Traditionen

Schiffbauer sorgt in Hoyer für „Wiedergeburt“ der traditionellen Bootstypen der Auen und Kanäle 

Mann steht auf einem Steg neben einem kleinen Segelboot auf einem Fluss in ländlicher Umgebung.
Bei der Veranstaltung „Smag på Marsken" hat Joakim Okkels das Eingangsboot und den neu gestifteten Anleger am alten Fischerhafen von Hoyer vorgestellt (Archivfoto).

Joakim Okkels berichtete beim Lokalhistorischen Verein für Hoyer und Umgebung über sein Projekt „Eingangsboot“, das er in seiner Werkstatt an der Wiedauschleuse umsetzt. Der in Norwegen im Holzbootbau ausgebildete Handwerker erläuterte die bis in die Wikingerzeit zurückreichenden Bootstypen für flache Gewässer der Wattenmeerregion.

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Zusammenfassung

  • Schiffbauer Joakim Okkels lässt in Hoyer den traditionellen Bootstyp „Eingangsboot“ der Tonderner Marsch wieder aufleben.
  • Er rekonstruiert die flachbodigen Holzboote nach historischen Plänen und alten Maßsystemen mit traditionellen Wikinger- und Friesenbautechniken.
  • Bei einem Vortrag des Lokalhistorischen Vereins stellte Okkels das Projekt vor und lädt nun Schulklassen in seine Werkstatt an der Wiedauschleuse ein.

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Während des vergangenen Jahres und des ganzen Winters hindurch haben Besucherinnen und Besucher der Wiedauschleuse bei Hoyer (Højer) an vielen Tagen einen Blick in die zur Werkstatt umfunktionierte Garage am Schleusenmeistergebäude direkt hinter dem Deich werfen können. 

Ein typisches Wasserfahrzeug der Vergangenheit

Dort ist der in Hoyer lebende Schiffbauer Joakim Okkels dabei, ein „Eingangsboot“ für die bei Hoyer ins Wattenmeer mündende Wiedau mit ihren einst vielen Kanälen und Seen zu bauen. Ein typisches Wasserfahrzeug also. 

Bei der Generalversammlung des Lokalhistorischen Vereins für Hoyer und Umgebung hat Joakim Okkels, der aus Tondern (Tønder) stammt, über sein Projekt berichtet, diesem einst im Bereich der Tonderner Marsch verbreiteten Bootstyp zu einer Wiedergeburt zu verhelfen. 

Anhand von Lichtbildern erklärte der in Frederikssund und in Trondheim in Norwegen im Handwerk des Holzschiffsbaus ausgebildete Nordschleswiger auf der Generalversammlung zunächst über seine Erforschung der nach der Entwässerung der Tonderner Marsch ab 1926 weitgehend verschwundenen Bootstypen. 

Im Esbjerger Schifffahrtsmuseum und im kleinen Freilichtmuseum am „Fischereihafen“ bei Hoyerschleuse sind Exemplare des kleineren Typs „Eingangsboot“ (dänisch Engangsbåd) und des größeren „Frachters“ „Zweigangsboot“ erhalten geblieben. 

Joakim Okkels stellte anhand seiner Lichtbilder die besondere Bautechnik der für die Tonderner Marsch einst typischen Boote vor, die angesichts schlechter Wege und häufiger Überschwemmungen dem Fracht- und Personenverkehr dienten. Sogar Heu wurde per Boot zu den Höfen gebracht.

„Ich habe herausgefunden, dass diese Bootstypen nach ganz spezieller Bautechnik gefertigt werden“, so Okkels, der vor einigen Jahren auch an einem ersten Bootsbau-Projekt mithilfe der Kommune Tondern in der Bachmannschen Wassermühle in Tondern beteiligt war. 

Spezielle Bautechnik nach alten Vorlagen

„Jetzt geht es um ein größeres Projekt“, so der Bootsbauer, der mit einem bereits fertiggestellten „Eingangsboot“ beeindruckende Segeltouren auf der Wiedau und durch die alte Hoyerschleuse unternommen hat. 

Es ist ein wirklich raffiniertes Boot. Ich möchte gerne auch anderen das Bootsbauen beibringen.

Joakim Okkels

Der Bootstyp der Tonderner Marsch ist mit sehr breiten Planken ausgestattet. Typisch ist der flache Boden mit nur 45 Zentimetern Tiefgang bei einer Länge von 5,28 Metern und einer Breite am Boden von 1,14 Metern.

Breiter Flusslauf der Wiedau bei Hoyer zwischen Deichen und Grünland unter bewölktem Himmel
oakim Okkels segelt wie die Marschenleute in alten Zeiten mit dem Eingangsboot bei Hoyerschleuse. Die Boote wurden auch gerudert oder per Staken fortbewegt.

 „Ich musste mich bei den alten Zeichnungen in den Maßeinheiten zurechtfinden“, so Okkels. 

Bootsbauer Boy Petersen aus Ruttebüll (Rudbøl) hatte in über 100 Jahre alten Aufzeichnungen eine Bodenlänge von 8,5 Ellen notiert, so der Bootsfachmann Andreas Møller in seinem 1973 erschienenen Buch „Både og Bådfolk i Marsken”. 

Das Buch hat die Tradition der Personen- und Frachtschifffahrt zwischen der „Seestadt“ Tondern, Ruttebüll und Hoyer dokumentiert. 

Das historische Foto vom Gutsinspektor H. C. Davidsen, Schackenborg, zeigt eine „Lusttour" auf dem Ruttebüller See mit dem alten Bootstyp unter Segel.

Zum Glück für den heute aktiven Bootsbauer in Hoyer hat Petersen notiert, dass er nach Hamburger Ellen, Hamburger Zoll und Hamburger Quart gearbeitet hat. 

Offene Boote ohne Deckplanken

Die Boote ohne Kiel waren offene Boote ohne Deckplanken. Zur Stabilisierung verfügten sie über Seitenschwerter. Die Zweigangsboote haben als Fracht Vieh, Ziegelsteine und viele andere Waren transportiert.

„Sie waren auch mit besonderen Segeln ausgerüstet“, so Joakim Okkels. Die Boote ähnelten teilweise Wattenmeer-Ewern. 

Er hat herausgefunden, dass die Technik der Wikinger und der lange in der Wattenmeerregion dominierenden Friesen in den Wiedaubooten zu finden ist. 

Planken mit Hanf und Teer abgedichtet

Okkels hat auch wie in alten Zeiten die Bootsbauer Bretter ohne Nut und Feder verbaut. Die Planken hat er durch Einsatz von heißem Wasser gebogen und mit Hanf und Teer den Rumpf abgedichtet. 

„Es ist sehr viel Hobelarbeit nötig, ebenso das Bearbeiten von Holz mit der Axt“, so der vom traditionellen Bootstyp begeisterte Handwerker.

In der Garage des Schleusenmeisterhauses an der Wiedauschleuse hat Joakim Okkels dieses Eingangsboot fast fertiggestellt.

 „Es ist ein wirklich raffiniertes Boot. Ich möchte gerne auch anderen das Bootsbauen beibringen“, erzählt er und lädt Schulklassen zum Besuch in die Werkstatt ein. 

Mit viel Beifall bedankte sich der Lokalhistorische Verein Hoyer für den spannenden Vortrag.

Ausblick auf kommende Veranstaltungen

Der Verein lädt zu weiteren Veranstaltungen in diesem Jahr ein: Am 12. Mai, 17.20 Uhr, führt ein Ausflug nach Lügumkloster (Løgumkloster). 

Am 15. September spricht ab 19 Uhr Rektorin a. D. Ilse Friis über Frauen in der deutschen Minderheit in den 1930er- und 1940er-Jahren. 

Am 20. Oktober erzählt Peter Pørksen ab 19 Uhr über seine Familie auf dem Hof Sieltoft an der deutsch-dänischen Grenze. 

Die Veranstaltungen finden jeweils im Alten Bürgermeisteramt in Hoyer statt.