Kultur

„Das Gebäude war verlassen“: Mäzen-Ehepaar verwandelt Schloss Augustenborg in Ort der Kunst

Mark und Volinka Augustenborg in ihrer Sammlung - mit einer Skulptur der Isländerin Steinunn Thórarinsdóttir.

Als 2021 die historischen Nebengebäude des Schlosses Augustenburg zum Verkauf standen, griffen Mark und Volinka Augustenborg zu. Sie hatten eine Vision, wie die beiden sagen. Was ist draus geworden? Ein Besuch vor Ort.

Veröffentlicht

Zusammenfassung

  • Das Mäzen-Ehepaar Volinka und Mark Augustenborg hat die historischen Nebengebäude von Schloss Augustenburg übernommen und zum Zentrum für zeitgenössische Kunst ausgebaut.
  • Im "Augustenborg Project" verbinden sie eine frei zugängliche Kunstsammlung und Ateliers mit Gastronomieangeboten und regelmäßigen offenen Wochenenden.
  • Zum Konzept gehören zudem Ferienwohnungen und Kunst im öffentlichen Raum wie neue Bronze-Pudel im Schlosspark, die Kulturgeschichte mit aktueller Identitätspolitik verknüpfen.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Augustenburg (Augustenborg), die kleine Residenzstadt schleswig-holsteinisch-dänischer Herzöge auf Alsen, kurz hinter Sonderburg (Sønderborg), ist im Begriff, ein Zentrum für zeitgenössische Kunst zu werden. Im Mittelpunkt steht das „Augustenborg Project“, das ein kunstbegeistertes Mäzen-Ehepaar ins Leben gerufen hat: Volinka (47) und Mark Augustenborg (52).

So viel vorweg: Die Übereinstimmung ihres Nachnamens mit dem Ort ist tatsächlich Zufall. Anders als man annehmen könnte, sind die Eheleute keine Nachfahren der Augustenburger Herzöge.

Die Augusteborgs sind an diesem Tag aus Kopenhagen angereist. Als sie durch ihre Räumlichkeiten führen, erzählen sie begeistert, was sie an diesem Künstler oder jener Künstlerin in ihrer Sammlung mögen. Warum sie sich gerade für diese Werke entschieden haben. 

Kunst die überzeugt

Sie kaufen nur Kunst, von der sie beide überzeugt sind, und achten auf „höchstes internationales Niveau“ sowie darauf, dass die Werke möglichst einen Bezug zum Ort haben. Augustenburg ist schließlich schon lange Kultur-Ort.

Friedrich Schiller widmete eines seiner Werke einem Augustenburger Herzog (Augustenburger Briefe). Bertel Thorvaldsen schuf die Büste einer Augustenburger Prinzessin, und der Märchendichter Hans Christian Andersen hatte eine Lieblings-Linde im Park.

Zärtlich legt Volinka Augustenborg ihre Hand auf eine Marmorskulptur von Freja Niemann Lundrup. Diese Künstlerin habe erst durch ihre Kunst aus persönlichen Krisen gefunden, erklärt sie. 

Mark Augustenborg deutet auf ein Bild Londons, das der Spanier Iker García Barrenetxea gemalt hat. Als er es das erste Mal sah, habe er es sich noch nicht leisten können.

Er Geschäftsmann in Dänemark, sie Juristin in New York

In der Zwischenzeit hat er sich im Bereich der erneuerbaren Energien einen Namen gemacht. Er ist Mitbegründer und Finanzvorstand (CFO) von Better Energy, einem dänischen Großunternehmen.

Auch Volinka Augustenborg hat Karriere gemacht. Als 16-Jährige ging die gebürtige Bulgarin über ein Stipendium in die USA. Sie arbeitete als Juristin im Investment-Bereich in New York und London. 

In London, in einer Bar auf der Regent Street, lernte sich das Paar kennen. Sie heirateten, zogen nach Kopenhagen und bekamen zwei Kinder. Untereinander sprechen sie Englisch.

Volinka Augustenborg trägt an diesem Tag Schwarz, ein bisschen Strass am Blazer, Plateau-Stiefeletten. Er erscheint in grauer Strickjacke, grüner Hose.

Nebengebäude des Schlosses standen zum Verkauf

Nachdem die zuständige Kommune Sonderburg beschlossen hatte, Augustenburg zu einem Zentrum für zeitgenössische Kunst auszubauen und bereits verschiedene Versuche dafür unternommen hatte, wurden 2021 Investoren gesucht. 

Die historischen Nebengebäude des Schlosses, eine L-förmige Häusergruppe aus gelbem Klinker, zwischen Barockschloss und Prinzessinnen-Palais gelegen, standen zum Verkauf.

„Du heißt doch so. Warum machst du es nicht?“, sei er gefragt worden, erzählt Mark Augustenborg. Irgendwann wurde er weich. Schließlich kommt seine Familie aus der Baubranche, und er fühlt sich heimisch im südlichen Dänemark, wuchs in Hadersleben auf.

Mark Augustenborg: Vision ist wahr geworden

Der Konsens beim Kauf sei gewesen, wenig für den Erwerb der 2.400 Quadratmeter großen Immobilie auszugeben, um umso mehr reinstecken zu können, berichtet Mark Augustenborg. „Das Gebäude war verlassen, aber wir hatten eine Vision, wie wir es mit Leben füllen könnten. Jetzt, fünf Jahre später, ist die Vision wahr geworden.“

Sie hätten nie die Absicht gehabt, mit dem Projekt Gewinn zu erzielen, fügt er hinzu. „Wir möchten das künstlerische Leben in der Gegend bereichern und junge, talentierte Künstler auf ihrem Weg unterstützen.“ Volinka Augustenborg arbeitet inzwischen ausschließlich für das Kunstprojekt.

Kunst, Gastronomie und Ferienwohnungen

Das „Augustenborg Project“ setzt sich aus drei Strängen zusammen:

Kunst. Die eigene Sammlung ist für Besucher kostenfrei zugänglich. Künstler werden als ‚artists in residence‘ aufgenommen. Zum Konzept gehören Kunstwerkstätten. Ungefähr 40 Künstler dürfen ihre Kunst in einem Teil des Gebäudes hobbymäßig ausüben. Die Kommune zahlt den größten Teil der Nebenkosten. Jedes letzte Wochenende im Monat ist Tag der offenen Tür. Ostern (2. bis 6. April von 11 bis 16 Uhr im Treppenhaus) und Weihnachten finden Verkaufsausstellungen statt.

Gastronomie. Es gibt Bistro/Restaurant/Weinbar (verpachtet), auch Räume für Großveranstaltungen (Hochzeiten, Firmenfeiern).

Ferienwohnungen. Vier große Ferienwohnungen für jeweils zwei bis fünf Personen werden angeboten.

Vom Schloss in den Park

Am Ende der Besichtigungstour geht’s in den Park, zu den neuen Bronze-Pudeln des dänischen Künstlers Esben Weile Kjær. Das Werk sei ein Zitat aus Goethes Faust und eine Anspielung auf die Silberlöwen von Schloss Rosenborg, „ein direkter Dialog zwischen deutscher Literaturgeschichte und moderner Identitätspolitik“, erklärt Mark Augustenborg. 

In seinen Augen wie gemacht für den Park von Augustenburg. Und das Beste für Besucher, die nicht so viel philosophieren wollen: Man darf sich sogar draufsetzen.

Stadt und Schloss Augustenborg

amensgeberin von Stadt und Schloss Augustenborg ist die gebürtige Glücksburgerin Prinzessin Augusta Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg (1633–1701). 1651 zog sie mit ihrem Mann und Cousin ersten Grades, Ernst Günther von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, hierhin.

Das heutige Barockschloss wurde 1776 fertiggestellt. 1788 baute Herzog Frederik Christian I. für seine gehandicapte Tochter ein Palais, in dem später auch Prinzessin Louise Augusta, das „Kind der Liebe“ von Königin Caroline Mathilde und dem königlichen Leibarzt Johann Struensee, lebte.

Von 1929 bis 2015 befand sich eine psychiatrische Klinik in den Schlossgebäuden. Das Prinzessinnen-Palais wurde bereits 2009 zum Kunsthaus „Augustiana“ (heute wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, betrieben durch die Kommune, freier Eintritt), 2016 zog die Landwirtschaftskammer (300 Mitarbeiter) in das Hauptschloss. 2021 kauften Mark und Volinka Augustenborg die Nebengebäude im Park. Im ehemligen Postamt befindet sich dieGalerie „Kunstpunkt“, die von einem Verein betrieben wird.

Augustenburg-Stadt (ca. 3100 Einwohner) entstand größtenteils in den Jahren 1760-1800. Viele der alten Häuser werden aktuell restauriert.