Kultur

In Rekordzeit zum Wegner-Museum: Ein Traum wird in Tondern Wirklichkeit

Vier Personen stehen im Sonnenschein vor einem weißen Haus und sprechen miteinander.
Bauunternehmer Kurt Bucka, die Wegner-Töchter Marianne und Eva und Museumsdirektorin Anne Blond eröffneten das Museum, indem sie gemeinsam durch die Eingangstür gingen.

Ein Warfthof, weltberühmtes Möbeldesign und ein Bauprojekt im Eiltempo: In Tondern hat ein außergewöhnliches Museum seine Türen geöffnet. Was als persönliche Idee begann, soll nun internationale Strahlkraft entfalten – und einem „Kind der Stadt“ endlich ein Zuhause geben.

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Zusammenfassung

  • In Tondern ist auf dem Warfthof Hestholm das neue Wegner-Museum zu Ehren des Designers Hans J. Wegner eröffnet worden.
  • Initiatorin Anne Blond und Bauunternehmer Kurt Bucka setzten das Projekt in Rekordzeit um und lobten den Einsatz vieler helfender Hände.
  • Das Museum soll internationale Strahlkraft entwickeln und öffnet für das breite Publikum am Geburtstag Wegners, dem 2. April.

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Bei strahlendem Sonnenschein und vor zahlreichen geladenen Gästen ist am 1. April das neue Wegner-Museum auf dem Warfthof Hestholm vor den Toren Tonderns (Tønder) feierlich eröffnet worden. Damit erhält der weltberühmte Designer Hans J. Wegner, der in der Wiedaustadt geboren wurde, ein eigenes Museum in seiner Heimat. Endlich, werden viele sicherlich behaupten.

Dass es so weit gekommen ist, ist vor allem einer Frau zu verdanken: Anne Blond. Sie hatte die Idee vor einigen Jahren wieder aufgegriffen und mit großem Engagement vorangetrieben. „Ich habe mich immer wieder gefragt, warum es in Tondern eigentlich kein Wegner-Museum gibt“, sagte sie bei der Eröffnung.

Vom Zweifel zur Begeisterung

Geschmiedetes Hoftor mit Pferde- und Pflugmotiven vor reetgedecktem Haus bei Sonnenschein.
Ein geschmiedetes Hoftor mit Pferde- und Pflugmotiven schmückt die Einfahrt zum Museum2.

Dabei war ihre eigene Begeisterung für Wegners Möbel nicht von Anfang an selbstverständlich. Als sie vor mehr als zwei Jahrzehnten an der Ausstellung des Tonderner Museums im Wasserturm mitarbeitete, habe sie einige der Möbel sogar als unbequem empfunden, gestand sie offen.

Der entscheidende Moment kam erst später: als sie einen Großvater und seinen Enkel gemeinsam in einem der berühmten Stühle liegen sah – vertieft in ein Gespräch. „Spätestens da war ich überzeugt“, erinnerte sie sich.

Menschen sitzen und stehen in einem Festzelt und hören einer Rede an einem Mikrofon zu.
Henrik Tvarnø hielt seine letzte öffentliche Rede als Vorsitzender des Vereins, der nur einen Auftrag hatte, nämlich den Bau eines Wegner-Museums. Das Ziel ist nun erreicht. Der Verein löst sich auf und übergibt das Zepter an zwei neue Stiftungen.

Ein Kraftakt in Rekordzeit

Dass das Museum nun ausgerechnet am 1. April eröffnet werden konnte, ist auch Bauunternehmer Kurt Bucka zu verdanken – und seinem Tempo. Erst Ende September vergangenen Jahres war die Entscheidung gefallen, überhaupt mit Phase 1 zu beginnen.

Mehrere Personen beugen sich in einem Museumsraum über ein rotes Holzobjekt.
Eva Wegner erklärt den Gästen die Nutzung des Kleinkinderstuhls.

Tonderns Bürgermeister Jørgen Popp Petersen zeigte sich beeindruckt: „Ich habe nie daran gezweifelt, dass du das schaffst. Aber ob du es wirklich bis zum 1. April schaffst, da war ich mir nicht ganz sicher.“ Für Heiterkeit im Festzelt sorgte Bucka selbst mit einem Zwischenruf: „Wir sind ja nicht kommunal angestellt!“

Menschen unterhalten sich in einem Ausstellungsraum mit Holzstühlen.
Marianne Wegner ging begeistert durch die Ausstellungsräume – hier in Begleitung vom Folketingsabgeordneten Henrik Frandsen.

Ganz ohne Anstrengung ging es allerdings nicht. „Ich glaube, ich war seit dem 27. September nur an zwei Tagen nicht auf der Baustelle – selbst am Weihnachtsabend war ich kurz hier“, berichtete Kurt Bucka. Natürlich habe das Projekt auch zu Hause für Diskussionen gesorgt. Zur Erklärung: Er ist mit Anne Blond verheiratet. „Es hat aber keinen Abend gegeben, wo ich meiner Frau keinen Gute-Nacht-Kuss gegeben habe“, versicherte er dem geladenen Publikum.

Zwei Personen stehen in einem hellen Ausstellungsraum mit Designstühlen und Bildern an den Wänden.
Wegner hat fast 1.200 Stühle entworfen. Nicht alle gingen in Serie.

Ein Museum mit internationaler Strahlkraft

Festredner Niels Krause-Kjær, Vorsitzender der staatlichen Kunstförderung „Statens Kunstfond“, schlug in seiner Ansprache den Bogen von der persönlichen Erfahrung zur großen Bedeutung von Design.

Als Bauernsohn sei er mit Möbeln aufgewachsen, „die keine Nachnamen hatten“. Erst später habe er die Bedeutung von Gestaltung erkannt. Heute wisse er: „Jedes Kunstwerk ist politisch, aber nicht jede Politik ist Kunst.“

Die Eröffnung des Museums bezeichnete er als „wichtig und großartig, aber auch an der Zeit“ – und als klares Signal für die Bedeutung von Kultur auch außerhalb der großen Städte.

Großer Holzstuhl mit Flechtsitz steht vor einem Fenster mit Blick auf Felder.
Fast aus jedem Fenster haben Gäste einen tollen Ausblick auf das umliegende Marschenland.

Von der Idee zur Institution

Der Weg zum Museum war lang und auch steinig. Schon zuvor hatte es die Idee gegeben, doch erst mit Anne Blonds Initiative kam vor einigen Jahren Bewegung in das Projekt. Es folgten Gespräche mit den Wegner-Töchtern Eva und Marianne, ein Architekturwettbewerb – und schließlich die Entscheidung für Hestholm als Standort.

Dass dieser Ort der richtige ist, daran ließ Blond keinen Zweifel. Ein Aquarell aus dem Nachlass Wegners, das einen Warfthof zeigt, habe sie endgültig überzeugt, dass der Möbeldesigner quasi aus dem Jenseits die Standortwahl begrüßt. „Das ist Hestholm“, hätten Architekten ihr versichert und ihr später aus dem gleichen Winkel aufgenommene „Beweisfotos“ aus der Zeit vorgelegt. Bei der Eröffnungsfeier konnte sie deshalb den beiden Wegner-Töchtern, Eva und Marianne, sagen: „Das ist das Haus eures Vaters.“

Zwei ältere Männer unterhalten sich lächelnd in einem Ausstellungsraum.
Festredner war der neue Vorsitzende des staatlichen Kunstfonds, Niels Krause-Kjær (r.).

Ein Kapitel endet – ein neues beginnt

Mit der Eröffnung endet zugleich die Arbeit des Vereins zur Gründung eines Wegner-Museums. Dessen Vorsitzender Henrik Tvarnø kündigte die Auflösung an und übergab die Verantwortung an zwei neue Stiftungen.

Künftig werden unter anderem die frühere Diplomatin Anne Dorte Riggelsen und der Tonderner Jørgen Johansen Verantwortung für das Museum tragen.

Tvarnø zeigte sich überzeugt, dass das Museum hält, was es verspricht – unabhängig von der rekordverdächtigen Bauzeit von nur sechs Monaten: „Ich kann mit Fug und Recht behaupten: Hier steht Dänemarks schnellstes Museum. – Man soll es aber nicht an der Geschwindigkeit messen, sondern am Inhalt.“ Und auch da halte es, was es verspreche, versicherte er dem Publikum.

Besucher in einem hellen Ausstellungsraum mit Holzstühlen im Wegner-Museum.
Inger Lauridsen war Leiterin des Tonderner Museums, als im Wasserturm die Wegner-Ausstellung errichtet wurde. Sie ist begeistert von dem Wegner-Museum auf Hestholm.

Start für das Publikum zu Ostern

Für Besucherinnen und Besucher öffnet das Museum am Gründonnerstag, 2. April. Der Termin ist nicht von ungefähr gewählt. Es ist der Geburtstag von Hans J. Wegner. Vormittags ist das Museum den Mitgliedern des Freundeskreises vorbehalten. Ab 13 Uhr ist das Haus dann für alle geöffnet. Wegen des erwarteten Andrangs wird empfohlen, den Parkplatz bei den Sporthallen zu nutzen. Von dort fährt am 2. und 3. April ein Shuttlebus im 20-Minuten-Takt. Die Homepage noch nicht komplett, aber die Öffnungszeiten für die Ostertage sind dort bereits zu finden.