Folketingswahl

Jesper Petersen trotz Wiederwahl besorgt um Nordschleswig: „Das könnte schwieriger werden“

Auch nach sechs Wahlerfolgen behält Petersen die Herausforderungen für Nordschleswig fest im Blick (Archivbild).

Ein Wahlabend wie ein Nervenkrimi und eine Region, die um Einfluss ringt: Jesper Petersen aus Woyens schafft erneut den Sprung ins Folketing. Trotz seines persönlichen Erfolgs richtet der sozialdemokratische Abgeordnete den kritischen Blick nicht nur auf das Abschneiden seiner Partei, sondern auch auf die Zukunft Nordschleswigs.

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Zusammenfassung

  • Jesper Petersen wird zum sechsten Mal in das Folketing gewählt, erhält aber weniger persönliche Stimmen als 2022.
  • Er sorgt sich um den sinkenden Einfluss Nordschleswigs im Parlament, da nur noch vier Abgeordnete aus der Region vertreten sind und kein Venstre-Mandat mehr besteht.
  • Petersen will sich weiter für Nordschleswig und die deutsche Minderheit einsetzen und hofft auf eine stabile Regierung unter Führung von Mette Frederiksen.

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Jesper Petersen musste zittern und atmete erst spät am Wahlabend auf. Der nordschleswigsche Sozialdemokrat sicherte sich mit 6.188 persönlichen Stimmen erneut ein Mandat im Folketing. Damit gelingt ihm bereits zum sechsten Mal der Einzug ins Parlament.

„Heute bin ich froh, müde und dankbar“, so der seit 2007 gewählte Abgeordnete des Wahlkreises Hadersleben – geboren 1981 in Hammeleff (Hammelev) bei Woyens (Vojens) – am Tag nach der Folketingswahl.

Jede Wiederwahl bleibe etwas Besonderes und sei alles andere als selbstverständlich. Dass seine Partei in Südjütland ein Mandat verlor, machte den Abend zusätzlich spannend.

Zwischen Stolz und Enttäuschung

Trotz des persönlichen Erfolgs bleibt für den profilierten Folketingsabgeordneten ein bitterer Beigeschmack. Die Sozialdemokratie verliert landesweit an Zustimmung und kommt auf 21,9 Prozent. Petersen spricht deshalb selbst von „gemischten Gefühlen“: Einerseits bleiben die Sozialdemokraten stärkste Kraft in der Region und in Hadersleben (Haderslev), andererseits hätte er sich ein besseres landesweites Ergebnis gewünscht.

Zudem ärgert sich Petersen, dass nur noch vier Abgeordnete aus Nordschleswig im Folketing vertreten sind. Damit schrumpft der direkte Einfluss der Region in Kopenhagen. Neben Petersen vertreten Peter Kofod (Dänische Volkspartei), Henrik Frandsen (Moderate) und Benny Engelbrecht (Sozialdemokratie) den Landesteil.

In Hans Christian Schmidt hatte ich einen sehr guten Zusammenarbeitspartner. Über Parteigrenzen hinweg haben wir gemeinsam gute Ergebnisse für unseren Landesteil erzielt.

Jesper Petersen

Besonders bedauere Petersen, dass keine Abgeordnete von Venstre mehr direkt aus Nordschleswig kommen. Vor allem die parteiübergreifende Zusammenarbeit mit Venstre-Politiker Hans Christian Schmidt, der nicht erneut zur Wahl angetreten ist, habe in der Vergangenheit viel für die Region bewirkt. „Das könnte jetzt schwieriger werden“, warnt Petersen.

Sorge um politische Schlagkraft Nordschleswigs

„Ich ärgere mich für Nordschleswig darüber, dass kein nordschleswigsches Venstre-Mitglied im Parlament vertreten ist. In Hans Christian Schmidt hatte ich einen sehr guten Zusammenarbeitspartner. Über Parteigrenzen hinweg haben wir gemeinsam gute Ergebnisse für unseren Landesteil erzielt. Das könnte jetzt – da er nicht mehr im Folketing sitzt und insgesamt weniger nordschleswigsche Abgeordnete im Parlament vertreten sind – schwieriger werden.“

Dennoch will Petersen sich weiter mit Nachdruck für die Anliegen Nordschleswigs einsetzen, sei es bei Ausbildungsangeboten, Infrastruktur, Verteidigungspolitik oder beim Schutz von Meeresumwelt und Klima.

Ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, gute Bedingungen für die dänische und deutsche Minderheit zu schaffen.

Jesper Petersen

Jesper Petersen war in der vergangenen Wahlperiode zudem Vorsitzender des Folketing-Ausschusses für die deutsche Minderheit. Er zählt zu den Abgeordneten, die einen engen und regelmäßigen Austausch mit dem Sekretariat sowie den Vertreterinnen und Vertretern der Minderheit pflegen.

Jesper Petersen im Gespräch mit BDN-Sekretariatschef Harro Hallmann (Archivbild)

Petersen kündigt an, auch dieses Engagement fortsetzen zu wollen: „Das war immer mein Anliegen. Ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, gute Bedingungen für die dänische und deutsche Minderheit zu schaffen.“

Rückenwind aus der Minderheit

Unterstützung aus der deutschen Minderheit habe er auch im Wahlkampf gespürt, sowohl in Gesprächen auf der Straße als auch durch direkte Rückmeldungen: 

„Mitglieder der deutschen Minderheit haben mir nette Worte mit auf den Weg gegeben. Ich bin überzeugt, dass das auch zu meinem persönlichen Wahlerfolg beigetragen hat“, so der ehemalige Minister.

Weniger Stimmen und doch stärker im Wahlkreis

Im Vergleich zur Wahl 2022 büßt Petersen persönliche Stimmen ein (damals 8.701). Dennoch vereint er mit 46 Prozent aller sozialdemokratischen Stimmen in Hadersleben erstmals den größten Anteil auf sich. Damit hat er seinen Parteikollegen Benny Engelbrecht aus Sonderburg (Sønderborg) überholt.

Für Petersen ist das ein Vertrauensbeweis. Viele Wählerinnen und Wähler honorierten offenbar seine langjährige Arbeit für die Region. „Das verpflichtet“, betont er und bedankt sich für jede einzelne Stimme.

Hoffnung auf eine stabile Regierung unter Frederiksen

Mit Blick auf die nun anstehenden Regierungsverhandlungen hofft Petersen auf eine stabile Lösung unter sozialdemokratischer Führung. „Ich hoffe, dass es unserer Partei gelingt, das Wahlergebnis in eine gute Regierung umzuwandeln“, sagt er. Für ihn steht dabei fest, wer an der Spitze stehen soll: „Das muss Mette Frederiksen werden. Es gab schließlich kein bisschen Appetit auf einen Staatsminister aus dem blauen Block.“

Gleichzeitig verschließt Petersen nicht die Augen vor den Verlusten seiner Partei. Der Rückgang der Stimmen sei kein ungewöhnliches Phänomen für eine langjährige Regierungspartei, betont er – auch mit Verweis auf Entwicklungen in anderen europäischen Ländern. Dennoch bleibt ein kritischer Unterton: Nach dem außergewöhnlich starken Ergebnis bei der vergangenen Wahl hätte er sich diesmal mehr als 21,9 Prozent gewünscht.