein deutsch-dänisches Projekt entwickelt Sensoren zur Frischeprüfung. Die Technologie soll Abfälle reduzieren und Kosten sparen. In wenigen Jahren könnte sie in der Industrie eingesetzt werden.

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Zusammenfassung

  • In Dänemark werden jährlich enorme Mengen Lebensmittel weggeworfen, vor allem wegen konservativ gesetzter Mindesthaltbarkeitsdaten.
  • Das deutsch-dänische Projekt „Precise“ entwickelt dafür eine künstliche Nase, die die Frische von Fleisch und Fisch objektiv misst.
  • Mit Förderung durch Interreg soll die Sensortechnik in ein bis zwei Jahren in der Lebensmittelindustrie Abfälle, Kosten und Umweltbelastung senken.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Jeder kennt es: Das Fleisch liegt schon seit ein paar Tagen im Kühlschrank. Ein kurzer Geruchstest – dann die Entscheidung: lieber wegwerfen. 

Zahlen aus dem Jahr 2024 des „Green Solutions Centre" der Universität Kopenhagen bestätigen, dass dies kein Einzelfall ist. Jährlich werden in Dänemark rund 814.000 Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Aber nicht nur in privaten Haushalten: Mehr als die Hälfte der Verschwendung geschieht in der Lebensmittelindustrie.

Das will eine deutsch-dänische Forschergruppe an der Süddänischen Universität (SDU) in Sonderburg jetzt ändern.

„Einfacher, das Produkt wegzuwerfen“

„Wenn man sich unsicher ist, ist es oft einfacher, das Produkt wegzuwerfen, als ein Risiko einzugehen“, erklärt Roana de Oliveira Hansen, Projektleiterin des „Precise"-Projekts an der SDU. „Das führt leider zu sehr viel unnötigem Abfall – und das wollen wir ändern.“

Ein Grund für die Lebensmittelverschwendung sind die Mindesthaltbarkeitsdaten auf den Verpackungen. Sie basieren auf Schätzungen zur Haltbarkeit und werden von der Lebensmittelindustrie oft bewusst eher zu früh angesetzt, erklärt Hansen. 

Eine künstliche Nase gegen Lebensmittelverschwendung

Hier setzt das dänisch-deutsche Forschungsprojekt „Precise" an. Ziel ist die Entwicklung einer „künstlichen Nase“, die erkennen kann, ob Fleisch und Fisch noch frisch sind – lange bevor wir als Menschen es selbst riechen. 

So könnten Restaurants, Supermärkte und Produktionsbetriebe Lebensmittelabfälle reduzieren, Geld sparen und gleichzeitig die Umwelt schonen, so die SDU-Forscherin.

Ein Beispiel: „In einem Sushi-Restaurant kann die Sensorik bestimmen, ob der Fisch noch frisch ist. Dadurch wird weniger weggeworfen, und alle Mitarbeitenden arbeiten nach denselben Standards“, erklärt die Physikerin, die seit 2008 an der SDU in Sonderburg (Sønderborg) arbeitet. 

„So entsteht ein objektives Frischemaß, das einfacher und zuverlässiger ist als das Mindesthaltbarkeitsdatum oder der eigene Geruchssinn.“

Die „künstlichen Nase“ soll erkennen, ob Fleisch und Fisch noch frisch sind
Die „künstliche Nase“ soll erkennen, ob Fleisch und Fisch noch frisch sind.

Deutsch-dänisches Teamwork

Das Projekt profitiert stark vom dänisch-deutschen Austausch: „Die deutsche Seite liefert die Präzision bei der Entwicklung, wir bringen die Innovationskraft aus Dänemark ein. Erst zusammen funktioniert das System richtig“, so Roana de Oliveira Hansen.

Der Austausch hat es ermöglicht, die Sensoren in realen Testumgebungen in Restaurants, Supermärkten und Schlachtereien zu erproben. 

Gefördert wird das Projekt zu einem großen Teil von Interreg Deutschland-Danmark, mit einem Gesamtbudget von etwa 14 Millionen Kronen.

„Dank der Finanzierung konnten wir zusätzliche Mitarbeitende einstellen und die Technologie umfassend entwickeln“, sagt Hansen.

Die Forscherin erwartet, dass die Sensoren innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden können. 

Auch Königin Mary zeigte großes Interesse an der Technologie.
Auch Königin Mary zeigte Interesse an der Technologie.

Bald im Einsatz gegen Lebensmittelverschwendung

Unterstützung kommt auch aus Praxiserfahrungen in Betrieben.

„Wir haben großes Potenzial in der Technologie gesehen und sie über einen Zeitraum von zwei Jahren immer wieder im Betrieb getestet – jeweils für drei bis vier Monate“, sagt Samuel Bent Lind Nielsen, Qualitätschef beim Fischunternehmen „Ekko Fisk“ in Esbjerg. „Wenn die Lösung weiterentwickelt wird, sehe ich sie auf jeden Fall als ein gutes Werkzeug für die Zukunft, das die Arbeit in der Qualitäts- und Frischesicherung deutlich erleichtern kann.“

Projektleiterin Hansen stimmt dem zu: „Mit ‚Precise‘ können wir einen echten Unterschied machen – weniger Lebensmittelverschwendung, weniger Kosten und eine bessere Umweltbilanz.“