Deutsche Minderheit

Frauen aus der Minderheit in den Wirren des Krieges: Ilse Friis berichtet in der Tingleffer Bücherei

Ilse Friis (r.) macht sich Notizen beim Gespräch mit der seinerzeit 101 Jahre alten Hermine Andersen, die inzwischen verstorben ist.

„Töchter der Minderheit“ heißt eine Serie, bei der sich Ilse Friis von Deutschnordschleswigerinnen die persönlichen Erlebnisse in der Kriegs- und Nachkriegszeit erzählen ließ. In der Bücherei Tingleff gibt die Historikerin Einblicke in all das, was ihre Gesprächspartnerinnen über sich und ihr Leben preisgaben.

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Zusammenfassung

  • Historikerin Ilse Friis befragte Frauen der deutschen Minderheit in Nordschleswig zu ihren Erinnerungen an die Kriegs- und Nachkriegszeit.
  • Aus den Gesprächen entstand die Vortragsreihe „Töchter der Minderheit“, die an frühere Biografien von Frauen mit NS-Vergangenheit anknüpft.
  • Die geschilderten Erinnerungen, etwa an den 9. April, vermisste Angehörige und Internierungen im Fårhuslager sind thematisch geordnet worden und geben zum Teil unausgesprochene Gefühle wieder.

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Was hat sich bei den Frauen aus der deutschen Minderheit in der Kriegs- und Nachkriegszeit alles festgebrannt? Haben sie ihre Erlebnisse und Empfindungen erzählt oder womöglich vieles für sich behalten? Historikerin Ilse Friis, selbst ein Kind der Minderheit, ist diesen Fragen nachgegangen und hat über einen längeren Zeitraum in ganz Nordschleswig Frauen jenseits der 80 Jahre besucht und sich ganz offen mit ihnen ausgetauscht. „Sie haben Einblicke in ihre Gefühlslage gegeben und Sachen erzählt, die sie so noch nie erzählt haben“, sagt Ilse Friis.

Am Dienstag, 21. April, berichtet sie in der Deutschen Bücherei Tingleff (Tinglev) über die Begegnungen mit den älteren Damen und darüber, wie sie die Kriegs- und Nachkriegszeit in Nordschleswig als Minderheitendeutsche erlebt haben. Der Vortrag beginnt um 17 Uhr. Aus Planungsgründen bittet die Bücherei um Anmeldung (Tel. 74 64 35 77 oder E-Mail an tingleff@buecherei.dk).

Neue Serie über Frauen

Die Serie „Töchter der Minderheit“ schließt sich an die Serie mit Biografien von Frauen aus Nordschleswig mit NS-Vergangenheit an. Bei den Vorträgen der ersten Serie waren unter anderem Deutschnordschleswigerinnen zugegen, die die Besatzungs- und Nachkriegszeit miterlebt hatten. Sie erzählten ergänzend über ihre persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen. „Ich denke da unter anderem an die inzwischen verstorbenen Käthe Ludwigsen aus Tingleff oder Erika Knudsen aus Apenrade. Es war sehr interessant, was sie über ihre Erlebnisse und auch Gefühle berichteten“, so Ilse Friis. 

Die Neugier der Historikerin war geweckt, und sie machte sich daran, weitere „Töchter der Minderheit“ ausfindig zu machen, die die Kriegs- und Nachkriegszeit erlebt hatten. 

Fündig wurde Ilse Friis unter anderem im Großraum Tingleff. Christel Hansen und Hermine Andersen, beide inzwischen ebenfalls verstorben, gehörten zu den Gesprächspartnerinnen. „Eine große Hilfe war Horst Fries, der einige der älteren Damen gut kannte und bei den Gesprächen zu einer vertrauensvollen Atmosphäre beitrug“, erzählt die Historikerin.

Erinnerungen thematisch gegliedert

Die Erinnerungen der älteren Frauen hat sie in neun Themen unterteilt, darunter der 9. April 1945 (Einmarsch der Deutschen Wehrmacht), die gestorbenen und vermissten Minderheitenangehörige während des Krieges und die Internierung der Angehörigen im Faarhuslager nach Kriegsende. „Vor allem das Abholen der Väter, die damals ins Faarhuslager kamen, hat sich bei vielen ins Gedächtnis eingebrannt“, berichtet Ilse Friis.

Es habe sie überrascht, wie viel und wie bereitwillig ihre Gesprächspartnerinnen aus ihrem Leben und ihrer Gefühlswelt erzählt haben. „Ich sprach eine Frau dazu an und fragte, warum sie mir so viel anvertraute, was sie eigentlich noch niemandem erzählt hat. Sie antworte mir dann ganz simpel, dass ich sie ja gefragt habe – als Erste. Da ist man dann froh, dass man die Gespräche gesucht hat“, so die Historikerin und ehemalige Rektorin des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig.