BILDUNG

Neues Unterrichtsmaterial für Minderheitenschulen legt mehr Fokus auf Identität

Bildschirm mit geöffneter Webseite über persönliche Geschichten und historische Grenzthemen
Auf der Webseite von „Grenzgenial“ gibt es bereits Lernmaterial – allerdings wird die Geschichte der Minderheit dort bisher nur für ältere Jahrgänge „angekratzt“.

Geschichte: Ein aktuelles Projekt vom Deutschen Schul- und Sprachverein und Grenzgenial hat zum Ziel, neues Unterrichtsmaterial für die Minderheitenschulen zu entwickeln. Es soll Kultur, Geschichte und Identität fächerübergreifend in Themenpaketen für Projektwochen zusammenbinden. Eine Arbeitsgruppe setzt bereits einen Schwerpunkt um.

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Zusammenfassung

  • Neues Unterrichtsmaterial stärkt Identität und Sichtbarkeit der deutschen Minderheit.
  • Eine Arbeitsgruppe entwickelt für Klassen 1 bis 10 Themenpakete, beginnend mit 1920 und der Grenzziehung.
  • Das vom BDN finanzierte Projekt soll zum neuen Schuljahr mit Online- und Offline-Material starten.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

 „Die Minderheit ist mehr als Geschichte – sie ist Unterricht in Selbstidentität“, sagt Adeline Muntenjon, Projektleiterin von „Grenzgenial“ über die Arbeit an neuem Lern- und Lehrmaterial für die Schulen der deutschen Minderheit. 

Weil die Minderheit, ihre Kultur, Identität und Geschichte sowie das Grenzland in deutschem und dänischem Unterrichtsmaterial höchstens am Rande vorkommen, entwickelt der Deutsche Schul- und Sprachverein (DSSV) derzeit in Zusammenarbeit mit „Grenzgenial“ neues Unterrichtsmterial, das ebendiesen Fokus auf Nordschleswig legt.

„Was fehlt, ist die Sicht der deutschen Minderheit. Entweder ist sie ausgespart oder die Perspektive eine andere“, sagt Adeline Muntenjon.

Grenzgenial dient als Plattform für das neue Material, das in den deutschen Minderheitenschulen genutzt werden soll. „Es wird nicht nur Geschichts-, sondern auch Identitätsmaterial“, fasst sie das Projekt zusammen. Wichtig sei dabei, den Kern zu treffen. 

Die Inhalte, die sich aktuell auf der Webseite befinden – Lernmaterial von der 5. Klasse bis in die gymnasiale Oberstufe – sind Vorläufer des jetzigen Projektes, erklärt Muntenjon. „Das ist damals in Verbindung mit 2020 (100 Jahre Grenzziehung, Anm. d. Red.) entstanden und kratzt die Themen Geschichte, Identität und Kultur für ältere Klassenstufen nur an.“

„Grenzgenial“-Projektleiterin Adeline Raahauge Muntenjon

Nun soll ein Curriculum für die Klassenstufen 1 bis 10 entstehen, Nuancen ausgearbeitet und aufeinander aufbauendes Lehr- und Lernmaterial für die Minderheitenschulen entwickelt werden. „Es geht um Wahrnehmung. Warum bin ich hier und warum ist es hier anders?“, so Muntenjon. Dabei sei Sensibilisierung entscheidend. „Warum wird in der Schule eine andere Sprache gesprochen als die Mehrheit es tut. Da kann man sich dann im Ort umschauen und auf Spurensuche gehen.“

Es sollte auf keinen Fall von oben gesteuert sein, sondern aus den deutschen Schulen für die deutschen Schulen entwickelt werden.

Adeline Muntenjon

Finanziert durch Informationsmittel des BDN

Finanziert wird das Projekt durch Informationsmittel vom Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN). „Das ist ein großer Sack Geld und Ansporn, jetzt wirklich Material zu entwickeln. Die Frage war nur: Wo fängt man an?“, sagt Käthe Nissen, die als pädagogisch-administrative Konsulentin des DSSV mitverantwortlich für das Projekt ist.

Der Startschuss für das Projekt fiel bereits im Februar vergangenen Jahres bei einer Mitarbeiterdienstversammlung des DSSV. „Dort wurde das Projekt vorgestellt und Ideen der Lehrkräfte eingesammelt. Es sollte auf keinen Fall von oben gesteuert sein, sondern aus den deutschen Schulen für die deutschen Schulen entwickelt werden“, so Muntenjon. Das Ergebnis war zunächst ein „riesiger Katalog mit Ideen“. 

Käthe Freiberg Nissen.

Eine Arbeitsgruppe sitzt seither an der Umsetzung für die Altersgruppen und der konkreten Ausarbeitung des Materials. Neben Adeline Muntenjon und Käthe Freiberg Nissen sind auch Museumsleiter Hauke Grella und drei Lehrkräfte der Deutschen Privatschule Apenrade, der Deutschen Schule Hadersleben und der Deutschen Schule Feldstedt mit an Bord.

Wir wollen alle Fächer und alle Lehrkräfte mitdenken, denn bisher lag das ja immer im Geschichtsunterricht.

Käthe Nissen

Es sollen Themenpakete für Projektwochen entstehen

Die Gruppe hat nun ein erstes Schwerpunktthema gesetzt – weitere sollen in Zukunft folgen. „Wir konzentrieren uns auf das Thema 1920 und die Grenzziehung“, so Nissen. Die Geburtsstunde der Minderheit wird als ein Themenpaket für Projekttage oder eine Projektwoche entwickelt. „Wir wollen alle Fächer und alle Lehrkräfte mitdenken, denn bisher lag das ja immer im Geschichtsunterricht.“

Inspiration haben auch die „Fliesen“ in der Förde-Schule geliefert, verrät Käthe Nissen. Auf dem dortigen Flur sind Fliesen auf dem Boden aufgeklebt, die die Schritte der dänischen Geschichte in Bildern zeigen – vom Vertrag von Ripen bis zur Entstehung der Minderheit im Jahr 1920. „Das haben wir als Inspiration genommen.“ Ziel sei es, diese in allen Schulen der Minderheit zu kleben. 

Fünf kreisförmige Grafiken veranschaulichen historische Stationen einer Minderheit.
Nordschleswigs Geschichte beim Vorbeilaufen entdecken: Das ist das Ziel der Aufkleber.

Lernziele wurden formuliert und Archivmaterial gewälzt

Doch was muss ein Schüler der 1. Klasse, was eine Schülerin der 8. Klasse zum Jahr 1920 und der deutschen Minderheit wissen? Dazu haben die drei Lehrerinnen und Lehrer zunächst Lernziele formuliert. 

Die Arbeitsgruppe war in den Winterferien bei Hauke Grella im Deutschen Museum für Nordschleswig, um Archivmaterial zu sichten. „Wir wollen auch mit Bildern und Artefakten arbeiten und physisches Material entwickeln – unter anderem Puzzlespiele“, so Käthe Nissen.

Im Zuge der Projektwochen sollen Schülerinnen und Schüler dann auch Institutionen wie den Knivsberg (Knivsbjerg) kennenlernen, der ebenfalls ein Lernort ist. 

Das Lehr- und Lernmaterial für das Projektthema wird Anleitungen für Lehrkräfte enthalten sowie Arbeitsmaterial für die Kinder und Jugendlichen. 

Start zum neuen Schuljahr wahrscheinlich

„Es ist wichtig, dass wir eine gute Balance zwischen Online- und Offline-Material haben. Nicht immer macht es Sinn, Inhalte im Netz zu haben“, sagt Muntenjon. Mit der existierenden Plattform „Grenzgenial“ sei eine solide Grundlage vorhanden, um qualitatives und nachhaltiges Material zu entwickeln.

Das Ziel ist es, mit dem ersten Baustein noch in diesem Schuljahr fertig zu sein. „Der Start ist voraussichtlich im kommenden Schuljahr“, so Nissen.